Großes Saisonfinale

Neue Leichtathletik-Show: Das ist die Ultimate Championship

10. September 2026, 05:55 Uhr · Quelle: dpa
Leichtathletik
Foto: Marcus Brandt/dpa
Die Leichtathletik will hoch hinaus. (Archivbild)
Zehn Millionen Dollar Preisgeld, ein exklusives Teilnehmerfeld und keine stundenlangen Vorkämpfe. Die Leichtathletik will sich neu präsentieren. Ein kleines deutsches Team ist auch dabei.

Budapest (dpa) - Noch eine Weltmeisterschaft? Nicht ganz. Mit einem hohen Preisgeld, einem straffen Programm und den größten Stars ihrer Sportart will sich die Leichtathletik bei der erstmals ausgetragenen Ultimate Championship neu in Szene setzen. Mehrere Millionen US-Dollar Preisgeld werden ausgeschüttet, ein schwarzes Innenfeld und veränderte Regeln sollen für eine Show mit neuen Facetten sorgen. 

Drei Abende vom 11. bis 13. September mit 26 Einzel- und zwei Mixed-Staffel-Wettbewerben in Budapest sollen zeigen, wie gut das Konzept funktioniert. «Nicht alles, was man auf den Laufstegen in London, Paris und Mailand sieht, landet auch in den Geschäften», sagte Weltverband-Präsident Sebastian Coe. Es gibt aber auch kritische Töne. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einem Prestigeprojekt des Weltverbandes.

Was sind die Ultimate Championships?

Eine Art Superfinale der internationalen Leichtathletik. Die Idee: Olympiasieger, Weltmeister, Diamond-League-Sieger und weitere über die Weltrangliste qualifizierte Topathleten sollen am Ende der Freiluftsaison noch einmal direkt gegeneinander antreten. Das Teilnehmerfeld ist exklusiv. Die Besten der Besten soll gefunden werden.

Warum gibt es den neuen Wettbewerb?

Weniger Athleten, weniger Leerlauf, mehr Entscheidungen. Statt langer Wettkampftage mit Vorläufen und mehreren gleichzeitig stattfindenden Entscheidungen setzt der Weltverband auf kurze Sessions, die Topstars und direkte Duelle. Auch die Präsentation wird verändert: Das Innenfeld des Stadions wird schwarz gestaltet, jeweils relevante Wettkampfflächen sollen optisch hervorgehoben werden. Hinzu sollen neue TV-Grafiken, Siegwahrscheinlichkeiten und mehr Show-Elemente kommen. Wie sehr die Stars im Fokus stehen, zeigt auch die Event-Hymne. Die singt Stabhochsprung-Weltrekordler Armand «Mondo» Duplantis.

Warum sehen einige Leichtathleten das Event kritisch?

Eine WM umfasst in der Regel neun Wettkampftage mit 13 oder 14 Sessions. Daher konnten nicht alle Disziplinen berücksichtigt werden. Vor allem einige Wurfdisziplinen fallen der Verknappung zum Opfer. Das löst Kritik aus. «Da aus World Athletics inzwischen World Running geworden ist, werde ich meine Saison nun beenden und mir die dringend benötigte Auszeit nehmen», erklärte Diskuswurf-Europameisterin Jorinde van Klinken aus den Niederlanden am vergangenen Wochenende.

Auch Dreisprung-Olympiasieger Pedro Pichardo ging den Weltverband an. «Das ist keine Leichtathletik, und es ist nicht gut für unseren Sport. Hört auf, uns auszuschließen», schrieb der Portugiese auf Instagram. Der Dreisprung der Männer ist genauso wenig Teil des dreitägigen Wettkampfprogramms wie das Diskuswerfen der Frauen. Laut World Athletics ist das Ziel, in jeder Session eine Mischung von Disziplinen anzubieten, die Spannung erzeugt und das Publikum durchgehend ins Wettkampfgeschehen einbindet.

Das Ereignis soll zudem alle zwei Jahre stattfinden und damit auch in Jahren ohne Freiluft-WM einen globalen Saisonhöhepunkt schaffen. Die klassische WM bleibt aber. «Ich bin kein großer Fan davon, dass es jedes Jahr einen Wettkampf auf Weltniveau - also Olympia, WM oder das neue Format - gibt. Das erhöht einfach den Druck auf die Athletinnen und Athleten, die immer performen müssen», sagte die verletzungsbedingt fehlende Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo der Deutschen Presse-Agentur.

Welche Deutschen starten?

Hammerwurf-Vizeweltmeister Merlin Hummel, Speerwurf-Europameister Julian Weber, die Langhürdler Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz sowie 1.500-Meter-Läufer Robert Farken sind dabei. Dazu kommt die deutsche 4x100-Meter-Mixed-Staffel. Insgesamt sind 381 Starterinnen und Starter aus 65 Nationen im Teilnehmerfeld.

Wie viel Geld gibt es zu gewinnen?

Insgesamt schüttet der Weltverband zehn Millionen US-Dollar (rund 8,6 Millionen Euro) aus - nach Angaben des Verbands das höchste Preisgeld, das jemals bei einer einzelnen Leichtathletik-Veranstaltung angeboten wurde. Ein Sieg in einem Einzelwettbewerb bringt 150.000 Dollar, Platz zwei 75.000 und Platz drei 40.000 Dollar. Selbst Rang 16 wird noch mit 2.000 Dollar honoriert. Für einen Staffelsieg gibt es insgesamt 80.000 Dollar. 

Kann das Konzept funktionieren?

Sportlich spricht einiges dafür. Kleine Felder und hohe Preisgelder erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass viele der Besten tatsächlich gegeneinander antreten. Und eine Veranstaltung, die nach rund drei Stunden beendet ist, lässt sich leichter präsentieren als ein kompletter WM-Tag. Die ARD überträgt die drei Wettkampftage im Livestream und in der Mediathek.

Das Risiko liegt auf der anderen Seite genau in dieser Verknappung. Die Leichtathletik lebt auch von ihrer Vielfalt. Nicht alle olympischen Disziplinen bekommen einen Platz. Kleine Felder bedeuten zudem, dass viele international starke Athleten außen vor bleiben.

Und noch etwas kann nicht künstlich erzeugt werden: Prestige. Ein Olympiasieg oder WM-Titel hat seinen Wert über Jahrzehnte entwickelt. Ob Athleten und Zuschauer eines Tages ähnlich selbstverständlich von einem «Ultimate Champion» sprechen, wird sich erst zeigen. 

Warum könnte das Event auch für andere Traditionssportarten spannend sein?

Weil dort mehr getestet wird als nur ein neuer Wettkampf. Es wird versucht, eine alte Frage zu beantworten: Wie präsentiert man eine komplexe Sportart mit vielen Disziplinen so, dass sie auch außerhalb von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ein großes Publikum erreicht? Drei Abende in Budapest werden darauf noch keine endgültige Antwort geben. Sie könnten aber zeigen, in welche Richtung es gehen könnte.

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10.09.2026 · 05:55 Uhr
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