N26 verlässt Großbritannien - nur wegen Brexit oder steckt mehr dahinter?

• N26 kehrt Großbritannien den Rücken
• Europäische Bankenlizenz nicht mehr ausreichend
• Schmaler Erfolgsgrat der eigentliche Grund?

Am 11. Februar verkündete das deutsche Fintech-Unternehmen N26, dass es sich nach dem Brexit aus Großbritannien zurückziehen wird. Zum 15. April hin werden die Konten britischer Nutzer auslaufen - sie müssen sich eine Alternative bis dahin suchen und ihr Geld von ihren N26-Konten abziehen. Doch wieso genau kommt der UK-Austritt des deutschen Startups?

Nach Brexit keine Lizenz mehr?

Als Grund nannte N26 in erster Linie die europäische Vollbanklizenz: Nach dem Brexit wäre die App-Bank mit dieser Lizenz nicht mehr in der Lage, im Vereinigten Königreich zu agieren. Nach eigenen Angaben betreut das Fintech allein in Großbritannien hunderttausende Kunden. Diese sollen in den nächsten Wochen ihre Guthaben auf andere Konten verlagern, bevor die Konten bei N26 auslaufen. Thomas Grosse betätigte dennoch, laut WirtschaftsWoche, dass sich am "globalen Wachstumskurs von N26" nichts ändern werde.

Brexit keine Überraschung - übereilter Abzug?

Ein bisschen übereilt wirkt diese Ankündigung vermutlich dennoch. Denn erst 2018 - also zwei Jahre nach dem Votum - startete N26 sein Geschäft in Großbritannien, verlautet die WirtschaftsWoche. Eigentlich hätte N26 auch zunächst eine Lizenz in Großbritannien beantragen können, berichtet dpa. Doch, wie N26 argumentiert, sei das "mit einem erheblichen betrieblichen Aufwand und regulatorischer Komplexität verbunden." Dass es zu dem Brexit kommt und es somit zu Änderungen bei Lizenzen kommen könnte, ist auch keine unvorhersehbare Überraschung. Klar ist zwar, dass die EU-Bankenlizenz nach dem endgültig vollzogenen Brexit nicht mehr gültig sein wird, allerdings steht noch nicht einmal fest, wie es für europäische Finanzdienstleister in Großbritannien weitergeht. Schließlich stehen noch Verhandlungen aus - entsprechende Lizenzfragen für die Finanzbranche stehen also noch offen, weshalb der jüngst angekündigte N26-Exit überstürzt erscheint. Wie WirtschaftsWoche berichtet, hat ein Konkurrent, für den der britische Markt wichtig sei, entsprechend gehandelt: "Wir haben daher eine Ausnahmeregelung beantragt und erhalten. Jede europäische Bank konnte die vor einiger Zeit beantragen" habe Ali Niknam, Gründer und CEO der niederländischen Neobank bunq, geäußert.

Reißleine wegen zu wenig Potenzial gezogen?

Auf die Nachfrage der WirtschaftsWoche zu den Gründen des UK-Rückzugs antwortete ein Unternehmenssprecher: "Als europäische Bank mit einer europäischen Banklizenz müssten wir komplexe regulatorische Maßnahmen umsetzen und Produktaktualisierungen vornehmen, um weiterhin in Großbritannien tätig sein zu können." Das hätte dessen Angaben zufolge zu viele Ressourcen über einen längeren Zeitraum hinweg verschlungen, die an anderen Stellen "sinnvoller" investiert werden könnten. Außerdem teilte N26 in der Verkündung mit: "Das Wachstumspotenzial ist dabei bei vergleichbarem Aufwand in anderen, größeren Märkten wie zum Beispiel der EU und den USA, höher." Mit dieser Aussage kann bereits vermutet werden, dass es in Großbritannien nicht ganz so läuft, wie sich das Fintech ursprünglich erhofft hatte.

N26 kam in UK nicht so gut an wie erhofft

Während das deutsche Unicorn in Deutschland als Neobank quasi Marktalleinherrscher war, gibt es in Großbritannien bereits Konkurrenz, die den britischen Kunden zur Verfügung stand, als N26 dann expandierte. Auf dem UK-Markt spielten so bereits die Fintechs Monzo, Starling sowie Revolut. Der Wirtschaftsblog Stifted berichtete zudem, dass N26 dabei Schwierigkeiten hatte, britische Kunden für sich zu gewinnen. So habe die Bank-App es seit dem Markteinstieg vor zwei Jahren nun lediglich auf Platz 19 bei Downloads und bei den monatlich aktiven Nutzern geschafft. Demgegenüber habe sogar die Krypto-App Coinbase vor dem deutschen Unternehmen gelegen. Zusätzlich lassen die Bewertungen im britischen Google Play Store zu wünschen übrig: Die konkurrierenden Fintechs können mit zwischen 4,5 und 4,8 von fünf Sternen glänzen, während N26 mit 3,7 Sternen etwas schlechter von den britischen Kunden bewertet wird.

N26 beharrt jedenfalls darauf, dass der Brexit der maßgebliche Grund für den vollständigen Rückzug aus dem UK-Geschäft sei. "Der Wettbewerb ist nicht der Grund für unsere Entscheidung, den britischen Bankenmarkt zu verlassen", zitiert WirtschaftsWoche einen Unternehmenssprecher der Bank. Doch wieso N26 wirklich nicht wie andere Fintechs und Banken auf die Ausnahmeregelung zurückgegriffen hat, bleibt wohl weiterhin unbeantwortet. Klar ist nämlich, dass noch Zeit für weitere Gespräche und Regelungen für eine Einigung, um weiterhin auf dem britischen Markt mitzumischen, gewesen wäre.

Konjunktur/Wirtschaft
[finanzen.net] · 17.02.2020 · 21:27 Uhr
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