Netflix setzt auf Künstliche Intelligenz, doch Anleger bleiben skeptisch

Künstliche Intelligenz als innovatives Werkzeug
Im Jahr 2023 setzt der Videostreaming-Marktführer Netflix in rund 300 Produktionen auf Künstliche Intelligenz (KI), um kreative Prozesse zu optimieren und neue Inhalte zu generieren. Co-CEO Ted Sarandos erklärte vor Analysten, dass KI beispielsweise zur Erzeugung von Menschenmengen oder zur Inszenierung historischer Schlachten genutzt wird. Diese Technologien ermöglichen es, Inhalte zu erstellen, die andernfalls aus Zeit- oder Kostengründen nicht realisiert worden wären. Sarandos betonte jedoch, dass KI lediglich ein Werkzeug für kreative Köpfe sei: „Filme werden von Leuten gemacht, die Filme machen.“
Herausforderungen in der Kundenbindung
Trotz dieser technologischen Fortschritte sieht sich Netflix mit Zweifeln an seiner Fähigkeit konfrontiert, die Kundenbasis langfristig zu halten. Die jüngsten Quartalszahlen wurden von den Märkten kritisch aufgenommen, insbesondere angesichts des gescheiterten Übernahmeversuchs des Hollywood-Riesen Warner Brothers, den Netflix gegen Paramount verlor. Analysten interpretieren dies als strategische Fehlentscheidung und als Anzeichen für eine mögliche Schwäche im Wettbewerb. Zudem zeigen Marktforschungsdaten, dass die Zuschauerzahlen bei vielen Serien ab der zweiten Staffel zurückgehen, was die Nachhaltigkeit der Zuschauerbindung infrage stellt.
Veränderungen in der Kommunikationsstrategie
In einer weiteren strategischen Entscheidung plant Netflix, künftig nur noch einmal jährlich anstelle von zweimal jährlich Informationen über die Popularität seiner Inhalte zu veröffentlichen. Das Management hebt hervor, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Stunden, die Kunden mit dem Streaming verbringen, und den erzielten Erlösen nicht immer gegeben sei. So würden Live-Übertragungen zwar viele Neukunden anziehen, jedoch nicht die gleiche Zuschauerzahl wie andere Formate erreichen, wie Co-CEO Greg Peters erläuterte.
Marktreaktion und finanzielle Kennzahlen
Die Reaktionen der Anleger auf diese Entwicklungen waren jedoch alles andere als positiv. Im nachbörslichen Handel fiel der Aktienkurs um rund neun Prozent, was auf eine enttäuschende Umsatzprognose für das laufende Quartal zurückzuführen ist. Netflix hatte in den letzten Monaten bereits über 40 Prozent seines Wertes verloren, was die Unsicherheit über die zukünftige Marktstellung des Unternehmens widerspiegelt.
Trotz dieser Herausforderungen konnte Netflix im vergangenen Quartal einen Umsatz von 12,56 Milliarden Dollar (10,98 Milliarden Euro) erzielen, was einem Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Gewinn wuchs um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Allerdings führte die Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar, die Netflix im Februar an Warner zahlen musste, zu einem Anstieg der Steuerzahlungen, was die finanzielle Situation zusätzlich belastete.

