Review: Lacuna – Tiefgründige Ermittlungen bis in die Vergangenheit

Dieses Review wird anders, als viele von mir zuvor. Während ich diese Zeilen schreibe, läuft im Hintergrund der Soundtrack zu Lacuna. Bei diesem von Assembler Entertainment veröffentlichen Spiel handelt es sich um das Erstlingswerk von DigiTales Interactive. Als ich zum ersten Mal von Lacuna gelesen habe, war ich zugegebenermaßen ehrlich Skeptisch. Kann ein kleines Studio aus Deutschland mit diesem Projekt überzeugen? Können sie den eigenen Ansprüchen genügen und hier ein Werk abliefern, dass mit anderen Abenteuergames mithalten kann? Geht die Entwicklung über den modernen Anstrich für das Adventure-Genre hinaus oder hat man sich verschätzt? Hier lest raus – ich war echt skeptisch. Hinzu kam eine Grafik, welche heutzutage eher weniger in Spielen zu finden ist. Doch gehen wir Schritt für Schritt vor. Rechnet mit Spoilern; diese lassen sich leider nicht ganz vermeiden.

Worum geht es? Wir spielen Neil Conrad, einen Agenten der fiktiven Organisation CDI. Stellt euch eine Abwandlung vom FBI oder ähnliches vor. Geschieden von unserer Ex-Frau, mit welcher wir eine gemeinsame Tochter haben, ist der Job unser Lebensinhalt. Doch bevor wir mit Neil loslegen können, empfängt uns Lacuna mit einem interessanten Intro, welches zeitgleich das Tutorial darstellt und die wichtigen Funktionen aufzeigt. Ist dieses nach nur wenigen Minuten erledigt, wechselt die Szenerie wieder zu Neil und wir erhalten weitere Informationen zu unserem aktuellen Auftrag. Ein hochrangiger Politiker ist auf unserem Planeten gelandet und das Einsatzteam, welchem wir angehören, ist mit dem Personenschutz beauftragt.

Wie es das Schicksal so will, wird dieser ermordet – und damit beginnt die erste von ein paar langen Nächten. Am Tatort angekommen empfängt uns Gary Long, unser direkter Vorgesetzter. Und bereits hier bekommt man einen ersten Eindruck davon, wie detailliert das Spiel gestaltet ist. Wir selbst sind nur ein Teil dieser gesamten Szenerie und davon nicht mal der Leiter. Das gesamte Team des CDI ist ausgestaltet und alle nehmen verschiedene Positionen ein.

Doch der Mord an dem Politiker ist erst der Anfang und mit jeder Minute, die man weiterspielt, kommen weitere Fraktionen und Faktoren hinzu, die das Spiel tiefgründiger und intensiver gestalten. Und jede Entscheidung hat Auswirkungen – sind wir zum Beispiel bereit ein anderes Leben zu opfern, damit das der eigenen Familie gesichert ist? Oder stürzen wir einen langjährigen Freund und Kollegen in Probleme, um uns selbst zu schützen? Jede Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen, welche nicht immer sofort ersichtlich werden. Und wie es mit Entscheidungsfreiheit ist, so gibt es auch verschiedene Enden. Zum Teil spiegeln sich die unterschiedlichen Entscheidungen auch in der Spielwelt wider.

Und diese ist ebenso interessant wie tiefgründig gestaltet! Anstatt auf der Erde oder in unserem bekannten Sonnensystem spielt Lacuna auf dem erdähnlichen Planeten Ghara. Neben Ghara gibt es in dem Sonnensystem noch andere Planeten, wie zum Beispiel den Planeten Drovia, welcher gerne seine Unabhängigkeit erhalten würde. Und hier zeigt sich noch mehr Tiefgang, als man auf den ersten Blick erwartet. Nicht nur ein komplett ausgearbeitetes Sonnensystem mit eigener Geschichte, sondern auch verschiedene Fraktionen, politische Gemeinschaften und sogar Religionen sind vorhanden.

Um dieses Universum näherzubringen und mit Leben zu füllen, gibt es unser Cell. Quasi ein Smartphone, welches nicht nur die Fallakten, sämtliche Gespräche, Hinweise und sonstige Informationen enthält, sondern auch News und E-Mails. Letztere sogar mit unnötigen aber der Atmosphäre zuträglichen Spam-Mails.

Wer die Spielwelt aufmerksam beobachtet und prüft, kann durch die News und die verschiedenen E-Mails immer tiefer in die Spielwelt eintauchen. Und das ist auch notwendig, denn immer wieder ist es das Ziel, die Fallakten durch Kombinieren von Hinweisen zu lösen. Und das ist nicht immer eindeutig, sondern erfordert tatsächlich, dass man die verschiedenen Texte liest und darüber nachdenkt. Hierbei sind Fehlentscheidungen nicht ausgeschlossen. Besonders gefallen hat mir hier, dass man nicht selbstständig speichern kann – das übernimmt zu jederzeit das Spiel, sodass Entscheidungen absolut endgültig für den Spieldurchlauf sind. Das gibt einen besonderen Reiz, und man wird genötigt, mit der eigenen Wahl zu leben. Da Entscheidungen aber nicht ewig auf Auswahl warten, kommt mit dem Zeitdruck (wenige Sekunden bleiben zur Wahl) eine weitere Komponente hinzu. Wem das zu blöd ist, der hat auch die Wahl, diesen Timer abzuschalten – aber ich rate absolut davon ab. Ohne diesen geht vieles an Spannung verloren, was essenzieller Bestandteil von Lacuna ist.

Das gesamte Spiel wird getrieben von der eigenen Geschichte, den verschiedenen Texten und Konversationen. Warum zum Beispiel fährt Neil immer mit der Bahn und nimmt niemals ein Auto, mit dem er wesentlich schneller und komfortabler unterwegs wäre? Das erfahren wir nur, wenn wir die Geschichte verfolgen und die Texte aufmerksam lesen. Ebenso können wir durch unsere Entscheidungen Einfluss nehmen auf andere Charaktere und ihre Motivationen und Beschlüsse. Schaffen wir es, die eiskalte Mörderin davon zu überzeugen, dass es doch das Gute gibt?

Lacuna möchte ein Adventure-Game sein, setzt hier jedoch auf eine moderne Steuerung. Mit der bekannten W-A-S-D Steuerung kann man nach Links und Rechts steuern und in manchen Szenen auch in den Ebenen, welche durch Treppen verbunden sind. Über gewisse Tasten lassen sich zudem dann Funktionen wie zum Beispiel unser Cell öffnen. Alternativ geht das über die Maus. Dadurch fühlt sich die Steuerung frisch und unkompliziert an.

Die Grafik hat auf den ersten Blick nur eine zweitrangige Position bei der Entwicklung eingenommen. Wer aber genau hinschaut, merkt, dass die verwendete 2D-Pixel Grafik unglaublich detailliert und voller Liebe zum Spiel steckt. Und für manche Spieler dürfte zusätzlich ein gewisser Retro-Faktor hinzukommen, der auch an mir nicht vorbeigezogen ist.

Echtes Sci-Fi Gefühl kommt mit den gewählten, meist in dunkel gehaltenen Farben, welche ab und an durch Neon-Reklamen durchbrochen werden und noch mehr zum Spielfeeling beitragen. Die Texte sind nicht in klassischen Sprechblasen, sondern in Dialogboxen, was der Retro-Grafik einen absolut passenden modernen Touch gibt. Die automatischen Texte, wenn Neil als Erzähler fungiert, scrollen automatisch weiter und fügen sich in den Hintergrund ein.

Doch wie kann man dieses Ergebnis noch weiter abrunden? Durch den wohl gewählten Soundtrack, der mit Jazz-Tönen daher kommt. Die Musik fügt sich nahezu perfekt in die Spielszenen und man ich hatte bei meinem Durchlauf tatsächlich nie das Gefühl, dass sich hier etwas wiederholt. Dialoge sind allerdings nicht vertont, mit Ausnahme der Monologe von Neil. Doch hier hat der Sprecher eine grandiose Arbeit geleistet und kann überzeugen.

Insgesamt bleibt am Ende nur zu sagen, dass hier ein Spiel geschaffen wurde, dass nur vor Tiefgang strotzt. An keiner Stelle hatte ich im Test das Gefühl, dass hier Langeweile aufkam. Im Gegenteil – ich war versucht immer noch eine Stunde dranzuhängen beim Spielen. Wer auf Spiele mit Detektiv-Charme steht, wird hier definitiv glücklich! Und das für 15,99 Euro in Steam.

Review: Lacuna – Tiefgründige Ermittlungen bis in die Vergangenheit
8
Grafik
9
Sound
9
Steuerung
9
Spiele Spaß
9
Preis Leistung
Gesamtwertung 8.8 / 10
Unser Fazit
Ich bin immer noch wirklich fasziniert von diesem Spiel. In den letzten Jahren gab es extrem wenige Spiele, die eine solch interessante und mitreißende Story geboten haben. Und das bei einem Erstlingswerk! Ich bin wirklich gespannt, was DigiTales Interactive hier in Zukunft abliefert - an einem Nachfolger mit Neil und dem hier eingeführten Sonnensystem hätte ich definitiv Interesse!
Gaming / PC-Computer / Tests / Adventure / Assemble Entertainment / Detektiv / DigiTales Interactive / Lacuna / Noir / Sci-Fi / SideScrolling
[toptechnews.de] · 12.06.2021 · 21:58 Uhr
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