56. Verhandlungstag

Mutmaßlicher Block-Kidnapper: «Die Kinder haben geweint»

15. Juni 2026, 16:48 Uhr · Quelle: dpa
Fortsetzung Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa / Pool/dpa
Der Prozess gegen Christina Block begann im Juli 2025.
Eine israelische Sicherheitsfirma soll die Block-Kinder im Auftrag ihrer Mutter entführt haben. Der Chef ist als Zeuge eine Schlüsselfigur in dem Prozess. Trugen die mutmaßlichen Entführer Waffen?

Hamburg (dpa) - Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat der mutmaßliche Anführer der Kidnapper die Reaktionen des Jungen und des Mädchens geschildert. «Die Kinder haben geweint, sie waren geschockt und sehr unglücklich», sagte der Zeuge aus Israel, David Barkay, bei der Fortsetzung seiner Befragung vor dem Landgericht Hamburg. «Es tat mir sehr leid für sie.» Seine Sicherheitsfirma Cyber Cupula soll laut Anklage für die Entführung der Kinder verantwortlich sein.

Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen waren in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark in ein Auto gezerrt worden. Er habe seinem Team vor der Tat die Anweisung gegeben, «jegliche Gewalt zu minimieren», es so «menschlich» wie möglich auszuführen, betonte Barkay laut Übersetzung aus dem Englischen. Auf die Frage der Nebenklage, ob die Männer Waffen getragen hätten, antwortete der Zeuge: «Niemals.»

«Herr Hensel, ich entschuldige mich»

Gewalt gegen den Vater Stephan Hensel, der im Prozess Nebenkläger ist, sei nicht geplant gewesen. «Herr Hensel, ich entschuldige mich dafür», sagte Barkay in Richtung des 52-Jährigen. Er habe extra zwei Kampfsport-Experten mitgenommen, die den Vater nur kurz hätten festhalten sollen, ohne Gewalt. Ihm sei berichtet worden, dass ein anderes Teammitglied zugeschlagen habe - er selbst habe das aber nicht gesehen. «Mir wurde erzählt, dass sein Eingreifen ein Chaos verursacht hat.»

Der 68-Jährige hatte für seine Aussage in Deutschland sicheres Geleit bekommen. Er muss zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.

Mutter soll Auftrag zur Entführung gegeben haben

Der angeklagten Unternehmerin Christina Block wird vorgeworfen, der israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die 53-Jährige bestreitet das. Es gibt sechs weitere Angeklagte, darunter der Lebensgefährte von Christina Block, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Der 67-Jährige betont, nichts Unrechtes getan zu haben. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

«Mandantin ist sehr angeschlagen»

Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter (heute 20) war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Blocks Ex-Mann hatte die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht zurück nach Hamburg gebracht. Er erhob Gewaltvorwürfe gegen die Mutter, die diese zurückweist. Zu den drei Kindern, die beim Vater in Dänemark leben, hat die Mutter keinen Kontakt.

Blocks Anwalt Ingo Bott merkte zu Beginn des 56. Prozesstages an: «Meine Mandantin ist sehr angeschlagen heute.» Sie habe am Wochenende erfahren, dass ihre inzwischen 15-jährige Tochter in Hamburg sei und mit einer Tante Kontakt hatte. Das habe sie sehr mitgenommen.

Zeuge: Mutter wusste von unseren Plänen

Es war bereits der achte Prozesstag, an dem Barkay Fragen beantwortete. Wie auch an den früheren Verhandlungstagen ging es nur sehr langsam voran, weil der Zeuge angab, Fragen nicht verstanden zu haben. Immer wieder berief er sich zudem auf Erinnerungslücken.

Barkay hatte vor einigen Monaten ausgesagt, die angeklagte Mutter und der ebenfalls angeklagte Anwalt der Familie, Andreas Costard, hätten von der geplanten Rückholaktion gewusst. Aber: «Ich wollte die Einzelheiten nicht teilen, weil ich kein Vertrauen hatte», sagte der 68-Jährige nun über sein damaliges Verhalten.

Sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée mit Christina Block getroffen. Die Männer seien maskiert gewesen. Die Verteidigung von Block bestreitet, dass es so ein Treffen gab und hatte moniert, dass die mutmaßlichen Entführer alle unterschiedliche Zeitpunkte für ein angebliches Treffen genannt hätten. Er verstehe nicht, warum der Zeitpunkt so wichtig sei, sagte Barkay. «Es ändert nichts daran, dass sich das Meeting so abgespielt hat.» Er habe Christina Block gebeten, dorthin zu kommen, und das habe sie getan.

Hatte Christina Block das Aufenthaltsbestimmungsrecht?

Ob Christina Block zum Zeitpunkt der Rückholaktion das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre Kinder hatte, ist zwischen den Parteien strittig. Der Verteidiger von Familienanwalt Costard hatte dazu einen langen Beweisantrag gestellt, dessen Argumentation die Nebenklage widersprach.

Die Verteidiger forderten das Gericht auf, möglichst bald seine eigene Ansicht zu dieser Frage zu äußern. Die beiden Kinder waren nach der Entführung aus Dänemark zunächst nach Süddeutschland gebracht worden und wohnten anschließend bis zum 5. Januar 2024 bei ihrer Mutter in Hamburg. An jenem Tag hatte das Hanseatische Oberlandesgericht entschieden, dass sie zu ihrem Vater nach Dänemark zurückkehren sollen.

Die Verteidiger der deutschen Angeklagten argumentieren, dass keine Entziehung Minderjähriger vorliegen könne, weil die Mutter zu jenem Zeitpunkt das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht hatte.

«Mir wurde nichts versprochen»

Der Verteidiger von Delling, David Rieks, fragte Barkay nach möglichen Absprachen mit der Staatsanwaltschaft vor seinen Aussagen in Deutschland. Dabei las er den Aktenvermerk einer Oberstaatsanwältin vor. Darin hatte sie erklärt, dass eine Bewährungsstrafe für Barkay nicht wahrscheinlich, aber auch nicht völlig ausgeschlossen sei. Dazu sagte der mutmaßliche Chef der Kidnapper: «Mir wurde nichts versprochen, von niemandem.»

Die Zeugenaussage von Barkay soll am Mittwoch fortgesetzt werden.

Prozess (Gericht) / Leute / Kriminalität / Gesellschaft / Hamburg / Deutschland / Christina Block
15.06.2026 · 16:48 Uhr
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