Munich Re schlägt Alarm: Mittelgroße Katastrophen treiben Schäden auf Rekordniveau

Preise unter Druck trotz Rekordkapital
Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück mussten bei den Vertragserneuerungen seit Anfang 2026 durchschnittlich fünf Prozent weniger Prämien durchsetzen, wenn man Inflation und Risikoveränderungen berücksichtigt. Die Ratingagentur Standard & Poor's rechnet für 2027 mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. 86 Prozent der befragten Erstversicherer erwarten laut Moody's weiter fallende Preise – in der Schadenversicherung für Wohngebäude, Industrie und Autos sogar Abschläge von über 7,5 Prozent.
Das Kapitalangebot ist riesig. Ende März 2026 belief sich das Rückversicherungskapital auf fast 650 Milliarden Dollar, zusammen mit alternativen Kapitalquellen auf insgesamt 790 Milliarden Dollar. Dieses Überangebot verändert die Verhandlungsposition zugunsten der Erstversicherer, während Munich Re und Hannover Rück dennoch mit Rekordgewinnen rechnen.
Mittelgroße Ereignisse als neue Bedrohung
Der Münchner Rückversicherer warnt vor einer Verschiebung der Schadentreiber. Nicht mehr nur Großereignisse wie Hurrikans oder Erdbeben bestimmen die Bilanz, sondern zunehmend Hagel, Feuer und Hitzewellen. Diese mittelgroßen Ereignisse haben 2025 insgesamt 104 Milliarden US-Dollar an Schäden verursacht – ein Niveau, das früher nur bei Großkatastrophen erreicht wurde.
Die Waldbrände in Kalifornien Anfang 2025 richteten volkswirtschaftliche Schäden von etwa 54 Milliarden Dollar an, davon 40 Milliarden Dollar versichert. In Europa nahmen Brände bei Bordeaux, Marseille, Madrid und Sizilien zu, blieben aber dank ihrer Lage in ländlichen Gebieten versicherungstechnisch überschaubar.
Hitze als systemisches Risiko
Munich Re hebt hervor, dass Hitzewellen zunehmend Menschenleben fordern und gleichzeitig Infrastruktur, Lieferketten, Landwirtschaft und Gesundheitswesen beeinträchtigen. Die Kausalität bei Hitzeschäden sei nicht immer einfach nachzuweisen, doch die ökonomischen Auswirkungen wachsen sichtbar. Was früher als Wetterphänomen galt, wird zunehmend zum betriebswirtschaftlichen Risiko.
Cyberrisiken als Wachstumsmarkt
Parallel zu den Naturgefahren wächst die Bedrohung durch Cyberangriffe. 89 Prozent der Unternehmen sehen sich laut Munich Re nicht ausreichend geschützt. Die ökonomischen Schäden durch Cyberkriminalität bewegen sich im Billionen-Dollar-Bereich, versichert sind jedoch nur 16 bis 17 Milliarden Dollar. Der Münchner Konzern sieht hier weiterhin erhebliche Geschäftschancen.
Der jüngste Angriff auf die Berliner Verwaltung, bei dem Rhysida 1,44 Millionen Dateien mit 5,8 Terabyte erbeutete und zwei Millionen Euro Lösegeld forderte, unterstreicht die Realität der Bedrohung. Der Senat zahlte nicht, die Ermittlungen laufen.

