Neues Fallout von den „New Vegas“-Entwicklern kommt, aber der Preis ist hoch dafür
Bei Obsidian Entertainment passiert gerade genau das, worauf viele Fallout-Fans seit Jahren hoffen. Das Studio hinter Fallout: New Vegas soll laut einem neuen Bloomberg-Bericht an einem neuen Fallout-Spiel arbeiten. Gleichzeitig ist die Nachricht aber alles andere als reine Freude. Denn sie kommt mitten im größten Xbox-Umbau der Geschichte.
Wie Jason Schreier auf Bluesky schreibt, macht Obsidian im Rahmen der Xbox-Restrukturierung eine große Kursänderung. Demnach habe das Studio ein Viertel seiner Belegschaft verloren, eine geplante Fortsetzung zu Avowed gestrichen und beginne nun mit der Arbeit an einem neuen Fallout-Spiel. Gut oder schlecht? Das ist eine ziemlich bittere Mischung. Auf der einen Seite bekommt Obsidian offenbar wieder eine Rolle im Fallout-Universum. Auf der anderen Seite passiert das nach massiven Entlassungen und auf Kosten anderer Projekte. Für Fallout-Fans ist das spannend. Für Obsidian selbst klingt es nach einem harten Neustart.
Obsidian verliert offenbar rund ein Viertel der Belegschaft
Bereits zuvor hatte Kotaku berichtet, dass Obsidian im Zuge der Xbox-Kürzungen rund 60 bis 70 Mitarbeiter verliert. Das soll ungefähr 25 Prozent des Studios entsprechen. Betroffen seien Produzenten, Artists, Designer, Programmierer, QA-Tester und Autoren. Auch erfahrene Mitarbeiter mit mehr als zehn Jahren Studiozugehörigkeit sollen darunter sein.
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zudem noch nicht genau wissen, wie die nahe Zukunft aussieht. Grounded 2 und der angekündigte DLC zu The Outer Worlds 2 sollen zwar weiterlaufen. Alles darüber hinaus wirkte zuletzt aber unsicher. Obsidian soll sich offenbar neu ausrichten. Weg von mehreren parallelen Projekten, hin zu einer Marke, die für Microsoft gerade extrem wertvoll ist: Fallout.
Avowed 2 soll gestrichen worden sein
Der auffälligste Teil der Meldung betrifft Avowed. Laut Schreier wurde eine geplante Fortsetzung gestrichen. Das ist bemerkenswert, weil Avowed eigentlich eine neue große Fantasy-Marke für Obsidian werden sollte. Das Spiel erschien Anfang 2025 und sollte das Pillars-of-Eternity-Universum in eine größere, zugänglichere Rollenspiel-Richtung führen.

Avowed soll keinen Nachfolger erhalten. Avowed 2 ist angeblich gestrichen worden. – Bild: Obsidian Entertainment, Xbox Game Studios
Wenn Microsoft nun tatsächlich eine geplante Fortsetzung stoppt, zeigt das ziemlich deutlich, wohin Xbox aktuell steuert. Neue oder kleinere Marken haben keine Bedeutung mehr. Große Namen bekommen Vorrang. Und Fallout ist nach dem Erfolg der Amazon-Serie eine der wertvollsten Marken, die Microsoft im Bethesda-Katalog besitzt.
Kommt jetzt Fallout: New Vegas 2?
Genau hier muss man vorsichtig bleiben. Bisher ist nur von einem „neuen Fallout-Spiel“ bei Obsidian die Rede. Das bedeutet nicht automatisch Fallout: New Vegas 2. Es bedeutet auch nicht automatisch Fallout 5. Es könnte ein Spin-off, ein kleineres Projekt, ein eigenständiges RPG oder etwas völlig anderes innerhalb der Fallout-Welt werden.
Trotzdem ist die Verbindung natürlich sofort da. Fallout: New Vegas gilt bis heute als einer der beliebtesten Teile der Reihe. Viele Fans wünschen sich seit Jahren, dass Obsidian noch einmal in dieses Universum zurückkehrt. Microsoft besitzt inzwischen sowohl Bethesda als auch Obsidian. Rein organisatorisch lag diese Idee also schon lange auf dem Tisch. Das Problem war bisher eher die Realität moderner Spieleentwicklung. Obsidian hatte mit Avowed, The Outer Worlds, Grounded, Pentiment und weiteren Projekten genug zu tun. Bethesda selbst arbeitet langfristig an The Elder Scrolls 6, dass noch gut zwei bis drei Jahre Entwicklungszeit benötigt. Ein neues Fallout-Hauptspiel wäre als frühstens 2032 bis 2035 möglich gewesen.

Fallout: New Vegas erschien am 19. Oktober 2010 für PS3, Xbox 360 und PC. Zeit für einen Nachfolger? – Bild: Obsidian, Bethesda
Fallout ist jetzt zu groß, um liegen zu bleiben
Genau deshalb ergibt Microsofts möglicher Kurswechsel Sinn. Fallout ist durch die Amazon-Serie wieder massiv gewachsen. Die Spiele profitierten von neuer Aufmerksamkeit, Fallout 76 bekam zusätzliche Spielerinnen und Spieler und die Marke ist wieder stärker im Mainstream angekommen. In so einer Phase wirkt es fast absurd, kein neues großes Fallout-Projekt in der Pipeline zu haben.
Microsoft hat genau dieses Problem offenbar erkannt. Der „Xbox-Reset“ soll Investitionen stärker auf höher priorisierte Projekte verschieben. Im offiziellen Xbox-Wire-Beitrag schreibt Microsoft selbst, dass das Xbox-Geschäft nicht gesund sei und man die Inhalte stärker fokussieren müsse. Fallout passt perfekt in diese neue Logik. Die Marke ist bekannt, medial stark, ausbaufähig und kommerziell sicherer als viele neue Experimente. Wenn Xbox künftig stärker auf seine größten Franchises setzt, ist eben Fallout automatisch ganz oben dabei.
Und was ist mit dem Fallout-3-Remake?
Parallel dazu gibt es noch eine andere Fallout-Spur. Auf Reddit wird aktuell eine Aussage von Jeff Gerstmann diskutiert. Er soll in einem Video gesagt haben, dass er bereits Material zu einem Fallout 3-Remake gesehen habe. Gleichzeitig betonte er offenbar, dass unklar sei, ob dieses Projekt noch lebt oder möglicherweise gestorben ist.
Das passt zur aktuellen Fallout-Lage. Schon seit längerem gibt es Gerüchte über überarbeitete Fassungen älterer Bethesda-Rollenspiele. Nach The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered wäre ein Fallout 3-Remake oder Remaster durchaus naheliegend. Offiziell angekündigt ist aber nichts.
Wichtig ist auch die Trennung der möglichen Projekte: Das neue Obsidian-Fallout und ein mögliches Fallout-3-Remake müssen nicht dasselbe Projekt sein. Im Gegenteil. Es könnte sein, dass Microsoft parallel mehrere Fallout-Titel prüft: ein neues Spiel bei Obsidian, ein Remake älterer Teile und langfristig irgendwann Fallout 5 von Bethesda Game Studios. Oder eben von Obsidian. Derzeit sind alles nur Gerüchte, von guter Quelle. Aber mehr noch nicht.
Vielleicht wird daraus trotzdem genau das Spiel, das Fallout-Fans seit Jahren wollen. Vielleicht ist es aber auch nur ein weiteres Zeichen dafür, dass Xbox künftig fast alles auf seine größten Marken setzt.


