No-Deal Brexit wahrscheinlicher als erwartet?

Edwin Morgans Organisation Institute of Directors besteht aus etwa 30.000 Mitgliedern. Zu ihnen gehören Unternehmer und leitende Angestellte, die vom Dauerthema Brexit konkret betroffen sind. Morgan erklärte, dass Politiker und Unternehmen die Gefahr eines No-Deal Brexits unterschätzten. "Es gibt das Risiko eines plötzlichen No-Deals mit Unternehmen, die nicht vorbereitet darauf sind. Es herrscht ein bisschen ein Gefühl der Selbstgefälligkeit", meint er gegenüber Bloomberg.

Nachdem sich das Britische Parlament in unzähligen Abstimmungen und Diskussionen nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen konnte und Premierministerin Theresa May im Parlament keine Unterstützung für ihren ausgehandelten Deal erhielt, wurde ein No-Deal Brexit zunächst abgewendet, indem Großbritannien eine neue Frist für den Austritt, bis zum 31. Oktober dieses Jahres, gewährt wurde. Somit erhielten auch die Unternehmen im Vereinigten Königreich einen Aufschub.

Unterschätzte Gefahr

Großbritannien könnte ungewollt ohne Deal aus der EU ausscheiden oder von den führenden Politikern der Europäischen Union gedrängt werden, die EU zu verlassen, nach dem nicht enden wollenden Ausstiegsdrama.

Da May immer weniger Unterstützer besitze und bereits Rücktrittsgerüchte kursierten, wäre es auch denkbar, dass sie durch einen konservativen No-Deal-Unterstützer abgelöst würde und die Entwicklungen in Richtung eines ungeordneten Brexits Fahrt aufnähmen. Oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnte sich einer weiteren Verzögerung des Brexits verschließen. Ein weiteres Referendum oder eine Neuwahl würden womöglich ebenfalls zu einem Austritt führen.

Eine jüngste Umfrage habe, wie Bloomberg berichtet, außerdem ergeben, dass die Brexit Partei von Nigel Farage, die einen No-Deal Brexit unterstützt, bei den Wählern in Großbritannien mit 34 Prozent derzeit am meisten Zustimmung erhält.

Auswirkungen eines No-Deal Brexit für Unternehmen

Falls es tatsächlich zu einem Brexit ohne Austrittsvereinbarung käme, würde der Handel zwischen Großbritannien und der EU den Regelungen der Welthandelsorganisation unterliegen und somit würden Zollkontrollen und Zölle, die drohen Unternehmen weitgehend zu zerrütten, wiedereingeführt. Der Austritt ohne Deal dürfte so verheerende Auswirkungen haben, weil die EU Großbritanniens wichtigster Handelspartner sei.

Morgan fürchte, dass der No-Deal Brexit wahrscheinlicher sei, als das Parlament derzeit zugebe. Und die Gefahr sei, dass die Unternehmen in Großbritannien dieses Risiko nicht richtig einschätzten und sich womöglich nicht auf einen ungeordneten Ausstieg im Oktober vorbereiteten, weil sie das Gefühl hätten im Frühjahr bereits unnötig Geld für Vorbereitungen ausgegeben zu haben.

Konjunktur/Wirtschaft
[finanzen.net] · 16.05.2019 · 18:38 Uhr
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