Polizeigewerkschaft fordert Abzug aus Afghanistan

Berlin (dts) - Nach einer Corona-Infektion mehrerer deutscher Polizisten in Afghanistan fordern Personalvertreter, die Ausbildungsmission in dem Land zu beenden. Jörg Radek, Vizechef der Gewerkschaft der Polizei, bezeichnete es als "unverantwortlich, deutsche Polizisten dort noch einzusetzen", berichtet der "Spiegel". Auch Bundespolizeipräsident Dieter Romann hat nach "Spiegel"-Informationen intern eine Exit-Strategie eingefordert.

Über Pfingsten mussten neun deutsche Polizisten, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten oder mit infizierten Kollegen in Kontakt standen, mit der Bundeswehr und einem eigens angemieteten Ambulanz-Jet aus Afghanistan ausgeflogen werden. In den letzten Jahren hatte die volatile Sicherheitslage die Ausbildung lokaler Polizisten bereits immer schwieriger gemacht. Aktuell befinden sich nur noch sechs deutsche Polizeiausbilder vor Ort. In Spitzenzeiten bestand das Polizeiteam aus 200 Beamten. Das Bundesinnenministerium lehnt trotz der widrigen Umstände eine Einstellung der Ausbildungsmission ab. Das Engagement deutscher Polizisten in Afghanistan sei "von großer Bedeutung", sagte ein Sprecher von Horst Seehofer (CSU). Solange es vertretbar sei, wolle das Bundesinnenministerium an dem Projekt festhalten.
Politik / DEU / Afghanistan
05.06.2020 · 13:00 Uhr
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