Ökologische Geldanlage: So investiert man in Holz

• Forstwirtschaft ist die Urform der Nachhaltigkeit
• Holz-Aktien bieten zuverlässige Dividenden
• Anlagedauer sollte bei 10 bis 20 Jahren liegen

Da der Begriff Nachhaltigkeit einen forstwirtschaftlichen Ursprung hat, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwächst, dürfte eine Investition in diesem Bereich eine nachhaltige Kapitalanlage par excellence darstellen. Damit Anleger jedoch nicht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, sollte man sich im Vorfeld einer Kapitalanlage mit den einzelnen Investitionsmöglichkeiten bzw. den damit verbundenen Chancen und Risiken auseinandersetzen.

Holz - der neue Trend-Rohstoff?

Neben Erdöl und Gas ist Holz einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Holz dient als Basisprodukt für Papier und Möbel und ist darüber hinaus einer der beliebtesten Brennstoffe. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Nutz- und Edelhölzern synchron mit dem Wachstum der Weltbevölkerung. Da die Bevölkerungszahl der Erde in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich um weitere zwei Milliarden steigen wird, dürfte folglich auch der Bedarf an Holz immer weiter steigen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt in diesem Zusammenhang sogar, dass allein der Holzbedarf in China bis zum Jahr 2050 um über 50 Prozent steigen könnte.

Außerdem soll die globale Nachfrage nach nicht verarbeiteten Holzstämmen bis zum Jahr 2030 auf rund 800 Millionen Kubikmeter ansteigen, was einer Verdopplung des aktuellen Bedarfs entsprechen würde. Entsprechend dieses langfristigen Trends investieren neben Adelsfamilien und Großgrundbesitzern auch die Stiftungsfonds der Havard und Yale Universität seit mehr als 20 Jahren großzügig in diese Investitionsklasse.

Wachstumsstarke Holz-Aktien

Anleger, die ihr bestehendes Portfolio durch ein Holzinvestment erweitern möchten, können dies auf die unterschiedlichste Art und Weise tun. Neben einer Direktinvestition oder über offene und geschlossene Investmentfonds kann man als Privatanleger auch auf Holz-Zertifikate oder Holz-Aktien bzw. Forstunternehmen und Konzerne aus dem Bereich der Zellstoff- und Papierindustrie setzen. Des Weiteren gibt es auch eine Vielzahl an börsennotierten Unternehmen, die große Wälder besitzen und diese aktiv bewirtschaften. In den USA werden diese Unternehmen sogar wie Immobiliengesellschaften verwaltet und als steuerbegünstigte REITs (Real Estate Investment Trusts) organisiert. Zu einem der größten in der Branche zählt dabei der amerikanische Immobilienkonzern Rayonier aus Jacksonville im US-Bundesstaat Florida. Als einer der größten privaten Landbesitzer der USA und Neuseelands stellt der Konzern hauptsächlich Bauholz, Papier und Zellstoff her. Mit einer Fläche von rund 10.000 Quadratkilometern Wald besitzt der Konzern ein Areal, welches halb so groß wie das Bundesland Hessen ist.

Mit einer bewirtschafteten Fläche von insgesamt 13,9 Millionen Hektar Wald bewirtschaftetet der US-amerikanische Konzern Weyerhaeuser sogar eine noch größere Fläche als Rayonier. Der größte Teil dieser Flächen befinden sich jedoch nicht in den USA, sondern in Kanada und wird dort vom kanadischen Staat gepachtet. Auch Weyerhaeuser ist als REIT organisiert und genießt somit einige steuerliche Vorteile.

Der größte private Waldbesitzer Europas

Bäume wachsen jedoch nicht nur in Nordamerika, sondern natürlich auch in Europa. So hat die Bewirtschaftung von Wäldern beispielsweise in Schweden eine jahrhundertealte Tradition. Denn mit einer Waldfläche, welche 57 Prozent des gesamten Landes ausmacht, gehören in Schweden Kiefern, Fichten und Laubbäumen zum klassischen Erscheinungsbild. Dabei nimmt das Land im Norden auch in Sachen Nachhaltigkeit eine weltweite Vorreiterrolle ein. Laut dem schwedischen Forstministerium werden nämlich für jeden gefällten Baum mindestens drei neue gepflanzt. Entsprechend dieser Leitvorstellung betreibt der größte private Waldbesitzer in ganz Europa, Svenska Cellulosa, die weltweit größte Baumschule.

Der im 1929 gegründete Konzern bewirtschaftet mit einer Fläche von 2,6 Millionen Hektar Wald rund sechs Prozent des schwedischen Waldes, was einer ungefähren Fläche von Mecklenburg-Vorpommern entspricht. Da Svenska Celllulosa einen Großteil seines Energiebedarfs mit insgesamt 324 eigenen Windrädern deckt, kann der Konzern auch eine hervorragende CO2-Bilanz vorweisen. Seit dem 15. Juni 2017 sind die Hauptgeschäftsfelder des Konzerns jedoch durch zwei separate Firmen an der Börse vertreten. Während die Bewirtschaftung der Waldflächen weiterhin zum Geschäftsfeld von Svenska Cellulosa zählt, firmiert der Geschäftsbereich Hygieneprodukte nun unter dem Namen Essity . Zu den im deutschen Sprachraum beliebtesten Marken des Hygienepapierherstellers zählen unter anderem Zewa und Tempo.

Die älteste Aktie der Welt

Mit der ältesten heute noch bestehenden Aktiengesellschaft der Welt, Stora Enso, können Investoren auf ein Urgestein der Forstwirtschaft setzen. Die Anfänge des finnisch-schwedischen Konzerns gehen nämlich bis auf das Jahr 1288 zurück. Ein weiterer Big-Player in der Holzverarbeitung ist das finnische Unternehmen UPM-Kymmene Oyi. Der Konzern betreibt Produktionsstätten in 14 Ländern und ist der größte Papierkonzern Europas. Spezialisiert ist die Gesellschaft dabei auf Zeitungspapiere, Fein- und Spezialpapiere, Etiketten und Aufkleber sowie Veredelungs- und Holzprodukte für Innen- und Außenräume.

Geschlossene Holzfonds - ein langjähriges Investment

Da gerade Einzelaktien anfällig für erheblichen Wertschwankungen sind, können konservative Anleger auch auf offene und geschlossene Fonds zurückgreifen. Über einen geschlossen Fonds kann man sich als Kapitalanger zum Beispiel an einem größeren Baumgrundstück beteiligen. Das Geld in einem geschlossenen Fonds wird dann fest angelegt, wobei auf das investierte Kapital eine längere Zeit nicht zugegriffen werden kann. Da Bäume erst nach ihrem Verkauf, also nach mindesten 20 Jahren, eine Rendite erwirtschaften, benötigen die Investoren von geschlossenen Holzfonds zudem einen ziemlich langen Atem.

Offene Holzfonds bieten eine schnelle Liquidation

Im Gegensatz zu einem geschlossen Fonds haben die Investoren eines offenen Fonds jederzeit die Möglichkeit, ihr investieren Kapital zurückzubekommen und aus ihrer Anlage auszusteigen. Diese höhere Liquidität geht jedoch mit einer höheren Volatilität einer, da der Fonds von den Marktteilnehmern permanent gehandelt werden kann.

Im Gegensatz zu einem geschlossenen Fonds investiert ein offener Fonds nicht nur in ein großes Projekt, sondern häufig in viele kleinere Vorhaben. Dementsprechend können Anleger bei einem offenen Holzfonds von einer höheren Diversifikation bzw. Risikostreuung profitieren.

Der Traum vom eignen Wald

Investoren, die eine größere Anlagesumme zur Verfügung haben, können sich neben Holz-Aktien und Holzfonds natürlich auch unmittelbar an einem ausgewählten Waldstück beteiligen bzw. einen eigenen Wald erwerben. Nach einem Kauf kann die Bewirtschaftung des Waldes dann bei einem lokalen Forstdienstleister in Auftrag gegeben werden, welcher sich dann vollumfänglich um das Wohl der Bäume kümmert. Eine Rendite kann mit den Bäumen aus dem eignen Wald jedoch erst dann erzielt werden, wenn diese gefällt werden. Entsprechend bedarf ein derartiges Investment, neben dem nötigen Kleingeld, auch einer sehr langen Laufzeit.

Einfache Partizipation durch Holz-Zertifikate

Anleger, die nicht unbedingt 15 oder 25 Jahre auf eine hohe Rendite warten möchten, können über diverse Holz-Zertifikate auch kurzfristig an den Entwicklungen der Branche partizipieren. Diese Zertifikate bilden häufig einen Index nach, welcher aus verschiedenen Aktien aus dem Sektor zusammengesetzt ist. Nicht selten bilden derartige Indizes sogar die gesamte Wertschöpfungskette in der Forstwirtschaft ab. Im Gegensatz zu einem Fonds bringt die Investition in ein Zertifikat aufgrund des Emittentenrisikos jedoch eine höhere potenzielle Verlustchance mit sich.

Faktor Zeit ist entscheidend

Der extrem vielseitige Rohstoff Holz bietet Investoren die unterschiedlichen Möglichkeiten für ein lohnendes Investment. Dabei spielt der Faktor Zeit jedoch die wichtigste Rolle. Anleger, die keinen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 20 Jahre mitbringen, sollten aus diesem Grund besser in andere Rohstoffe investieren.

Pierre Bonnet /

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 22.03.2020 · 16:59 Uhr
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