Nato: Deutschland mit dickem Plus bei Verteidigungsausgaben

16. März 2021, 13:54 Uhr · Quelle: dpa

Brüssel (dpa) - Deutschland und die meisten anderen Nato-Partner der USA haben ihre Verteidigungsausgaben erneut deutlich gesteigert.

Nach einem am Dienstag präsentierten Bericht von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gaben die europäischen Bündnisstaaten und Kanada 2020 real rund 3,9 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Die Bundesrepublik steigerte ihre Ausgaben demnach sogar um 8,4 Prozent. Sie erreichten nach Nato-Standards 51,6 Milliarden Euro.

«Trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 war 2020 das sechste Jahr in Folge, in dem die Verteidigungsausgaben in den europäischen Bündnisstaaten und in Kanada gestiegen sind», kommentierte Stoltenberg zufrieden. Er erwarte, dass sich dieser Trend auch im laufenden Jahr fortsetze.

Relevant sind die Zahlen für die Nato vor allem deswegen, weil die USA seit Jahren eine ausgewogenere Lastenteilung innerhalb des Bündnisses fordern. Mit rund 785 Milliarden US-Dollar (658 Milliarden Euro) gaben sie im vergangenen Jahr rund 2,4 Mal so viel Geld für Verteidigung aus wie alle anderen 29 Nato-Partner zusammen und hatten mit 3,7 Prozent auch den mit Abstand höchsten Anteil der Verteidigungsausgaben an der nationalen Wirtschaftsleistung.

Konkret verlangen die USA, dass alle Bündnisstaaten so schnell wie möglich jährlich mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. 2020 erreichten den aktuellen Nato-Zahlen zufolge lediglich zehn andere diese Zielvorgabe. Dies waren die Slowakei, Griechenland, Großbritannien, Rumänien, Polen, Frankreich, Norwegen sowie die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.

Deutschland war mit einer Quote von 1,56 Prozent weiterhin weit vom Zwei-Prozent-Ziel entfernt - obwohl die für die Nato relevanten Ausgaben im Zeitraum von 2014 bis 2020 real um knapp 35 Prozent erhöht wurden. Dabei fiel die BIP-Quote 2020 nur wegen des Konjunktureinbruchs durch die Corona-Krise in dieser Höhe aus. Vor der Krise war erwartet worden, dass die deutschen Ausgaben zu einer Quote von etwa 1,42 Prozent führen.

Neben Deutschland sind noch viele andere Nato-Staaten meilenweit vom Zwei-Prozent-Ziel entfernt. Dazu zählen zum Beispiel Spanien mit einer Quote von rund 1,2 Prozent, Belgien mit 1,1 Prozent und Luxemburg mit nur 0,6 Prozent.

Stoltenberg räumte auch ein, dass einige Bündnisstaaten 2020 wohl nur wegen des krisenbedingten Einbruchs der Wirtschaftsleistung das Zwei-Prozent-Ziel erreichten. So lagen zum Beispiel Norwegen und die Slowakei bei genau 2,0 Prozent und Frankreich bei 2,04 Prozent.

Mit Spannung wird nun erwartet, wie sich die Verteidigungsausgaben im laufenden Jahr entwickeln werden. Die Budgetpläne für 2020 waren nämlich noch vor der Corona-Pandemie erstellt worden.

Sollten die Ausgaben trotz des Wirtschaftseinbruches konstant gehalten oder sogar gesteigert werden, könnte es weiter steigende Quoten geben. Denkbar ist allerdings auch, dass Regierungen wegen der Krise bei den Verteidigungsausgaben den Rotstift ansetzen und darauf vertrauen, dass der neue US-Präsident Joe Biden bei dem Thema keine ganz so harte Linie vertritt wie sein Vorgänger Donald Trump. Dieser hatte sogar einen Austritt der USA aus dem Bündnis angedroht, sollten nicht alle Bündnispartner sofort zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung bereitstellen.

In der Diskussion um eine fairere Lastenteilung innerhalb der Nato schlug Generalsekretär Stoltenberg jüngst auch eine deutliche Steigerung der Gemeinschaftsausgaben für Abschreckung und Verteidigung vor. Demnach sollten Nato-Mitglieder nicht mehr alle Kosten selbst tragen müssen, wenn sie sich zum Beispiel an der Stationierung von Truppen im Baltikum, an Übungen oder an Luftüberwachungseinsätzen beteiligen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben etliche Alliierte in bündnisinternen Beratungen allerdings deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, so weitreichende Vorschläge zu unterstützen.

Insgesamt gaben die 30 Nato-Staaten im vergangenen Jahr rund 1,1 Billionen US-Dollar (etwa 930 Milliarden Euro) für Verteidigung aus. Zum Vergleich: Nach Zahlen des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) kam China zuletzt auf gerade einmal 193,3 und Russland nur auf 60,6 Milliarden Dollar.

Nato / Verteidigung / Militär / Covid-19 / Corona / International
16.03.2021 · 13:54 Uhr
[16 Kommentare]
Wohnungen in München
Wiesbaden (dpa) - In den allermeisten Haushalten hierzulande wird ausschließlich Deutsch gesprochen. So gaben 77 Prozent der Bevölkerung an, die deutsche Sprache zu nutzen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Weitere 17 Prozent sprachen neben Deutsch demnach noch mindestens eine weitere Sprache. Das Bundesamt veröffentlichte die […] (00)
vor 2 Minuten
Jane Seymour
(BANG) - Jane Seymour empfand es als Privileg, mit Robert Duvall zusammenzuarbeiten. Der legendäre Schauspieler verstarb am Sonntag (15. Februar) im Alter von 95 Jahren, und Seymour würdigte den Hollywoodstar mit einer emotionalen Hommage. Die 75-jährige Jane, die 1995 mit Duvall in dem Drama 'Der wunderliche Mr. Cox' zusammenarbeitete, schrieb auf […] (00)
vor 2 Stunden
Open Claw entfesselt KI-Agenten – sind wir darauf vorbereitet?
Der Sprung von der Assistenz zur Autonomie Open Claw steht exemplarisch für eine neue Systemarchitektur. Während klassische KI-Anwendungen reagieren – etwa auf Prompts oder Suchanfragen –, agieren Agentensysteme eigenständig. Sie planen mehrstufig, greifen auf Schnittstellen zu, korrigieren sich selbst und führen Prozesse aus. Ein Bot mit eigenem […] (00)
vor 1 Stunde
AION Classic: Update 4.5 „Ignite“ bringt feurige Phoenix-Klasse und gewaltiges Inhaltspaket
Das Fantasy-Rollenspiel AION Classic EU erhält frischen Wind aus der Schmiede von Gameforge. Mit dem kommenden Aktualisierungspaket wartet nicht nur eine brandneue Charakterklasse auf die Spielergemeinde, sondern auch eine komplette Überarbeitung grundlegender Spielsysteme, ausgedehnte Gebiete zum Erkunden und deutlich erweiterte Fortschrittswege für […] (00)
vor 35 Minuten
Primetime-Check: Montag, 16. Februar 2026
Olympia setzte Karneval und Quiz deutlich zu. «Promis unter Palmen» geriet sogar richtig in Bedrängnis. Auf das Primetime-Podium stieg am gestrigen Abend das ZDF mit Olympischen Winterspiele in Italien. Im Primetime-Umfeld verfolgten zunächst 5,87 Millionen zu hohen 24,8 Prozent das abgebrochene Super Team-Skispringen. In Bezug auf die Leute bis 49 waren es 1,22 Millionen und wunderbare 28,4 […] (00)
vor 1 Stunde
Olympische Winterspiele 2026
Treviso (dpa) - Ski-Star Lindsey Vonn hat sich nach ihrer Rückkehr in die USA mit einem Gesundheitsupdate zurückgemeldet. «Ich habe seit über einer Woche nicht mehr auf meinen eigenen Beinen gestanden, ich liege seit meinem Rennen unbeweglich in einem Krankenhausbett», schrieb die 41-jährige Amerikanerin auf der Plattform X. «Und auch wenn ich noch […] (00)
vor 1 Stunde
Das kanadische Unternehmen Inspiration Energy hat die Absicht verkündet, seinen Namen in Inspiration Mining Corp. zu ändern. Ziel dieser Umbenennung ist es, die Unternehmensstrategie deutlicher hervorzuheben, die sich auf die Exploration von Kupfer- und Goldvorkommen konzentriert. Die Geschäftsleitung ist der Überzeugung, dass der neue Name ein klareres […] (00)
vor 12 Minuten
Schritt 5: Kosten & Gebühren vergleichen
Utting, 17.02.2026 (lifePR) - Ein oft unterschätzter Faktor bei der Geldanlage sind die Nebenkosten, die bei Investments anfallen. Dazu gehören auch die Transaktions- und Depotgebühren, die Ihre Bank oder Ihr Online-Broker Ihnen in Rechnung stellt. Deshalb sollten Sie prüfen, ob sich vielleicht nicht ein anderer (kostengünstigerer) Broker […] (00)
vor 1 Stunde
 
lapland, winter, snow, landscape, wintry, finland, cold, snowy, snow landscape, winter mood
Bewölkung und winterliche Niederschläge von der Nacht bis tagsüber In der Nacht zum […] (00)
Basketball-Spiel (Archiv)
Berlin - Sänger Howard Carpendale warnt, dass eine Karriere in der Musikbranche […] (03)
Ukraine-Krieg - Friedensgespräche in Istanbul
Genf/Kiew/Moskau (dpa) - Hochrangige Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln […] (02)
Messerangriff in Sydney
Sydney (dpa) - In Australiens Metropole Sydney hat ein Mann auf offener Straße […] (00)
Kreml prüft Dollar-Comeback: Strategiewechsel nach möglichem Ukraine-Deal mit Trump?
Dollar als geopolitisches Instrument Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat Russland […] (00)
God of War-Erfinder zerlegt „Sons of Sparta“: „Das ist nicht God of War“
Kaum ist God of War: Sons of Sparta erschienen, sorgt das Spiel für hitzige […] (00)
Olympische Winterspiele 2026
Predazzo (dpa) - Philipp Raimund haderte, Andreas Wellinger wollte «gegen die Wand […] (03)
Leben im All: Warum bewohnbare Planeten seltener sein könnten als gedacht
Das moderne Bild der Suche nach außerirdischem Leben hat sich in den letzten Jahren […] (00)
 
 
Suchbegriff