Neuer EU-Chefdiplomat Borrell wirbt für «Sprache der Macht»

Josep Borrell
Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bei einer Anhörung im Europäischen Parlament.

Brüssel (dpa) - Der neue EU-Außenbeauftragte Josep Borrell wirbt bei den EU-Staaten für eine offensivere und machtbewusstere europäische Außenpolitik.

«Wir müssen häufiger die Sprache der Macht sprechen - nicht um zu erobern, aber um einen Beitrag zu einer friedlicheren, wohlhabenderen und gerechteren Welt zu leisten», schrieb der Spanier zum EU-Außenministertreffen am Montag an die Teilnehmer.

Derzeit erlebe die Welt die Wiedergeburt des geostrategischen Wettbewerbs, in dem sich vor allem China, Russland und die USA in einem großen Machtspiel gegenüberstünden. Die Europäische Union habe nun die Wahl, ob sie Spieler oder lieber Spielfeld sein wolle, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Bundesaußenminister Heiko Maas und mehrere andere Kollegen äußerten bei dem EU-Treffen in Brüssel Unterstützung für die Sicht Borrells. «Wir wollen nicht auf den Zuschauerbänken sitzen bei der Weltpolitik», sagte Maas. Die Europäische Union sei global ein Machtfaktor und müsse diese Rolle auch wahrnehmen.

Um die «Außenpolitikfähigkeit» der EU zu stärken, sprach sich Maas erneut dafür aus, bei bestimmten Entscheidungen das Einstimmigkeitsprinzip aufzugeben. «Ich finde, Mehrheitsentscheidungen müssen ein Thema werden, um schneller sprechfähig zu werden», erklärte der SPD-Politiker in Anspielung auf Fälle, in denen einzelne EU-Staaten eine europäische Positionierung aus nationalstaatlichen Interessen blockieren.

Litauens Außenminister Linas Linkevicius sagte, die EU müsse klare und starke Positionen einnehmen. Wenn Erklärungen nebulös seien, werde dies von außen als Schwäche gesehen. Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg kommentierte, man rede schon seit Jahren davon, von einem «Global Payer» (globalen Zahler) zu einem «Global Player» (globalen Spieler) werden zu wollen. Es brauche dafür aber den Willen, die zur Verfügung stehenden Instrumente auch zu nutzen.

Borrell hatte zuvor in seinem Brief argumentiert, die EU behaupte zu Recht, eine vorbildliche «Soft Power» zu sein - also eine Macht, die mit guten Argumenten beeinflusst und nicht mit wirtschaftlichem oder militärischem Druck. Gleichzeitig seien zuletzt aber selbst Alliierte in Versuchung gekommen, ihre eigene «Soft Power» in «Hard Power» umzuwandeln.

«Der Handel, Technologien, Geld und Daten werden als Waffe genutzt», erklärte der frühere spanische Außenminister. Dieses Spiel dürfe nicht mitgespielt, aber auch nicht ignoriert werden. «Deswegen müssen wir nicht nur in der Lage sein zu reagieren, sondern auch zu agieren und sich entgegenzustellen, wenn es notwendig ist.» Beim Außenministertreffen am Montag ergänzte Borrell, dass die EU dazu alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen müsse.

Als eine wichtige Voraussetzung dafür nennt der Spanier Zusammenarbeit und Zusammenhalt. «Leider könnten andere versuchen, uns zu schwächen und zu spalten», warnt er. Um erfolgreich sein zu können, müsse man sich um innere Geschlossenheit bemühen und draußen für den Erfolg kämpfen.

Wie schwer es vielen EU-Staaten fällt, für eine stärkere europäische Außenpolitik Opfer zu bringen, zeigt allerdings die von Deutschland geforderte Diskussion um die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips. Von Diplomaten hieß es zuletzt, die Bundesrepublik habe bei dem Thema genau einen echten großen Unterstützer: Spanien, das Heimatland Borrells.

EU / International / Außenminister / Josep Borrell / Brüssel / EU-Außenbeauftragter / Europa
09.12.2019 · 14:31 Uhr
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