Rosa-Luxemburg-Stiftung streicht Holger Kreymeier aus Twitch-Studie

15. August 2026, 08:46 Uhr · Quelle: Quotenmeter
Die Stiftung hat ihre Studie zur politischen Kultur auf Twitch nachträglich korrigiert und Kreymeiers Namen gestrichen.
Bild: Quotenmeter

In einer ersten Fassung wurde der Massengeschmack-Gründer im Zusammenhang mit rechten Persönlichkeiten aufgeführt und der AfD zugerechnet.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat ihre Studie „Live, links, vernetzt – Politische Kultur auf deutschsprachigem Twitch“ nachträglich überarbeitet. Betroffen ist unter anderem eine Passage über die frühe deutschsprachige Twitch-Szene, in der zunächst auch der Medienunternehmer und Massengeschmack-Gründer Holger Kreymeier genannt wurde. In der inzwischen abrufbaren zweiten Auflage fehlt sein Name. Kreymeier hatte sich zuvor über seine politische Einordnung in der Veröffentlichung beschwert.

Die von den Soziologinnen Nur Yasemin Ural und Anna Berg verfasste Untersuchung beschäftigt sich mit der politischen Kultur auf dem deutschsprachigen Twitch. Herausgegeben wurde sie von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Grundlage der Studie sind eine digitale Ethnografie, eine dreimonatige Beobachtung von Streams sowie Interviews mit acht Streamern und acht Zuschauern. Die Autorinnen weisen selbst darauf hin, dass die Untersuchung keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt. Die Interviews sollen vielmehr Erkenntnisse über Szenekulturen und -praktiken liefern.

Ein Teil der Untersuchung zeichnet die Entwicklung politischer Formate auf Twitch seit den frühen 2010er-Jahren nach. Die Autorinnen beschreiben eine frühe Szene, die weniger durch eine einheitliche politische Ausrichtung als durch Kritik an der öffentlichen Berichterstattung, eine ausgeprägte Betonung der Meinungsfreiheit und die Vorstellung geprägt gewesen sei, man müsse „mit allen reden“. Die Beteiligten dieser von einem Interviewpartner als „Skeptikerbubble“ bezeichneten Szene hätten sich teilweise nicht eindeutig in das klassische Rechts-links-Spektrum einordnen lassen.

Als Beispiel nennt die Studie den damaligen „Salzmine-Podcast“. Dort seien Personen mit unterschiedlichen politischen Positionierungen zusammengekommen und hätten miteinander debattiert. In einer früheren Fassung der Studie wurde an dieser Stelle eine Reihe von Namen genannt. Neben Bleilo und Kameramann, die heute als Klupatwins auftreten, führte der Text unter anderem den rechtsextremen YouTuber Shlomo Finkelstein, die Streamer Impimpimp und MrWissen2Go, den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner, Ali Utlu, Holger Kreymeier sowie den Waffen-YouTuber Let's Shoot auf.

Besonders weitreichend war dabei die Formulierung zu Kreymeier und Utlu. Beide wurden in der ursprünglichen Version als Personen bezeichnet, „die später der AfD zugerechnet wurden“. Eine nähere Erläuterung, auf welcher Grundlage diese Zuordnung erfolgte oder von wem die beiden Personen der Partei zugerechnet wurden, enthielt die entsprechende Passage nicht. Kreymeier ging gegen seine Erwähnung vor und beschwerte sich bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. In der aktuell veröffentlichten Version ist die Passage deutlich kürzer. Die Stiftung kennzeichnet das Dokument im Impressum inzwischen ausdrücklich als „2., überarbeitete Auflage“.

Darin heißt es zum „Salzmine-Podcast“ weiterhin, dass dort Akteure mit „sehr unterschiedlichen politischen Positionierungen“ zusammengekommen seien. Genannt werden nun die heutigen Klupatwins sowie Shlomo Finkelstein, den die Autorinnen als rechtsextremen YouTuber bezeichnen und auf dessen spätere Inhaftierung wegen Volksverhetzung hinweisen. Danach folgt unmittelbar die Beschreibung der damaligen Debatten. Kreymeier wird an dieser Stelle nicht mehr genannt. Auch die Namen Impimpimp, MrWissen2Go, Martin Sellner, Ali Utlu und Let's Shoot fehlen in der entsprechenden Aufzählung der überarbeiteten Fassung.

Die Änderung ist insofern auffällig, als sich die Studie an anderer Stelle ausführlich mit der Schwierigkeit politischer Einordnungen innerhalb der Twitch-Szene beschäftigt. Die Autorinnen betonen ausdrücklich, dass die „Bezeichnung einzelner Inhalte oder Streamer*innen keineswegs unumstritten“ sei. Für die von ihnen untersuchte linke Twitch-Szene verwenden sie „links“ deshalb vor allem als Selbstbeschreibung der jeweiligen Akteure.

Auch bei anderen Personen differenziert die Untersuchung zwischen eigener Einordnung und Wahrnehmungen innerhalb der Szene. So wird beispielsweise über den Streamer Agitator geschrieben, dass dieser in mehreren Interviews als „rechts“ bezeichnet worden sei. Als Begründung wird angeführt, dass er regelmäßig rechtsextremen Akteuren wie Martin Sellner oder Shlomo Finkelstein eine Plattform biete. An anderer Stelle ordnen die Autorinnen verschiedene Streamer als „liberal bis rechtskonservativ“ ein. Bei der ursprünglichen Zuordnung Kreymeiers zur AfD blieb eine vergleichbare Erläuterung dagegen aus. Aus der Formulierung „der AfD zugerechnet“ ging nicht hervor, ob es sich um eine Einschätzung der Autorinnen, Aussagen der interviewten Personen oder eine anderweitig dokumentierte Zuordnung handelte.

Quotenmeter hat bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung deshalb nachgefragt, wie die ursprüngliche politische Einordnung Kreymeiers zustande gekommen ist. Eine inhaltliche Begründung dafür, weshalb der Medienunternehmer in der ersten Fassung der Studie der AfD zugerechnet wurde, liegt Quotenmeter bis heute nicht vor.

Twitch / Rosa-Luxemburg-Stiftung / Holger Kreymeier / Massengeschmack / Politische Einordnung / AfD / Studie
[quotenmeter.de] · 15.08.2026 · 08:46 Uhr
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