Nach Mega-Lauf bei Wasserstoff-Aktien: Erste Experten werden skeptisch für Plug Power, NEL und FuelCell

• Wasserstoffaktien haben stark performt
• Zuletzt nahmen Anleger Gewinne mit
• Erste Experten werden skeptisch

Die Wasserstoff-Branche gilt als Trendmarkt der Zukunft. Anleger haben im vergangenen Jahr massiv in den Sektor investiert und Branchenvertretern wie NEL, Ballard Power oder ITM Power zu massiven Aufschlägen verholfen.

Anleger nehmen bei Wasserstoff-Aktien Gewinne mit

Zuletzt hatte der Sektor erste Anzeichen von Schwäche gezeigt. Bei ITM Power etwa ging es nach dem Mehrjahreshoch von 7,20 GBP am 15. Januar zunächst bergab. Und auch die Aktie von Plug Power, die nur einen Tag zuvor bei 73,90 US-Dollar ein Rekordhoch markierte, erlebte in den Folgetagen Rücksetzer, auch wenn ein Teil der Verluste wieder ausgeglichen werden konnte. Mit Gewinnmitnahmen hatte auch Branchenriese NEL zu kämpfen und auch bei FuelCell zogen Anleger nach einem starken Lauf zuletzt die Reißleine.

Shortseller verdirbt Wasserstoff-Investoren die Laune

Dabei war es zusätzlich ein Tweet des Shortsellers Kerrisdale Capital, der zuletzt für schlechte Stimmung im Sektor gesorgt hatte. Die Investmentfirma hatte eine Studie veröffentlicht, nach der der US-Konzern Plug Power massiv überbewertet eingeschätzt wird. Darin verkündeten die Experten, man sei short bei dem Unternehmen mit einem Börsenwert von 40 Milliarden US-Dollar, "das im Jahr 2020 gerade einmal 300 Millionen US-Dollar an Umsatz erzielen werde und zum 40-fachen seiner eigenen aggressiven Umsatzprognose für 2024 gehandelt wird".

In einer Serie von Tweets sprach der Shortseller dann von einem "überhypten Wasserstoffsektor" und erklärte, Wasserstoff könne nicht mit Strom aus Solar- und Windenergie konkurrieren. Die Welt werde niemals sinnvoll grünen Wasserstoff zur Energiegewinnung nutzen, da es zu teuer sei und bei Lagerung Transport und Verwendung ineffizient.

Erste skeptische Stimmen auch von Experten

Ähnlich skeptisch - zumindest für den Einsatz im Autosegment - hatte sich vor nicht allzu langer Zeit auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer geäußert. Der Direktor beim Center Automotive Research hat insbesondere im Hinblick auf wasserstoffbetriebene PKW Skepsis angemeldet. Als Einsatzgebiet sehe er eher Busse und schwere LKW, bei Personenkraftwagen sei unterdessen die Infrastruktur zu teuer und zu aufwändig.

Und auch von JPMorgan-Analyst Paul Coster kamen zuletzt skeptische Töne zum Sektor. Dabei nahm er konkret die heiß gelaufene Aktienkursentwicklung vieler Branchenvertreter ins Visier. Zuletzt stufte er FuelCell auf "Sell" herab und verpasste der Aktie ein Kursziel von 10 US-Dollar. Die Aktie brach daraufhin deutlich ein, notiert aktuell aber immer noch oberhalb der von Coster ausgegebenen Zielmarke. Die Aktie sei zu schnell zu weit gestiegen, so der Experte, der den Anteilsschein zudem für "ausreichend bewertet" hält. Noch vor wenigen Wochen hatte die Aktie bei Coster ein "Halten"-Rating und er hatte explizit betont, dies sei "kein Aufruf, die Aktie zu verkaufen". Das hat sich innerhalb weniger Wochen nun offenbar geändert.

Auch Plug Power nahm der Experte genauer unter die Lupe, hier hatte der Analyst ein "Halten"-Rating parat. Auch diese Aktie hält er für zu teuer, weshalb er mit seinem Kursziel von 60 US-Dollar unterhalb des aktuellen Börsenkurses liegt. Allerdings hatte sich der Aktienwert dem Kursziel von Coster zuletzt deutlich angenähert: Die Aktie hatte infolge des Shortseller-Vorwurfes massiv Federn lassen müssen.

Auch Stockstreet-Experte Torsten Ewert hat kürzlich Skepsis bezüglich der Bewertung von Plug Power angemeldet, auch NEL hält er für "hoffnungslos überbewertet". Darüber hinaus sei das Zukunftspotenzial, das die Anleger den Unternehmen mit den aktuellen Kursen zumessen, völlig unrealistisch", so der Experte in seinem aktuellen Börsenbrief unter der Überschrift "Überbewertung, Übertreibung oder Blase?". Um dies zu beurteilen, "muss man kein Wasserstoffexperte sein. Es reicht, sich klarzumachen, dass beides Industrieunternehmen sind. Sie produzieren Geräte und Anlagen. Dazu benötigen sie Rohstoffe und Fertigungsanlagen - und zwar umso mehr, je mehr sie produzieren wollen".

Ob sich Anleger angesichts der skeptischen Stimmen auf einen breiten Kurseinbruch im Wasserstoffsektor einstellen müssen, bleibt abzuwarten.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 22.01.2021 · 22:03 Uhr
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