OSRAM-Aktie auf Höhenflug: ams mit Übernahmeangebot erfolgreich

Die Aktien von OSRAM sind am Montag im XETRA-Handel hochgeschnellt nach der im zweiten Anlauf gelungenen Übernahme durch ams. Zu Handelsschluss notieren sie 14,91 Prozent höher bei 44,24 Euro. Damit sind die Papiere mehr wert als die vom österreichischen Halbleiterhersteller gebotenen 41 Euro.

Es sei alles andere als klar gewesen, dass ams dieses Mal erfolgreich sein würde, sagte ein Händler. Wer bei OSRAM anderes erwartet und auf fallende Kurse gesetzt habe, sehe sich nun unter Druck.

Mehr als 55 Prozent der Aktionäre des Münchner Beleuchtungsherstellers haben das Übernahmeangebot von 41 Euro je Aktie angenommen, wie ams am Freitagabend in Premstätten mitteilte. Die beim OSRAM-Management zunächst nicht willkommenen Österreicher haben damit ihre selbst gesetzte Schwelle erreicht.

IG Metall und OSRAM-Betriebsrat, die eine Zerschlagung des über 110 Jahre alten Traditionsunternehmens fürchten, haben vergeblich Widerstand geleistet. ams wächst zwar rasant, ist aber hoch verschuldet und will die Übernahme mit Milliardenkrediten und der Ausgabe neuer Aktien finanzieren.

Damit ist ein monatelanges Übernahmedrama um eines der bekanntesten deutschen Industrieunternehmen vorerst beendet. Allerdings steht die Zustimmung der Behörden noch aus. ams-Chef Alexander Everke sicherte dem OSRAM-Management "und allen Stakeholdern" enge Zusammenarbeit zu. Der ehemalige Siemens-Manager Everke hatte gemeinsam mit OSRAM-Chef Olaf Berlien eine Werbekampagne bei den Aktionären gestartet.

Die OSRAM-Aktie zog auf der Handelsplattform Tradegate nachbörslich deutlich an und gewann gegenüber dem Xetra-Schlusskurs fast 12 Prozent. Mit über 43 Euro war auf der Plattform sogar mehr wert als in der Übernahmeofferte von ams mit 41 Euro. Die OSRAM-Aktionäre haben in einer weiteren Annahmefrist noch bis zum 24. Dezember Zeit, ihre Anteilsscheine anzudienen.

Der ams-Chef hat sehr ehrgeizige Pläne: Everke will einen europäischen Weltchampion in der Optoelektronik schmieden. Die Produkte von ams und OSRAM ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. OSRAM stellt LED-Beleuchtung her, ams optische Sensoren, in Teilen für identische Kundengruppen, darunter Handyhersteller. "Nun gilt es, gemeinsam mit ams einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang auf den Weg zu bringen", erklärte OSRAM-Chef Berlien.

ams hat zugesagt, bis 2022 niemand bei OSRAM fusionsbedingt zu entlassen. Die deutschen Standorte sollen sogar gestärkt werden. "Gemeinsam und im Dialog mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern werden der OSRAM- und ams-Vorstand nun einen tragfähigen Integrationsfahrplan auf Augenhöhe vorbereiten", hieß es in der OSRAM-Mitteilung.

IG Metall und OSRAM-Konzernbetriebsrat waren bis zuletzt nicht überzeugt. Grund ist die Finanzierung: ams ist erheblich kleiner als Osram, und um das Münchner Unternehmen übernehmen zu können, will ams ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung in Milliardenhöhe weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen. Deswegen fürchten die Arbeitnehmervertreter eine Zerschlagung OSRAMs, bei der letztlich die weltweit 24 000 Osram-Mitarbeiter die Zeche zahlen würden.

OSRAM ist in einer sehr schwierigen Lage. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen einen dreistelligen Millionenverlust eingefahren. Die Elektronikbranche ist weltweit von einem tiefen Abschwung erfasst. Eine Hauptursache sind die nachlassenden Produktions- und Verkaufszahlen von Autoindustrie und Smartphoneherstellern, den zwei wichtigsten Kundengruppe für OSRAM.

OSRAM-Vorstand und Aufsichtsrat hatten ursprünglich eine Übernahme durch US-Finanzinvestoren befürwortet, die zwei Interessenten Bain Capital und Carlyle hatten jedoch im Laufe der Bieterschlacht aufgegeben. Wegen des rasanten technologischen Wandels in der Beleuchtungsbranche sind nach Einschätzung der OSRAM-Führungsetage permanente Investitionen notwendig. Ohne einen Geldgeber würde OSRAM aber nach den hohen Verlusten des vergangenen Geschäftsjahrs das Kapital fehlen, um zu investieren.

Gewerkschaft fordert Investitionen

Die IG Metall fordert vom neuen OSRAM-Eigentümer unterdessen Investitionen und den Erhalt von Jobs. "ams hat nun die Verantwortung für die Arbeitsplätze und Standorte von OSRAM", sagte der Unternehmensbeauftragte der Gewerkschaft für den Münchner Lichtkonzern, Klaus Abel, am Montag. "Wir werden mit aller Macht darauf drängen, dass gegebene Zusicherungen für die Arbeitnehmer rechtssicher eingehalten werden. Darüber hinaus werden Investitionen notwendig sein, um die OSRAM-Standorte zukunftsfähig zu machen."

Die IG Metall kündigte nun an, mit ams Zukunftsvereinbarungen abschließen zu wollen, "die den Beschäftigten die Möglichkeit bieten, die Zukunft mitzugestalten und sich entsprechend zu qualifizieren". IG Metall und OSRAM-Konzernbetriebsrat hatten sich bis zuletzt gegen die Übernahme positioniert. Sie fürchten eine Zerschlagung OSRAMS, bei der letztlich die Mitarbeiter die Zeche zahlen würden.

OSRAM-Chef Olaf Berlien warb in einer am Freitag verschickten Nachricht an die Belegschaft dagegen für die Übernahme. ams habe "weitreichende Schutzzusagen" für Mitarbeiter und Produktionsstätten gemacht, betonte er. In einer angehängten Videobotschaft spricht er von einem Zusammenschluss auf Augenhöhe und erinnert daran, dass auch OSRAMeinst überlegt habe, ams zu übernehmen. Jetzt sei es zwar andersherum, aber die Logik dahinter bleibe dieselbe. Die Fusion bringe beiden Unternehmen Chancen.

Gleichzeitig weist Berlien in der Nachricht an die Mitarbeiter aber auch darauf hin, dass OSRAM und ams bis zum Vollzug der Übernahme "zwei eigenständige Unternehmen und Wettbewerber um Marktanteile sowie Kunden" blieben. Den Vollzug der Übernahme erwartet er bis Sommer 2020. Den von ams angestrebten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag "nicht vor Ende 2020".

MÜNCHEN/PREMSTÄTTEN (dpa-AFX)/

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[finanzen.net] · 09.12.2019 · 17:52 Uhr
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