Palantir-Aktie, CureVac-Aktie, Snowflake-Aktie & Co: Das wurde aus den Börsengängen in 2020

• Siemens zeigte Mut, während sich BASF & Continental zurückzogen
• CureVac-Börsengang übertraf alle Erwartungen
• Aktien von Palantir, Snowflake & Unity Software verdoppelten sich mit Leichtigkeit

Nach dem IPO-Flauten-Jahr 2019 hofften viele Marktbeobachter auf das Emissionsjahr 2020. Aus deutscher Sicht konnten die hohen Erwartungen jedoch leider nicht erfüllt werden. Denn die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehende Marktvolatilität verschreckte viele Börsenneulinge und Investoren.

DAX-Konzerne legten Sparten-Börsengänge auf Eis

Neben dem ehemaligen DAX-Mitglied thyssenkrupp planten auch der Automobilzulieferer Continental sowie der Chemiegigant BASF einen Sparten-Börsengang. Statt einer milliardenschweren Erstnotiz der Aufzugssparte kam es beim Essener Industriekonzern thyssenkrupp im Frühjahr jedoch nur zu einem Notverkauf an mehrere Finanzinvestoren. Dessen ungeachtet zogen auch Continental und BASF ihre Börsenpläne für die Unternehmenstöchter Vitesco und Wintershall DEA zurück.

"Im aktuellen Marktumfeld werden wir den Börsengang des Wintershall DEA jedoch noch nicht auf den Weg bringen", so der BASF-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel in einem Statement an die Anteilseigner. Der Börsengang der Öl- und Gasgesellschaft Wintershall DEA war ursprünglich für das zweite Halbjahr 2020 eingeplant.

Diese deutschen Konzerne trauten sich trotz Pandemie an die Börse

Im Gegensatz zu Continental und BASF hatte Siemens wohl kein Problem damit die Unternehmenstochter Siemens Energy inmitten der Pandemie aufs Parkett zu bringen. Zwar startet das neue Unternehmen ziemlich schwach in den Markt, da anstatt dem zugebilligten Wert von mehr als 20 Milliarden nur 16 Milliarden Marktkapitalisierung erreicht wurden, dennoch war der Börsengang aus Aktionärssicht ein kleiner Erfolg. Denn mit einem gegenwärtigen Kurs in Höhe von über 25 Euro (Stand: 25.11.2020) konnte das Papier seit dem ersten Handelstag schon über 15 Prozent hinzugewinnen.

Ein noch viel besseres Geschäft machten darüber hinaus aber die frühen Aktionäre von CureVac, Exasol und Compleo Charging Solutions. So kletterten die Aktien des Herstellers von Ladestationen für Elektroautos Compleo Charging Solution seit dem IPO-Tag von 49 Euro auf rund 92 Euro. Investoren, die frühzeitig in das noch sehr junge Dortmunder Unternehmen investiert haben, konnte so fast 90 Prozent erzielen.

Mit einem Eröffnungspreis von 14 Euro je Exasol-Aktie erzielten die Aktionäre des deutschen Datenbankanalysten Exasol, welcher erst im Jahr 2000 gegründet wurde, jedoch schon am ersten Handelstag eine Performance in Höhe von 47 Prozent. Denn die Preisspanne für das Papier wurde aufgrund des unsicheren Marktumfelds im Vorfeld nur auf 8,50 bis 10,50 Euro festgelegt. Mit einem gegenwärtigen Kursniveau von rund 22 Euro pendelt die Aktie aktuell somit schon rund 60 Prozent über dem damaligen Erstkurs.

CureVac-Aktie mit 250 Prozent Kursplus am IPO-Tag

Ein Kursgewinn von 47 Prozent am ersten Handelstag mag für viele Investoren ungewöhnlich klingen, das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac konnte diese Tagesperformance jedoch leicht in den Schatten stellen. Denn mit einem Ausgabepreis von 16 US-Dollar je Aktie und einem Schlusskurs in Höhe von 55,90 US-Dollar generierten die Tübinger eine Tagesplus von rund 250 Prozent. Mit einem gegenwärtigen Kursniveau von rund 82 US-Dollar steht die Aktie, die im August an der US-Technologiebörse NASDAQ gelistet wurde, nun sogar gut 400 Prozent über dem ursprünglichen Ausgabekurs.

Da die Erlöse aus dem Börsengang des Tübinger Biotechspezialisten mehrheitlich in die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs fließen, kommt dieser enorme Erfolg langfristig jedoch nicht nur den Aktionären des Konzerns zugute.

Nicht jeder deutsche Börsengang war ein Erfolg

Während die vier genannten Konzerne aus Deutschland nach ihrer Erstnotiz teils exorbitante Kursgewinne erzielen konnten, gab es im Jahresverlauf auch einige sehr schwache Börsendebüts. So sorgten die Börsengänge der Unternehmen fashionette, HENSOLDT, Knaus Tabbert, BCM und PharmaSGP nicht unbedingt für gute Stimmung bei den Anteilseignern.

Während die Anteilsscheine des Modehändlers fashionette, des Rüstungskonzerns HENSOLDT, des Herstellers von Wohnmobilen Knaus Tabbert und der Beteiligungsgesellschaft Brockhaus Capital Management, bezogen auf den Ausgabepreis, mehr oder weniger seitwärts gelaufen sind, müssen die Aktionäre der PharmaSGP schon einen ordentlichen Kursverlust hinnehmen. Mit einem aktuellen Preis von rund 27 Euro je Anteilsschein pendeln die Papiere des in der Nähe von München beheimateten Arzneimittelherstellers nämlich schon ca. 22 Prozent unter dem ersten Börsenkurs.

Langfrist sieht sich das Arzneimittelunternehmen, welches mit großer Mühe den Sprung aufs Börsenparkett geschafft hat, jedoch voll auf Kurs. "Wir befinden uns in einem strukturell nachhaltig wachsenden Markt und treffen mit unseren natürlichen, rezeptfreien Produkten den Nerv der Zeit. Zudem sind wir finanziell so ausgestellt, dass wir für langfristig ausgerichtet Investoren attraktiv sind", so die PharmaSGP-Chefin Natalie Weigand in einem Aktionär-Interview.

Palantir-Aktie, Unity Software-Aktie & Snowflake-Aktie - die Mega-IPOs des Jahres

Mit dem Tübinger Biotechspezialisten CureVac kam in diesem Jahr zwar auch ein international beachtetet Börsenneuling aus Deutschland, mehrheitlich waren die großen IPO-Kursraketen jedoch wie so oft in den USA zu finden. So gelang dem cloudbasierten Datendienstleister Snowflake, mit einem Emissionserlös in Höhe von rund 3,4 Milliarden US-Dollar, der bis dato größte Börsengang einer Softwarefirma.

Die Nachfrage nach der Snowflake-Aktie war dabei so enorm, dass die Ausgabespanne, welche ursprünglich zwischen 75 und 85 US-Dollar lag, kurz vor dem Börsendebüt auf 100 bis 110 US-Dollar angehoben wurde. Diese kurzfristige Anhebung konnte dennoch nicht verhindern, dass sich die Aktie schon am ersten Börsentag mehr als verdoppelte.

Eine wahrhafte Kursrally legte in diesem Zusammenhang auch die Aktie der Technologiefirma Unity Software, welche sich auf die Laufzeit- und Entwicklungsumgebung von Videospielen konzentriert, aufs Börsenparkett. So wurde die ebenfalls angehobene Zeichnungsspanne von 44 bis 48 US-Dollar mit 52 US-Dollar weit übertroffen. Mit einem aktuellen Aktienkurs von fast 130 US-Dollar notiert die Aktie aus dem Mobile-Gaming-Sektor nun sogar schon rund 150 Prozent über diesem mehrfach nach oben korrigierten Ausgabepreis.

Ein ebenfalls sehr erfolgreiches Börsendebüt gelang auch der Datenanalysefirma Palantir, zu deren Kunden unter anderem zahlreiche Geheimdienste und Sicherheitsbehörden der westlichen Welt zählen. Der erste Börsenkurs der Aktie, welcher bei 10 US-Dollar lag, konnte mittlerweile sogar schon mehr als verdoppelt werden.

Dieser milliardenschwere Börsengang steht noch aus

Laut dem Nachrichtensender CNBC soll es im letzten Monat des Jahres 2020 noch zu einem milliardenschweren Börsengang kommen. So plant das Online-Portal für Buchungen von Privatunterkünften Airbnb noch im Dezember den Weg aufs Parkett. Mit der Emission von rund 9,2 Millionen Aktien, die das Unternehmen im besten Fall ausgeben möchte, sollen so insgesamt rund drei Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt eingesammelt werden. Die Marktkapitalisierung des Online-Portals könnte so die Marke von 30 Milliarden US-Dollar überschreiten.

Aufgrund des Geschäftsmodells von Airbnb, dass durch die Corona-Pandemie erheblich unter Druck geraten ist, bleibt abzuwarten wie die Anteilsscheine am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Explosionsartige Kurssteigerungen wie bei den NASDAQ-Börsengängen Snowflake und Unity Software sind jedoch eher unwahrscheinlich.

Pierre Bonnet /

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 26.11.2020 · 20:58 Uhr
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