[Review] Pokémon Karmesin | Purpur

Das Release von Pokémon fährt immer wieder Rekorde für Nintendo ein und das hat sich auch mit der aktuellen Generation Karmesin/Purpur nicht geändert. Bereits nach wenigen Tagen hatte Nintendo Rekordverkäufe gemeldet. Ob die 2022er Generation der Taschenmonster wirklich alle Gamer glücklich macht, wisst ihr am Ende dieses Artikels.

Der Hype ist real

Mittlerweile werde ich selten von Hypes erfasst und bin oftmals eher skeptisch. Das diesjährige Pokémon hatte mich allerdings bereits früh in seinen Bann gezogen. Es versprach eine offene Spielwelt, viele Pokémon, neue und umgebaute Mechaniken und vieles mehr.

Grafik & Performance

Wir lassen die Katze mal direkt zu Beginn aus dem Sack. Grafik und Performance (Version 1.1.0) sind unfassbar schlecht. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, wenn man das Gesehene wiedergeben möchte. Es schaut einfach alles matschig und kantig aus.

Dazu gesellen sich NPCs in der kompletten Spielwelt, die sich mit gefühlten 5fps bewegen. Nichts schaut halbwegs flüssig aus. Außerdem ruckelt das Spiel sowohl im Handheld- als auch TV-Modus regelmäßig und teils sogar reproduzierbar. Geht man online, wird es sogar noch schlimmer. Das dürfte wohl ein Grund sein, warum man sich immer manuell einwählen muss.

Klanglich grenzwertig

Musik und Soundeffekte sind zwar deutlich besser, dürften die meisten Gamer aber auch schon nicht mehr überraschen bzw. abholen. Der Großteil der Pokémon-Spieler in meinem Umfeld hatte die Musik unmittelbar nach Verfügbarkeit abgeschaltet und hört eigene Mucke zum Zocken.

Scheinbar hatte sich auch noch ein Fehler vor Version 1.1.0 eingeschlichen, dass teils die falsche Musik bei Arenakämpfen abgespielt wurde. Das macht es alles nicht besser, ist aber mittlerweile gefixt.

So schlecht? Echt?

Nachdem wir die Hauptkritik an Pokémon Karmesin/Purpur rausgehauen haben, kommen wir zum zentralen Teil des Spiels: Das Gameplay. Persönlich suchte ich das Game seit Tag eins und logge mich auch immer wieder ein, obschon ich gar kein Pokédex-Hunter bin.

Die Spielwelt bietet einfach sehr viele Inhalte und vereint Features der letzten Generationen sowie Neuerungen in sich, die fesseln. Dies packt der Entwickler geschickt in unterschiedliche Story-Abschnitte sowie frei erkundbare Teile. Es bleibt also komplett euch überlassen, ob Arenen angegangen, Herrscher-Pokémon zu Fall gebracht oder das “böse” Team Star attackiert werden. Zusätzlich werden der Pokédex gefüllt und das eigene Team gelevelt.

Die Story bzw. Stories sind recht flach und können vernachlässigt werden. In diesem Punkt war Pokémon aber nie wirklich stark. Allerdings dürften das die Wenigsten überhaupt erwarten, wenn überhaupt. Die Dialoge, besonders während der Arenakämpfe, sind teils echt grenzwertig am Rande des Fremdschämens. Ich spreche in diesem Punkt besonders von der Elektro- sowie Geist-Herausforderung. Lasst euch überraschen.

EP-Teiler permanent aktiv

Der gute alte EP-Teiler ist von Beginn an aktiv und muss nicht erst freigeschaltet oder aktiviert werden. Nicht alle sind davon potentiell begeistert, aber persönlich hat es mich gefreut.

Das liegt vor allem daran, dass man jetzt leichter farmen kann. Bei “Auto-Kämpfen” schickt ihr euer aktives Pokémon an Position eins los und es greift alles an, was sich in der näheren Umgebung befindet. Dafür erhält man dann Erfahrungspunkte. In der Schule lernt man zwar, dass diese Art der Kämpfe gleich viel XP bringen wie ein normaler Kampf, aber dem ist nicht so. Wer also effektiv leveln möchte, sollte jeweils selbst in die Matches einsteigen und nicht im automatischen Modus zocken. Dennoch hatte ich das Feature recht oft in Gebrauch, denn so kann man seine Switch über Tag neben sich liegen haben und bekommt quasi AFK Level-Ups für sein Team. Am Ende des Tages muss man das nicht nutzen, hat aber auch keinen wirklichen Nachteil.

Das Gameplay punktet

So sehr die Kritikpunkte auch schmerzen, so gut schneiden die meisten Mechaniken und Features von Pokémon Karmesin/Purpur ab. Die “halbwegs” offene Welt weiß zu gefallen, denn Spieler sind weitgehend frei, wohin sie gehen wollen. Ab einem bestimmten Punkt muss man einfach gewisse Herausforderungen abgeschlossen haben, um sich sinnvoll weiterbewegen zu können, was sich aber nicht negativ bemerkbar gemacht hat. Schließlich rennt wohl kaum jemand durch das Videogame und schaut sich nur die schwammige Landschaft an.

Unser jeweils legendäres Pokémon wird zum Reittier und kann am Ende klettern, boosten, gleiten, schwimmen und recht hoch springen. Damit bewegt man sich schnell durch die schlechte Performance der Landschaft. Leider muss man oft abwarten, bis wilde Pokémon angezeigt werden oder NPCs überhaupt geladen sind. So wird das gezielte Farmen von Monstern teils unnötig lang gezogen. Ein Beispiel: Ich war auf der Suche nach Riolu und habe erst spät gemerkt, dass ich scheinbar drei oder vier mal an einem Schwarm vorbeigerauscht bin, weil sie einfach nicht angezeigt wurden.

Pokémon können nicht ohne Kampf gefangen werden und ihr müsst auch nicht durch hohes Gras, um sie zu finden. Allerdings kann man wieder überrascht angreifen, sodass zwei Züge möglich sind, bevor das wilde Monster reagieren kann.

So kämpft, sammelt und levelt ihr euch also durch die Welt. Raids können online oder offline abgeschlossen werden, im Multiplayer darf man sogar zusammen mit Freunden zocken und natürlich fehlen auch Tauschoptionen wie der Zaubertausch nicht. Zwischendurch muss man in der Schule noch Prüfungen ablegen, für die im Unterricht tatsächlich aufgepasst werden sollte.

In Summe empfand ich das aktuelle Pokémon-Spiel als recht einfach. Keine Arena war herausfordernd, kein Kampf wurde wiederholt und sogar die Top-Vier sind weggefegt worden. Dennoch bietet das Game auch nach Abschluss noch einiges zu erledigen (neben dem Pokédex).

Züchten… Mal anders

Eine zentrale Neuerung oder Änderung sind Picknicke. Während dieser Pausen können Sandwiches zubereitet werden, die euch und euren Pokémon temporäre Verbesserungen bringen. Eure Auswahl wird mit und mit ausgebaut, je weiter ihr bei den Arenen kommt und je mehr hochwertige Raids abgeschlossen werden. Es kann alles geboostet werden. Von Spawnraten bis hin zu stärkeren Attacken ist alles dabei.

Dies inkludiert auch das Züchten (Breeding). Es existiert kein Hort mehr, bei dem ihr eure Pokébälle abgebt, sondern das geschieht alles während eines Picknicks. Dort finden sich dann die Eier, die über Schritte ausgebrütet werden müssen. Das geht alles ganz gut von der Hand, sofern ihr ein Monster züchten wollt, welches euch schon vertraut und einige Level gemacht hat. Ansonsten bleibt der Eierkorb leer. Das gilt leider auch für geschlüpfte Pokémon. Konnte man diese beim Hort noch unmittelbar tauschen, um etwa die IV (DV) hochzufarmen, muss man jetzt das gewünschte Exemplar wieder vertraut machen, es kämpfen lassen bzw. leveln und erst dann wieder für die Zucht nutzen. Das zieht den Prozess unfassbar in die Länge. In meinem Fall wurde ich zwar auch immer ordentlich mit vielen “sensationellen” Werten belohnt, aber in Summe fühlt sich das Züchten in dieser Generation nicht so “flüssig” an wie bisher.

Shiny… bright like a diamond!

Wer einfach nur schillernde Monster ohne perfekte Stats fangen möchte, sollte dies nicht über das Züchten erledigen. Das dauert deutlich länger, selbst wenn ihr ein entsprechendes Ditto sowie einen vollen Pokédex besitzt. Dabei kommen wieder die Sandwiches zum Einsatz, die eure Chancen massiv erhöhen und so fangt ihr im Handumdrehen euer erstes “Shiny” und mehr.

Fazit

In Summe hat mich Pokémon Karmesin/Purpur trotz seiner vielen Bugs und Performanceprobleme in seinen Bann gezogen. Der Spielablauf und dessen Mechaniken sind in meinen Augen einfach gelungen. Da kann ich auch über das viele Ruckeln und die Glitches hinwegsehen. Lediglich mit dem Züchten, was für mich ein zentraler Bestandteil der Spielereihe ist, bin ich noch nicht wirklich warm geworden. Zwar geht es schneller, bis man an eine stattliche Anzahl Eier kommt und diese ausgebrütet hat, dafür muss man das zu züchtende Pokémon aber vorbereiten, was wiederum unnötig viel Zeit und Ressourcen kostet. Vorher konnte ich einfach das “Ziel-Monster” austauschen, um die Werte zu boosten. Jetzt erscheinen keine Eier im Korb, wenn das Pokémon nicht vorher gehegt und gepflegt und gelevelt wurde. Ob das ein Bug ist, kann ich nicht sagen, überrascht war ich dennoch.

Man merkt schon, dass sich der Entwickler Mühe geben wollte, die Geschichten möglichst nett zu erzählen und hat dazu auch viele Dialoge und Events eingebaut. Allerdings wiederholen sich manche Passagen so oft bzw. laufen immer identisch ab, sodass man irgendwann nur noch klickt und hofft, dass es endlich weitergeht.

Schade ist zudem, dass besonders die Top-Vier viel zu einfach waren. Im ersten Durchlauf sind diese im Level festgelegt, sodass ihr diese super easy “überleveln” könnt. Das gilt auch für die Turniere im “Post-Game”.

Summa summarum hat das Game noch viele Baustellen und zeigt mal wieder, dass Nintendo dringend eine neue Hardware-Generation benötigt, um mal wieder bessere Grafik darstellen zu können. Wenn die hauseigenen bzw. Vorzeige-Titel wie Pokémon oder Bayonetta so schlecht aussehen, müsste man das bei Nintendo doch merken. Es spielte auch keine Rolle, ob eine Switch oder Switch OLED zum Einsatz kam. Dennoch ist das Game wider seiner negativen Kritikpunkte der richtige Ansatz, um Fans wie mich abzuholen. Es macht mir viel Spaß und hat mich endlich mal wieder längerfristig an die Switch gefesselt und das auch weit über die Testphase hinaus. Selten hatte ich in der Vergangenheit in so kurzer Zeit so viele Spielstunden (60+) angesammelt.

Gaming / Switch Reviews / Reviews / Switch / gamefreak / Pokémon
[gametainment.net] · 09.12.2022 · 11:12 Uhr
[1 Kommentar]
 
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