Review: Port Royale 4 – Überzeugender Seehandel oder doch nur fauler Fisch?

Als am 10. September 2004 Port Royale 2 released wurd war ich Feuer und Flamme! Aufbausimulation mit Fokus auf Wirtschaft und Handel – das Konzept erschien mir sehr schlüssig und sinnvoll. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir sehr lange und sehr intensiv Stunde um Stunde damit verbracht haben, Waren aus Port Royale nach Tortuga zu schiffen oder sonst irgendwohin in die schöne karibische Welt zu verfrachten. Irgendwann im Mai 2012 folgte Port Royale 3, doch trotz der Begeisterung und Vorfreude konnte mich der Nachfolger letztendlich nicht überzeugen. Einziger Punkt, um Port Royale 3 zu spielen war damals der Multiplayer, welcher allerdings oft auch seinen Geist aufgab und schnell zu Frust und Unlust führte. Die Ankündigung für Port Royale 4 dann ließ mich erneut aufhorchen. Da war sie wieder, diese Vorfreude. Doch zeitgleich beschlich mich auch ein ungutes Gefühl – was wenn es mehr wie Port Royale 3 werden würde? Was, wenn es mich nicht überzeugt? Doch ich beschloss, diese Gedanken beiseite zu lassen und Port Royale 4 als eigenständigen Titel zu betrachten und keine direkten Vergleiche zu ziehen.

Umso glücklicher war ich, dass ich die Beta anspielen konnte und mir das Spiel bereits vor Release ansehen konnte. Mit ca. 7 GB ist Port Royale 4 auch kein Speichermonster, was auch für ältere Rechner ein Segen sein kann. Begeistert hat mich gleich zu Beginn die Tatsache, dass es keinen Multiplayer gibt! Dieser war nie besonders stabil und letztendlich hat man eher nebenher gewirtschaftet, als effektiv miteinander gespielt. Doch genug von alten Kamellen – wir konzentrieren uns auf den vierten Teil einer faszinierenden Reihe! Das Menü ist übersichtlich und verständlich aufgebaut. Neben dem Tutorial hat man die Auswahl der Kampagne – genau genommen der vier Kampagnen oder einem Freien Spiel. Zu Beginn empfiehlt sich das Tutorial, damit man die Grundlagen des Spiels kennenlernt. Auch wer Port Royale zuvor schon gespielt hat, ist hier mit Sicherheit gut aufgehoben, auch wenn das Spielprinzip sich nicht geändert hat.

Die verschiedenen Tutorials sind sehr schön aufgebaut! Man beginnt wirklich bei den einfachsten Grundlagen und endet dann bei Seeschlachten und dergleichen. Auch die diversen Möglichkeiten der automatischen Handelsrouten werden sauber und verständlich erklärt. Durch das Tutorial leitet euch Sam – ein vertonter Seebär. Meiner Meinung nach ein schöner Ansatz um die komplexe Tiefe wenigstens grundlegend zu erklären. Die meiste Erfahrung kommt eh erst beim Spielen selbst, wenn man mal wieder irgendetwas nicht bedacht hat und seinen Konvoi retten muss. Zeitlich gesehen investiert man auch nicht unendlich viel. Das erste Tutorial wird mit etwa zehn Minuten angegeben, welche benötigt werden, um die verschiedenen Oberflächen und ersten Einblicke zum Konvoi kennenzulernen. Alle weiteren bewegen sich in einem geringeren Rahmen. Das weckt für mich persönlich einen guten Eindruck – ich hasse ewig lange Tutorials! Manche der Texte von Sam lassen sich durch einen Druck auf die Taste X überspringen, was die investierte Zeit natürlich nochmal senkt.

Ist man ausgerüstet mit den Grundlagen, kann man sich für die Kampagne oder ein Freies Spiel entscheiden. Zur Auswahl stehen die typischen vier Nationen der Port Royale Reihe – England, Spanien, Niederlande und Frankreich. Alle vier kämpfen mal mehr mal weniger um die Vorherrschaft in der neuen Welt. In der Kampagne ist man gezwungen mit Spanien zu beginnen – diese haben den leichtesten Einstieg und bieten somit die Möglichkeit sich langsam zu steigern. Erst nach und nach erhält man die Möglichkeit, auch andere Nationen zu spielen.

Das Freie Spiel hingegen bietet die Möglichkeit, sich nahezu alles selbst zu gestalten. Hier ist es möglich, die Machtverhältnisse zu verschieben und der eigenen gewählten Nation verschiedene Vor- oder Nachteile zuzuschieben. Somit hat man hier nochmals Möglichkeiten, das Spiel sehr individuell zu gestalten und seine ganz eigene Erfahrung zu kreieren. Ganz gleich, welchen Weg man wählt: Man beginnt immer mit mindestens einem Schiff und in seiner Heimatstadt.

Die Städte haben zudem einen viel größeren Stellenwert erhalten als das zuvor der Fall war. Hier kommt spürbar der Aspekt einer Aufbausimulation zum Tragen, wenngleich ich nicht komplett frei die Gebäude platzieren kann. Stattdessen wird die Stadt in Hexfelder unterteilt und benötigte Gebäude können darauf gebaut werden. Dies kann auf die umliegenden Gebäude positive oder auch negative Auswirkungen haben. Für den Bau der diversen Gebäude werden verschiedene Ressourcen benötigt, welche entweder vor Ort vorhanden sind oder von uns per Schiff oder auch von einem Computergesteuerten Charakter gebracht werden.

Aber Vorsicht! Auf hoher See lauern nicht nur Piraten, sondern auch gefährliche Stürme, welche die eigenen Schiffe beschädigen können. Ein besonderes Detail sind in Port Royale 4 aber die Seeschlachten – diese sind erstmals rundenbasiert, wodurch der strategische Part absolut erhöht wird. Ebenso gibt es Spezialfähigkeiten, welche das Kampfgeschehen ändern können. Somit bietet der Part neues, wenngleich die Handelssimulation immer noch im Vordergrund steht.

Grafisch kann das Spiel überzeugen! Soviel Liebe darin, eine karibische Traumlandschaft zu designen – und das ganze mit stufenlosen Zoomen! Auch die Städte sind extrem schön gestaltet – leider wiederholt sich die Optik. Hier hätte man eventuell mehr differenzieren können. Auf hoher See kommen die sehr schön gestalteten Schiffe zur Geltung und wir segeln im Wind – dessen Richtung und Geschwindigkeit sich optisch einblenden lässt – indem Ziel entgegen.

Insgesamt erhält man mit Port Royale 4 eine würdige Fortsetzung der bekannten Reihe. In meinen Augen wurden Schwächen der Vergangenheit beseitigt und ersetzt. Die Grafik und der Soundtrack wissen zu überzeugen und fügen ein schönes, manchmal verträumtes Bild der Karibik. Die Kämpfe machen Spaß und erhalten durch die Runden einen ganz eigenen Touch. Warenketten sind logisch und nicht zu leicht gestaltet. Gleichzeitig bläht man diese aber auch nicht unnötig auf. Außerdem gibt es Port Royale erstmals auf Konsolen – und so segeln PS4, Xbox und demnächst auch die Nintendo Switch in der Karibik, Auch hier kann Port Royale überzeugen, wenngleich ich zu Beginn ehr skeptisch war. Dennoch hat Gaming Minds Studios hier etwas grandios geschaffen!

Review: Port Royale 4 – Überzeugender Seehandel oder doch nur fauler Fisch?
8
Grafik
7
Sound
8
Steuerung
7.5
Spiele Spaß
8
Preis Leistung
Gesamtwertung 7.7 / 10
Unser Fazit
Port Royale ist eine meiner Lieblingsgamingreihen. Der Handel und die Möglichkeit eine eigene kleine Stadt - zumindest grundlegend - aufzubauen sind überzeugend. Und das seid Jahren! Mit Port Royale 4 kommt ein wunderschöner Teil, über den ich mich begeistert zeige. Insbesondere die Einstiegshürde in die Welt solcher Spiele ist hier perfekt gefunden - durch die super erklärten Tutorials kommt man gut rein. Wer mehr möchte, hat diverse Möglichkeiten, sich das Spiel etwas zu erschweren. Aus diesem Grund kann man Port Royale sehr entspannt zocken, wenn man die Mechaniken erstmal verstanden hat. Alle Mann an Board - Anker lichten!
Gaming / Nintendo / PC-Computer / PlayStation / Tests / Xbox / Handel / Kamp / Pc / Playstation / Port Royale / PS4 / See / Seeschlachten / Steam / xbox / Xbox one
[topgamingnews.de] · 26.09.2020 · 08:16 Uhr
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