Munich Re-Aktie nach schwachem Schlussquartal auf Talfahrt

Wie der Rückversicherer mitteilte, sollen die Aktionäre eine Dividende von 9,80 Euro bekommen nach 9,25 Euro im Vorjahr. Für das laufende Jahr sieht sich der DAX-Konzern auf einem guten Weg, das Ziel von 2,8 Milliarden Euro Gewinn zu erreichen.

Der Gewinn nach Steuern stieg 2019 auf 2,7 von 2,27 Milliarden Euro, wobei der Konzern unter anderem von einem hohen Kapitalanlageergebnis profitierte. Das Unternehmen selbst hatte sich "mehr als" 2,5 Milliarden Euro vorgenommen, die Analysten hatten im Factset-Konsens 2,77 Milliarden prognostiziert. Im vierten Quartal sank der Gewinn wegen hoher Schäden deutlich auf 217 von 238 Millionen Euro. Nach Anteilen Dritter verdiente Munich Re im Schlussquartal 216 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie lag bei 1,52 Euro.

Der größte Einzelschaden war der Taifun "Hagibis", der im Oktober in Japan wütete, mit einer Belastung von rund 780 Millionen Euro. Ohnehin war 2019 von hohen Schäden geprägt, dazu zählt etwa der Hurrikan "Dorian" mit einer Belastung von 360 Millionen Euro und der Taifun "Faixi" mit rund 530 Millionen Euro.

Die Gesamtbelastung aus Großschäden betrug im Gesamtjahr 3,124 Milliarden Euro nach 2,152 Milliarden Euro, im vierten Quartal waren es 1,46 Milliarden nach 886 Millionen Euro. Die Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich im Gesamtjahr auf 101,0 von 99,4 Prozent und im Quartal auf 112,5 von 105,1 Prozent. Analysten hatten im Factset-Konsens mit deutlich besseren Quoten gerechnet.

Die Kennziffer setzt Aufwendungen für Versicherungsbetrieb und -leistungen ins Verhältnis zum Prämienaufkommen. Je niedriger die Quote, desto profitabler arbeitet eine Versicherung.

Munich Re erzielt Preisanstieg in der Januar-Erneuerung

Die Munich Re hat bei der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar einen Preis- und Volumenanstieg erzielt. Das gezeichnete Geschäftsvolumen stieg um 4,4 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Für das Portfolio des Rückversicherers stieg das Preisniveau um 1,2 Prozent.

Die Preise haben sich in den verschiedenen Märkten abhängig von dem jeweiligen Schadensaufkommen sehr unterschiedlich entwickelt. In Regionen und Sparten mit hohen Schäden wie in der Karibik oder in der Luft- und Raumfahrt stiegen die Preise teils deutlich, in Europa und Asien außerhalb Japans blieben sie weitgehend stabil. In den USA hat der Konzern Geschäft aufgegeben, das nicht den Preiserwartungen entsprach.

Zu Jahresbeginn stand bei Munich Re rund die Hälfte des Schaden-Unfall-Rückversicherungsgeschäfts zur Erneuerung an.

Der Konzern rechnet mit einer Verbesserung des Marktumfelds bei den Erneuerungsrunden im April und Juli. Dann stehen nämlich Verträge aus Regionen zur Erneuerung an, die von hohen Schäden geprägt waren, wie zum Beispiel Japan mit zwei verheerenden Taifunen im vergangenen Jahr.

Auch Konkurrent Swiss Re hatte in seiner Berichterstattung von einer "positiven Preisdynamik" in der Erneuerung gesprochen. Die Preise sind ein Dauerthema in der Branche. Sie waren in den vergangenen Jahren wegen des Überangebots an Kapital stark unter Druck.

Munich Re-Aktien fallen wegen schwachem Schlussquartal und Virus-Sorgen

Der Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt hat am Freitag vor den für gewöhnlich als defensiv eingeschätzten Papieren der Munich Re nicht Halt gemacht.

Im frühen Handel fielen die Anteile wie ein Stein um zeitweise mehr als 9 Prozent. Anschließend pendelten sie sich im Bereich von minus 4 bis minus 6 Prozent ein und kosteten zum XETRA-Handelsschluss mit einem Abschlag von 5,68 Prozent noch 230,70 Euro. Der deutsche Leitindex DAX rutschte im Zuge der Coronavirus-Sorgen ebenfalls deutlich ab. In dieser Woche haben die Munich-Re-Aktien bislang mehr als 15 Prozent eingebüßt.

Dem Münchner Rückversicherer gelang 2019 zwar ein Gewinnsprung, jedoch verfehlte er die noch optimistischeren Erwartungen von Analysten. RBC-Analyst Kamran Hossain bezeichnete das Schlussquartal als schwach, es könnte die Konzernziele für 2020 noch unsicherer machen. Sehr hohe Großschäden hätten dazu geführt, dass der Konzern die Erwartungen an das Quartal verfehlt habe.

Munich Re hat keine Angst vorm Virus

Der Rückversicherer Munich Re sieht seine Gewinnpläne durch das neuartige Coronavirus und die Turbulenzen an den Aktienmärkten vorerst nicht gefährdet. Er erwarte durch das Virus aus heutiger Sicht keine hohen Gewinn-Belastungen, sagte Finanzvorstand Christoph Jurecka am Freitag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Sollten die Aktienmärkte nach dem jüngsten Absturz auf dem jetzigen Niveau bleiben, berühre dies das Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro für 2020 ebenfalls nicht.

Das vierte Quartal des Rückversicherers sei auf bereinigter Basis enttäuschend verlaufen, schrieb Analyst Jonny Urwin von der schweizerischen Großbank UBS. Der Ausblick auf 2020 sei wie erwartet, aber nicht gerade berauschend.

Je stärker sich die Viruswelle ausweite, desto stärker wäre auch die Munich Re betroffen, sagte Finanzchef Jurecka. Sollte die vom Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 zu einer Vielzahl von Toten führen, würde dies die Lebens-Rückversicherung treffen, erläuterte Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek. Bevor dies für die Munich Re zu einem materiellen Großschaden werde, müsse es jedoch "weltweit hunderttausende Tote geben". Damit rechne er nicht.

Zu einer Belastung könnte für den Rückversicherer die Absage von Großveranstaltungen werden. So untersagte die Schweiz am Freitag vorerst alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen. Betroffen davon ist der Genfer Autosalon, der am 5. März starten sollte und jetzt abgesagt wurde. Sonst kommen jedes Jahr mehr als 600.000 Besucher zu der Veranstaltung. Jurecka wollte jedoch nicht sagen, ob und wie die Munich Re davon betroffen ist.

Jeworrek zufolge haben gestrichene Veranstaltungen infolge der Epidemie in Asien bisher jeweils einstellige Millionen-Schäden verursacht. Allerdings stehen in diesem Jahr noch die Olympischen Spiele in Tokio an. Eine Absage der Spiele würde laut Jeworrek auch die Munich Re treffen. Allerdings wollte er mit Verweis auf eine Verschwiegenheitspflicht nicht sagen, ob die Versicherungspolice auch eine mögliche Absage der Spiele aufgrund einer Epidemie oder Pandemie abdeckt.

Dow Jones Newswires und dpa-AFX

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[finanzen.net] · 28.02.2020 · 18:03 Uhr
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