Mögliche IS-Terroristen nach Rückholaktion in U-Haft

Extremismus
Foto: Baderkhan Ahmad/AP/dpa
Frauen gehen durch das Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens.
Nach einer Rückholaktion aus Syrien klicken am Frankfurter Flughafen die Handschellen. Ein junger Mann und zwei Frauen sollen sich der Terrororganisation IS angeschlossen haben.

Berlin (dpa) - Drei mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) sind auf Antrag der Bundesanwaltschaft in Untersuchungshaft gekommen. Ein Mann soll laut Mitteilung vom Donnerstag seit seinem 14. Lebensjahr an Kampfhandlungen des IS teilgenommen und später in einer Einrichtung zur Deradikalisierung eine Gruppe Jugendlicher angeführt haben, die Mitinsassen und vermeintlich Ungläubige unter anderem mit körperlicher Gewalt drangsaliert habe.

Seine Mutter habe den damals Elfjährigen im Juni 2013 mit nach Syrien genommen, sich mit ihrem Lebensgefährten dem IS angeschlossen und das Kind im Sinne der IS-Ideologie aufgezogen.

Einer Frau wirft die Bundesanwaltschaft unter anderem vor, für ein IS-Frauenbataillon Fahrdienste geleistet und Sprengstoffgürtel hergestellt zu haben. Im Herbst 2016 hätten IS-Mitglieder Kämpfer für einen Terroranschlag auf ein deutsches Musikfestival rekrutieren und einschleusen wollen. «Hierzu kam es letztlich nicht», teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Die Beschuldigte habe aber vor dem Abbruch der Operation zwei «Glaubensschwestern» ausgesucht, die Attentäter in der Bundesrepublik hätten heiraten und beherbergen sollen, um ihnen bis zu dem Anschlag ein unauffälliges Leben zu ermöglichen.

Eine weitere Verhaftete soll von Syrien aus versucht haben, andere Frauen in Deutschland zur Ausreise zum IS zu bewegen. Zeitweilig habe sie ein Schnellfeuergewehr und eine Schrotflinte besessen. Nachdem sich die Frau 2019 ergeben hatte und in einem kurdischen Lager untergebracht worden war, habe sie dort eine andere Insassin angefeuert, als diese eine vermeintlich «Abtrünnige» misshandelte.

Rückholaktionen der Bundesregierung wohl abgeschlossen

Die drei Deutschen waren am Mittwochabend im Zuge einer Rückholaktion der Bundesregierung aus dem Gefangenenlager Roj in Nordostsyrien nach Frankfurt am Main geflogen worden. Noch am Flughafen nahmen Beamte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes die Beschuldigten fest.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass insgesamt vier Frauen, sieben Kinder und ein junger Mann zurückgeholt worden seien. Nach Angaben Baerbocks wurden mit der neuen Aktion nun fast alle bekannten Fälle abgeschlossen. In sechs Rückholungen seien insgesamt 26 Frauen, 76 Kinder und ein Heranwachsender aus Nordostsyrien nach Deutschland gebracht worden. Die Außenministerin zeigte sich erleichtert, dass die Kinder nach Deutschland zurückkehren können. Sie treffe keine Schuld für die «fatalen Lebensentscheidungen ihrer Eltern». Sie seien Opfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Rückholungen von Kindern sind laut Auswärtigem Amt nur mit Zustimmung und gleichzeitiger Rückholung der Mütter möglich. Derzeit gebe es nur noch einen Fall, in dem die Zustimmung vorliege, die Rückholung bisher aber nicht umgesetzt werden konnte. In weiteren Fällen wollten die Mütter derzeit keine Rückholung.

Politik / Konflikte / Extremismus / IS / Islamismus / Deutschland / Syrien
06.10.2022 · 15:23 Uhr
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