Ruhestand des Alibaba-Gründers: Jack Ma arbeitete jahrelang an Rückzugsplänen

• Jack Ma trat am 10. September 2019 als Vorsitzender des Internet-Konzerns Alibaba zurück
• Bereits seit 2004 dachte der Unternehmer an den Ruhestand, 2009 begannen konkrete Planungen
• Alibaba soll künftig von einem Führungssystem getragen werden, das sich nicht auf eine Einzelperson stützt

Alibaba-Gründer Jack Ma gilt in der Öffentlichkeit eigentlich als Workaholic, der auch von seinen Mitarbeitern vollen Einsatz verlangt. So propagierte er beispielsweise lange die 72-Stunden-Woche als einen "Segen", sagte aber zuletzt, dass - bei entsprechender Weiterentwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz - in einigen Jahrzehnten auch deutlich kürzere Arbeitswochen möglich seien. Doch trotz seiner ambitionierten Einstellung zur Arbeit tat der Vorsitzende des chinesischen Online-Giganten im September 2019 etwas, das wohl nur wenige erwartet hätten: Er gab seinen Posten bei Alibaba ab, um im Alter von 55 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Dieses Vorhaben hatte Ma bereits ein Jahr zuvor angekündigt. Geplant hatte er diesen Schritt jedoch offenbar schon sehr viel länger.

Jack Ma dachte bereits fünf Jahre nach Unternehmensgründung erstmals ans Aufhören

Wie "CNBC" berichtet, sprach Jack Ma in der vergangenen Woche auf der "Forbes Global CEO Conference" ausführlich über seinen Rücktritt als Vorsitzender von Alibaba und enthüllte dabei auch, seit wie vielen Jahren er diesen bereits vorbereitet. Schon 2004 - also nur fünf Jahre nach der Gründung von Alibaba - habe er zum ersten Mal an seinen Rückzug gedacht, so Ma laut "CNBC". Auslöser sei ein Risikokapitalgeber gewesen, der Mas Eignung als Geschäftsführer angezweifelt habe. Zur Einordnung: In diesem Jahr arbeitete Alibaba gerade an der Bezahlplattform Alipay, die im Dezember 2004 an den Start ging und mittlerweile eine der zwei größten in China ist, dem Unternehmen jedoch auch einigen Ärger und Streit mit Großinvestoren eingebracht hat.

Konkret vorbereitet habe er seinen Ruhestand jedoch erst ab 2009, so der Alibaba-Gründer weiter. In diesem Jahr feierte Alibaba das zehnjährige Firmenjubiläum und ging mit den ersten Cloud-Diensten an den Markt. Auch in diesem Bereich gehört der Konzern mittlerweile zu den größten Playern in China. Am Tag des zehnjährigen Bestehens von Alibaba habe er beschlossen, dass er zum zwanzigjährigen Jubiläum, ganz konkret an seinem Geburtstag am 10. September 2019, in den Ruhestand gehen werde, sagte Jack Ma auf der Forbes-Konferenz. Diesen Entschluss setzte er dieses Jahr in die Tat um: Neuer Vorstandsvorsitzender von Alibaba ist nun Daniel Zhang, der bereits seit 2013 als CEO des Internet-Konzerns fungiert. Ma will laut "CNBC" noch bis zum Aktionärstreffen 2020 Vorstandsmitglied von Alibaba bleiben und dann das Gremium komplett verlassen.

Neues Führungssystem bei Alibaba

Der Rückzug von Jack Ma bei Alibaba war also alles andere als ein Schnellschuss. Entsprechend umfassend hat der Gründer auch geplant, wie es nach dem Ende seiner Zeit an der Firmenspitze mit dem größten börsennotierten Unternehmen Chinas weitergehen soll. Das Ziel dabei ist gewohnt ambitioniert: Alibaba soll mindestens bis ins Jahr 2101 bestehen bleiben, so der Wunsch von Jack Ma. Denn dann hätte es der Konzern geschafft, in drei Jahrhunderten zu existieren.

Der Alibaba-Gründer hat auch eine konkrete Vision, wie dieses Ziel erreicht werden kann: "Das Unternehmen sollte sich auf ein Führungssystem stützen", so Jack Ma laut "CNBC". "Entscheidend ist die Kultur. Entscheidend sind die Menschen. Es geht um das System, das eine Firma für 102 Jahr am Leben erhält. Es geht nicht nur um eine einzelne Person", so der Multimilliardär weiter. Vor allem sollte Alibaba nicht nur von ihm abhängig sein: "Jack Ma wird alt werden. Jack Ma wird blöd werden. Jack Ma wird krank werden oder einen Autounfall haben oder irgendetwas", so der Firmengründer.

Das nun bestehende System bei Alibaba sei das Ergebnis der Bemühungen, eine "wahre Leistungsgesellschaft" hervorzubringen, wo verschiedene Führungskräfte "für die Vision, die Mission und die Werte des Unternehmens kämpfen können". Nach zehn Jahren Arbeit an diesem System sei er nun zuversichtlich, dass Alibaba eine starke Führungsstrategie besitze, die mehrere Jahrzehnte bestehen bleiben könne, sagte Ma, der sich mit diesem Wissen offenbar beruhigt zur Ruhe setzen konnte.

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[finanzen.net] · 22.10.2019 · 04:43 Uhr
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