61. Verhandlungstag

Mutmaßlicher Block-Entführer fühlt sich ausgenutzt

30. Juni 2026, 16:40 Uhr · Quelle: dpa
Fortsetzung Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung
Foto: Markus Scholz/dpa-Pool/dpa
Block blickt zur Videoprojektion, auf der der Zeuge in Israel zu sehen ist.
Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.

Hamburg (dpa) - Ein 42-Jähriger, der bei der gewaltsamen Rückholung der Block-Kinder aus Dänemark einer der Fahrer gewesen sein soll, fühlt sich im Rückblick nach eigenen Worten ausgenutzt. 

«Heute sage ich ganz klar: Der hat mich ausgenutzt», sagte der Zeuge aus Israel bei seiner Videovernehmung vor dem Landgericht Hamburg laut Übersetzung. Damit spielte der Mann auf den Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, David Barkay (69), an, der laut Staatsanwaltschaft Drahtzieher der gewaltsamen Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24 war.

Barkay wiederum hatte vor Gericht beteuert, ihm sei die Rechtmäßigkeit der Aktion versichert worden. Es sei eigentlich keine Gewalt geplant gewesen. Er sei davon ausgegangen, im Sinne der Familie Block zu handeln. Christina Block sei sein Vorhaben bekannt gewesen, allerdings hätte er keine Einzelheiten preisgegeben.

Gab es einen Auftrag?

Die Hamburger Unternehmerin ist angeklagt, die israelische Sicherheitsfirma im Zuge eines langen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder (damals 10 und 13) vom Wohnort des Vaters in Süddänemark zu entführen.

Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, hatte ausgesagt, die Sicherheitsfirma habe auf eigene Faust gehandelt. Ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator hat erklärt, er habe nichts Unrechtes getan. Es gibt noch fünf weitere Angeklagte, in dem Prozess, der im Juli 2025 begann. Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Zeuge ist in Behandlung

Die Kinder waren beim Beobachten des Silvesterfeuerwerks in dem dänischen Ort Gråsten (Gravenstein) in einen Wagen gezerrt und nach Deutschland gebracht worden. Barkay habe dem Team gesagt, es handele sich um eine mit den Behörden abgestimmte Rettungsaktion vor dem bösen Vater, sagte der Zeuge in der Befragung per Video. Man habe ihm vertraut, keine Nachfragen gestellt. Doch am Ende sei es alles ganz anders gewesen. Der mutmaßliche Fahrer berichtete, er sei aufgrund der Geschehnisse in Behandlung.

Nach Angaben des Zeugen erfuhr er erst in Dänemark, welche Aufgabe ihm zugedacht war. Er selbst habe sich dazu vorher keine Gedanken gemacht. Für ihn sei aber klar gewesen, dass er dem Jungen und dem Mädchen nie etwas Schlimmes angetan hätte, betonte der Zeuge. Er habe selbst ein Kind. «Ich bin ein sehr guter Vater.» Er habe sich nur auf das Fahren konzentriert und sonst nichts mitbekommen.

«Er kann andere Menschen lesen»

Verteidiger Ingo Bott hielt dem Zeugen dessen Aussage bei der Polizei vor. Dort habe der 42-Jährige gesagt, nach seiner Überzeugung habe Barkay gezielt «einfache Leute» ausgesucht, die leicht zu täuschen seien. «Er kann andere Menschen lesen», sagte der Zeuge über den 69-Jährigen, der nach eigenen Angaben für den Geheimdienst tätig war. Während der Rückholaktion dachte der Zeuge laut eigener Aussage: «Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation.»

Laut Worten des Zeugen war er überrascht, dass die Kinder im Dunkeln durch einen Wald laufen sollten. Da habe er verstanden, «dass etwas schiefläuft». Er sei erst einmal nach Hamburg zurückgekehrt, sagte der Zeuge, der seinen Angaben zufolge in Israel Projektmanager ist. Der Zeuge berichtete weiter, er habe in Hamburg zu seiner Überraschung erfahren, dass die Kinder erst einmal nach Süddeutschland gebracht worden seien und er auch dorthin fahren solle.

Zeuge: Christina Block schön «wie eine Prinzessin»

Auch Christina Block reiste zu diesem Bauernhof - nach ihrer Aussage hörte sie erst Neujahr 2024 von den mutmaßlichen Kidnappern, was geschehen war. «Sie war voller Emotionen», sagte der Zeuge. Bei der Begegnung in Baden-Württemberg habe er zu Christina Block gesagt, sie sei so wunderschön «wie eine Prinzessin».

Der 42-Jährige und weitere Beschuldigte aus Israel hatten sich mitten im laufenden Prozess gemeldet. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.

Gab es ein Treffen mit Block vor der Tat?

Christina Block hatte vor Gericht ausgesagt, sie habe vorher nichts von den Tatplänen gewusst. Alle mutmaßlichen Entführer, die bisher ausgesagt haben, hatten jedoch von einem Treffen mit ihr kurz vor der Aktion berichtet. Sie habe in einem Konferenzraum des zur Block-Gruppe gehörenden Hotels Grand Elysée zu den maskierten Männern gesprochen. Auch der aktuelle Zeuge erwähnt einen solchen Termin, der laut seiner Aussage am 30. Dezember stattgefunden haben soll.

«Sie hat gesagt: Nur ihr Israelis könnt meine Kinder zurückbringen», sagte er auf die Bitte der Nebenklage, ihre Worte noch einmal ganz genau zu wiederholen. Block habe sich zudem bedankt und ein paar Gegenstände übergeben, die die Kinder an ihr früheres Leben bei der Mutter in Hamburg erinnern sollten. 

Blocks Verteidigung erklärte erneut, dass es ein solches Treffen nie gegeben habe. Anwalt Bott monierte, es gebe Widersprüche, weil die Israelis alle ein anderes Datum oder eine andere Tageszeit genannt hätten. Er bohrte beim Zeugen nach: Wer soll denn an dem Tag neben Ihnen gesessen haben? Wie weit stand Frau Block von Ihnen entfernt? Welche Farbe hatte die Decke, die Frau Block angeblich übergeben haben soll? An diese Einzelheiten könne er sich nicht erinnern, erwiderte der Zeuge.

Unterschiedliche Bewertung der Zeugenaussage

Nach Abschluss der Vernehmung bezeichnete der Nebenklagevertreter die Aussage des 42-Jährigen als glaubhaft. Das sahen mehrere Verteidiger anders. Sie betonten, dass die Aussagen der Israelis nicht zusammenpassten. Verdeutlicht habe die jüngste Zeugenaussage auch, dass der Vorwurf, es habe monatelange Planungen der Angeklagten mit Barkay gegeben, nicht stimme. Der mutmaßliche Chef der Kidnapper habe erst am 31. Dezember 2023 spontan entschieden, die Kinder zu holen - weil er erst in diesem Moment erfahren habe, dass sie das Feuerwerk am Hafen schauen werden.

Der Prozess wird am 8. Juli fortgesetzt.

Prozess (Gericht) / Leute / Kriminalität / Gesellschaft / Hamburg / Deutschland / David Barkay
30.06.2026 · 16:40 Uhr
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