Patriot-Lieferungen: Nordische Regierungen drängen auf mehr Waffen für Kiew
Mehr Raketen, weniger Ausreden
Mette Frederiksen spricht Klartext: Die westlichen Länder könnten ohne Weiteres mehr Patriot-Raketen an die Ukraine liefern, wenn nur der politische Wille vorhanden wäre. Die dänische Regierungschefin ließ in Kiew keinen Zweifel daran, dass es an den Beständen, nicht an den technischen Möglichkeiten fehlt. Wer jetzt zögert, riskiert einen russischen Raketen-Winter mit ballistischen Angriffen auf ukrainische Städte.
Selenskyjs Forderungskatalog
Wolodymyr Selenskyj hat in den vergangenen Wochen wiederholt auf die leeren ukrainischen Bestände hingewiesen. Er verlangt nicht nur Raketen, sondern ein neues EU-Sanktionspaket, das russische Rüstungsbetriebe vom Nachschub westlicher Bauteile abschneidet. Jede gelieferte Rakete rettet nach Selenskyjs Worten Leben – eine nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnung, die in Brüssel offenbar noch nicht angekommen ist.
Finnisch-norwegisches Rüstungsabkommen
Während die diplomatischen Gespräche liefen, unterzeichnete die finnisch-norwegische Rüstungsfirma Patria ein Abkommen mit der Ukraine. Alexander Stubb, Finnlands Präsident, präsentierte die Vereinbarung auf X. Der Deal zeigt, dass zumindest Teile Nordeuropas liefern können, wenn politische Blockaden fehlen.
Europas Luftabwehr-Lücke
Frederiksen und ihre nordischen und baltischen Kollegen diskutierten auch die Verteidigung des gesamten Kontinents gegen ballistische Raketen. Wer glaubt, die Bedrohung bleibe auf die Ukraine beschränkt, verkennt die Reichweite moderner Waffensysteme. Eine europäische Luftabwehr ohne deutsche und französische Beteiligung bleibt ein Wunschbild.
Die Kosten der Zurückhaltung
Jedes Zögern bei der Lieferung von Patriots belastet den Steuerzahler doppelt: durch fortgesetzte ukrainische Verluste und durch höhere künftige Verteidigungsausgaben, wenn Russland seine Raketenproduktion weiter hochfährt. Die nordischen Regierungen haben das verstanden. Die Frage ist, ob Berlin und Brüssel folgen oder erneut auf Zeit spielen.

