River City Girls: Highschool-Prügelei im Anime-Stil!

1989 wurde mit River City Ransom bzw. Street Gangs in Europa der Grundstein für die River City Girls gelegt. Während ihr damals noch mit den Jungs Kunio und Riki durch die Straßen prügeln konntet, hat sich WayForward in ihrem neusten Spiel überlegt, die Rollen zu tauschen. Voller Referenzen zum Original und der Popkultur der 80er im Allgemeinen sollt ihr euch erneut durch eine pixelige Großstadt prügeln. Aber haben die jungen Frauen das gleiche Kultpotential wie ihre Vorgänger? Wir haben es uns auf dem PC mal angeschaut, verfügbar ist es jedoch auf allen aktuellen Plattformen.

River City Girls Rescue Team!

Kyoko und Misako, die namensgebenden River City Girls, sitzen genervt im Unterricht, wie es sich für Teenager eben gehört. Sie erhalten allerdings plötzlich eine Nachricht, dass ihr beiden Freunde, die Protagonisten der alten Spiele, entführt worden seien. Das können die Damen natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Tische fliegen durch den Klassenraum, der Lehrer verlangt nach einigen Schlägen und Tritten auf die Nase und die Rettungsaktion beginnt. Spur über Spur prügeln die Mädels aus allen möglichen Personen heraus, um so immer weiter durch die Stadt zu ziehen. Und damit ist die Geschichte auch schon in Gänze erzählt.

Man kann natürlich sagen, dass die Geschichte in einem Beat’em Up sowieso zweitrangig ist. Genreklassiker wie Fatal Fury, Streets of Rage oder Double Dragon haben euch wie auch hier ein simples Ziel gegeben, um dann die Fäuste zu schwingen. River City Girls sollte in puncto Erzählung aber nicht einfach auf dieselbe Schiene geschickt werden. So simpel die Prämisse auch sein mag, wird sie immer wieder in großartigen Anime-Sequenzen und unterhaltsamen Dialogen erzählt. Die Synchro zweier schriller Teenager-Mädchen ist natürlich absolute Geschmackssache. Trotzdem machen Dialoge und Artdesign der Figuren große Freude. Es entsteht schnell das Gefühl, dass dem Team dahinter viele Freiheiten gelassen wurden. Das sorgt für genügend Motivation, ständig zum nächsten Widersacher zu hetzen.

Immer mitten in die Fresse rein!

Gerade zu Beginn ist diese Motivation auch dringend notwendig. Es dauert nämlich seine Zeit, bis die Spielmechaniken die nötige Komplexität erreichen, um ebenfalls zu begeistern. Anfangs habt ihr nur einen schweren Angriff, eine Combo aus leichten Angriffen, eine Sprung- und eine Sprintattacke. Die Kämpfe sind also mehr Button-Mashing als überlegte Prügelei. Habt ihr einen Bildschirm leer geboxt, könnt ihr in den nächsten Bereich weiterziehen und das Spiel geht von vorne los. Als weitere Mechanik kommt es allerdings immer wieder vor, dass der letzte noch nicht besiegte Gegner auf die Knie geht. Wie ein geschwächtes Pokémon könnt ihr diesen rekrutieren und im Kampf nutzen. Auf Knopfdruck holt ihr dann einen von den insgesamt über 50 unterschiedlichen Widersachern zu Hilfe, der für einen Angriff ins Bild hüpft und wieder verschwindet.

Erst im weiteren Spielverlauf erweitern sich eure individuellen Möglichkeiten in den Auseinandersetzungen. Mit jedem gewonnen Kampf erhaltet ihr nämlich Erfahrungspunkte. So steigen eure Highschool-Amazonen im Level und erlernen immer weitere Kampftechniken. Ihr könnt herumliegende Waffen im Kampf benutzen oder die manchmal auftauchenden Ketten zur Eingrenzung des Kampfbereiches nutzen, indem eure Feinde an ihnen abprallen. Außerdem ist es ein großer Unterschied, welches der beiden River City Girls ihr spielt. Sowohl Kyoko als auch Misako haben völlig unterschiedliche Movesets. Den größten Effekt aus allem holt ihr aber heraus, wenn ihr das Spiel kooperativ angeht. Zu zweit macht die Prügelei doppelt Spaß, ihr erlebt die komplette Vielfalt der Möglichkeiten eurer Kämpferinnen und kloppt euch so gemeinsam durch die Stadt.

Anime-Prügelei in Pixeloptik

Das ist dann auch der perfekte Zeitpunkt, um mal darauf einzugehen, wie großartig euer Örtchen aussieht. Die River City Girls leben in einer Stadt aus wunderbarster Pixeloptik. Jede Ecke sprüht über vor Details, Bewegungen der Menschen und Umgebung sind wunderbar flüssig und detailverliebt. Da ihr immer wieder neue Bereiche freispielt und auch Schlüssel für alte, bereits besuchte Orte erhaltet, stört es  so zum Glück überhaupt nicht, manchmal längere Wege zurück auf sich zu nehmen. River City Girls schickt euch nicht nur einfach von links nach rechts, sondern bietet ein kleines Kartennetz, welches ihr auf eurem Handy jederzeit abrufen könnt. Hier habt ihr dann auch noch eine Übersicht über rekrutierte Charaktere, euer eigenes Level und mögliche Ausrüstungsgegenstände wie Tamagotchis oder Klamotten, die entweder euch oder euren Hilfscharakteren kleine Upgrades verpassen.

Untermalt wird dabei alles von einem poppigen Soundtrack, der eine perfekte Mischung aus J-Pop, Teenage-Nostalgie und Prügelorgie bildet. Die Übergänge aus Videospiel und schrillem Cartoon verschwimmen mit jeder Szenerie, jeder Cutscene immer mehr und saugen euch in ein kurzweiliges Abenteuer, das zu begeistern weiß. WayForward hat hier erneut ihr Stärken im Artdesign spielen lassen. Das gesamte Drumherum wirkt stimmig, nichts deplatziert. Vom einfachen prügeln durch die Straßenzüge bis hin zu furios inszenierten Bosskämpfen waren wir einfach nur begeistert.

Fazit

River City Girls war für uns ein Spiel, von dem wir nicht wussten, dass wir es haben wollten. Die Mischung aus Beat‘em Up und Rollenspiel hat wunderbar funktioniert und vor allem kooperativ für eine äußerst unterhaltsame Spielzeit gesorgt. Auch wenn gerade am Anfang der ungefähr sieben Stunden Spielzeit das Aufleveln eurer Charaktere etwas müßig ist, sorgen die unterschiedlichen Spielweisen sowie ein New Game+-Modus trotzdem für Wiederspielwert. Schließlich überspringt ihr so auch die monotonen ersten Minuten, in denen euch eine Vielzahl praktischer Moves noch fehlen. Wir sind jedenfalls begeistert und können sowohl Genrefans- als auch Neulingen nur empfehlen, Kyoko und Misako eine Chance zu geben!

Gaming
[next-gamer.de] · 14.09.2019 · 13:21 Uhr
[1 Kommentar]
 
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