Microsoft experimentiert erfolgreich mit einer Brennstoffzelle als Notstromreserve

Bei Einrichtungen der kritischen Infrastruktur kann sich nicht auf die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Stromnetzes verlassen werden. Deshalb gibt es dort immer noch eine autarke Notstromversorgung. Bisher werden dafür zumeist mit Diesel betriebene Stromgeneratoren genutzt. Diese haben zwar nicht die beste Umwelt- und Klimabilanz, springen dafür aber im Ernstfall schnell und zuverlässig ein. Auch Microsoft setzt bisher auf Diesel, um bei einem Stromausfall die firmeneigenen Rechenzentren weiter betreiben zu können. Zukünftig könnte dies aber zum Problem werden. Denn der Konzern hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2030 vollständig auf den Einsatz von fossilen Energieträgern zu verzichten. Dies gilt auch für die Notstromversorgung. In Latham im US-Bundesstaat New York wurde daher nun eine klimaneutrale Alternative erprobt: Brennstoffzellen wandelten dort vor Ort Wasserstoff in Strom um und sorgten so für die gewünschte autarke Notstromversorgung.

Bild: John Brecher / Microsoft

100 Tonnen Wasserstoff reichen für 48 Stunden autarken Betrieb

Das dafür notwendige System wurde von der Firma Plug entwickelt. Im Prinzip handelt es sich um achtzehn Brennstoffzellen mit Protonenaustauschmembran, die in zwei Schiffscontainern verbaut wurden. Bei dem unter durchaus realen Bedingungen durchgeführten Test zeigte sich nun, dass auf diese Weise tatsächlich die nötige Strommenge von drei Megawatt erreicht werden kann. Dies stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber dem vorherigen Test dar: Im Jahr 2020 konnte lediglich eine Leistung von 250 Kilowatt erreicht werden. Nun aber ist sich Microsoft sicher, im Ernstfall tatsächlich auf Wasserstoff und Brennstoffzelle setzen zu können. Allerdings werden durchaus gewaltige Mengen des wertvollen Gases benötigt. So geht das Unternehmen davon aus, dass rund 100 Tonnen Wasserstoff verarbeitet werden müssen, um das komplette Rechenzentrum für 48 Stunden mit Strom zu versorgen. Hier kommt nun die Frage nach der Herkunft des Gases ins Spiel.

Klimaneutral ist die Lösung nur bei Nutzung von grünem Wasserstoff

Denn wirklich klimaneutral sind Brennstoffzellen nur, wenn sie mit sogenanntem grünen Wasserstoff betrieben werden. Konkret bedeutet dies, dass Ökostrom genutzt wurde, um Wasser in einem Elektrolyseur in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Bei dem nun durchgeführten Test wurde allerdings noch Wasserstoff verwendet, der als industrielles Nebenprodukt bei der Produktion von Chlor und Natriumhydroxid anfällt. Hintergrund dürfte auch sein, dass aktuell die Nachfrage nach grünem Wasserstoff das Angebot deutlich übersteigt. Zukünftig will Microsoft aber tatsächlich ausschließlich auf die reine Ökostrom-Variante setzen. Sollte die Technologie sich dann bei Einsätzen in Rechenzentren und ähnlichen Einrichtungen bewähren, könnte sie irgendwann auch bei anderen kritischen Infrastruktureinrichtungen zum Einsatz kommen. Ein klassisches Beispiel wären etwa Krankenhäuser. Und auch teure Hotels in Ländern mit unsicherer öffentlicher Stromversorgung könnten so ihre Klimabilanz verbessern und den Dieselgenerator ersetzen.

Via: Microsoft

Energie / Brennstoffzellen
09.08.2022 · 08:58 Uhr
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