Neues Schmerzmittel: Ist dieser natürliche Wirkstoff verträglicher als Opioide?

Wer starke Schmerzmittel nehmen muss, der hat auch eine gesteigerte Suchtgefahr. Opiumderivate, sogenannte Opioide, verursachen nicht nur deutliche Nebenwirkungen, sondern können auch in sehr kurzer Zeit süchtig machen. Forscher der University of Queensland in Brisbane haben nun möglicherweise eine Alternative gefunden: In einem Pilz entdeckten die Wissenschaftler Wirkstoffe, die möglicherweise deutlich weniger gefährlich sind als Opioide.

Kopfschmerzen
Bild: Kopfschmerzen ©Michael Kammler

Pilz einer altbekannten Gattung bietet neue Ansätze

Die in vielen gängigen Schmerzmitteln enthaltenen Opioide docken an bestimmte Rezeptoren im Rückenmark und im Gehirn an und blockieren so die Weiterleitung von Schmerzen. Das ist extrem effektiv, aber auch gefährlich: Neben schweren Nebenwirkungen wie etwa der Unterdrückung des Atemdrangs haben Opioide ein starkes Suchtpotential. Deshalb sind auf der ganzen Welt Forscher auf der Suche nach Alternativen. Ein Team rund um Zoltan Dekan von der University of Queensland ist nun vielleicht fündig geworden – und zwar in einem bisher unbekannten Pilz aus der Gattung Penicillium.

Pilze dieser Gattung sind vor allem als Ursprung der Penicelline bekannt, der ersten entdeckten Antibiotikaart. Der neuentdeckte Pilz scheint aber auch für die Schmerztherapie interessant zu sein. Entdeckt wurde der Pilz im Schlamm eines Gewässers im Huan Valley im australischen Bundesstaat Tasmanien. Das Team gab ihm den Namen MST-MF66.

Bei näheren Untersuchungen des Pilzes entdeckten die Forscher drei verschiedene Tetrapeptide, die über eine seltene chirale Struktur mit rechtshändigen Aminosäuren verfügen. Die Moleküle ähneln außerdem den Endomorphinen – körpereigenen Opioiden, die auf die Schmerzrezeptoren wirken.

Verträglichere Schmerzmedikamente?

Die Idee, dass Wirkstoffe, die Endomorphinen gleichen, als Alternative zu Opioiden in der Schmerztherapie eingesetzt werden können, ist nicht neu. Der Ansatz könnte zu weniger Nebenwirkungen und einem geringeren Suchtpotential führen.

Das Team der University of Brisbane hat nun aus den entdeckten Peptiden ein neues Analgetikum namens Bilorphin entwickelt. Dieses entfaltet seine Wirkung zwar wie die traditionellen Opioide an den μ-Opiodrezeptoren, nutzt aber einen anderen Signalweg und scheint so die typischen Nebenwirkungen nur in abgeschwächter Form hervorzurufen.

Anfangs konnte aber auch in Mäuseversuchen nicht die gewünschte Wirkung erzielt werden. Ein Umstand, der sich durch das Hinzufügen einer Zuckereinheit änderte. Den veränderten Wirkstoff tauften die Forscher Bilactorphin. Dieser ist von der Wirkung her ähnlich potent wie Morphin.

Wie gut der neue Wirkstoff nun wirklich für die Schmerztherapie geeignet ist, wird sich herausstellen müssen. Die Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden, sind aber durchaus nicht unbegründet: „ Sind wir erfolgreich und bringen eines Tages ein neues Medikament auf den Markt, würde dies wahrscheinlich das Risiko von tödlichen Überdosierungen und anderen Nebenwirkungen reduzieren„, so MacDonald Christie von der University of Sydney, der an der Studie beteiligt war.

Pilze als Quelle für Schmerzmittel?

Gleichzeitig kann und sollte die Arbeit der Forscher dazu führen, dass Pilze vermehrt als Quelle für schmerzlindernde Wirkstoffe betrachtet werden. „ Mikroben könnten eine bisher kaum angezapfte Quelle für neue Analgetika sein und verdienen in diesem Zusammenhang eine genauere Betrachtung„, so die Forscher in ihrer Arbeit.

via University of Sydney

Wissenschaft / Medizin / Schmerzen
[trendsderzukunft.de] · 15.10.2019 · 21:19 Uhr
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