Merkel wirbt für längeren Lockdown

21. Januar 2021, 18:12 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat trotz sinkender Corona-Zahlen eindringlich für den längeren Lockdown bis in den Februar geworben und vor andernfalls drohenden Rückschlägen gewarnt. Es sei «sehr ermutigend», dass sich die aktuelle Lage zu entspannen beginne, sagte sie in Berlin.

Man dürfe aber nicht warten, bis sich eine neue, wohl ansteckendere Virus-Variante ausbreite und in den täglichen Zahlen niederschlage. «Dann wäre es zu spät, um eine dritte Welle der Pandemie und gegebenenfalls eine noch heftigere als jemals zuvor zu verhindern.» Merkel sicherte erneut zu, die Impfungen in Deutschland möglichst schnell voranzubringen.

Im Zuge der verstärkten Suche nach den neuen Virus-Mutanten hat es in Deutschland inzwischen weitere Treffer gegeben. Dem Robert Koch-Institut wurden bislang (Stand 21.1., 0.00 Uhr) 28 Nachweise der Variante B.1.1.7 aus sieben Bundesländern gemeldet, wie eine Sprecherin mitteilte. Diese Variante war erstmals in Großbritannien aufgetaucht und gilt als besonders infektiös. Für die Variante, die sich zunächst in Südafrika stark verbreitete, waren dem RKI insgesamt 17 Fälle aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bekannt. Die Meldungen können beim RKI aber zeitverzögert ankommen.

Merkel betonte, es seien «gute Nachrichten», dass die täglichen Neuinfektionen und die Belegung der Intensivstationen endlich zurückgingen. «Das zeigt, dass die harten Einschnitte, die die Menschen in Deutschland seit Wochen auf sich nehmen müssen, sich auszuzahlen beginnen», sagte die Kanzlerin. Die Mühe lohne sich. Die Zahl der neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen sank nun auf 119 und damit den niedrigsten Wert seit 1. November, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag bekannt gab. Kurz vor Weihnachten (22.12.) hatte der Höchststand bei 197,6 gelegen. Zwischen den Ländern gibt es aber weiterhin große Unterschiede - von Thüringen mit 225 bis Bremen mit 77. Angestrebt wird ein Niveau von bundesweit weniger als 50.

Zugleich gebe es aber noch «erschreckend hohe Todeszahlen», sagte Merkel. Das mutierte Virus sei in Deutschland noch nicht dominant. «Trotzdem müssen wir diese Gefahr sehr ernst nehmen. Das kann ich jedenfalls uns allen nur raten.» Die Ausbreitung müsse so weit wie möglich verlangsamt werden. Es sei noch etwas Zeit, um vorzubeugen. Daher ziele der längere Lockdown darauf, den Rückgang der Infektionen deutlich zu beschleunigen, bevor sich das mutierte Virus ausbreite. Merkel äußerte Verständnis für Unmut und Frust in der Pandemie, die von allen als Zumutung empfunden werde. Etwa bei Familien, Kultur und Wirtschaft werde «die Geduld auf eine extrem harte Probe gestellt».

Bund und Länder hatten am Dienstag beschlossen, den vorerst bis Ende Januar vorgesehenen Lockdown mit Schließungen vieler Einrichtungen bis 14. Februar zu verlängern. Dazu kommen neue Vorgaben zu besser schützenden Masken in Bussen, Bahnen und Läden sowie fürs Arbeiten von zu Hause. Merkel betonte: «Alles dient dem Ziel, in diesem Jahr die Pandemie in den Griff zu bekommen und schließlich auch zu überwinden.» Unterstützung für Bedürftige zum Kauf von FFP2-Masken ist laut Merkel bisher kein Thema. Sollten die Einschränkungen noch lange anhalten, müsse man «natürlich auch darüber nachdenken, ob wir an der Stelle noch mal helfen müssen». Der Bund finanziert bereits FFP2-Masken für 34 Millionen Menschen aus Corona-Risikogruppen.

Angesichts von Kritik an langsam anlaufenden Impfungen sagte Merkel: «Ich verstehe die Ungeduld.» Wenn alles wie zugesagt erfolge, könne man es schaffen, «bis Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot zu machen», bekräftigte sie mit Blick auf geplante Lieferungen und Zulassungen weiterer Impfstoffe - und der Sommer gehe kalendarisch bis 21. September. Sie betreibe kein Werk für Impfstoffe und könne daher die Produktion selbst nicht garantieren. Die Bundesregierung unterstütze aber etwa den Aufbau eines Werks des Herstellers Biontech in Marburg, das mehr Kapazität schaffe. Merkel betonte die Erwartung, dass für das erste Quartal insgesamt zugesagte Liefermengen trotz Umbauten in einer Abfüllanlage des Biontech-Partners Pfizer kommen.

Merkel wandte sich dagegen, dass es für Geimpfte bereits Ausnahmen von Corona-Beschränkungen geben könnte. «Wir wissen nicht, ob der Geimpfte andere anstecken kann. So lange stellt sich die Frage von Privilegien überhaupt nicht.» Mit Blick auf mögliche Lockerungen sagte sie, man könne bei einem Niveau von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nicht wieder alles aufmachen. «Eine Priorität für mich ist ganz klar, dass zuerst Kitas und Schulen wieder geöffnet werden müssen.» Sie stünden auf Rang eins, das sei völlig unstrittig.

Aus der Opposition kam Kritik. FDP-Chef Christian Lindner warf Merkel vor, die Bürger weiter im Unklaren über eine «Langfriststrategie» zu lassen. Sie setze «auf das Prinzip Vorsorge, ohne eine ausreichende Datengrundlage insbesondere über die Corona-Mutationen zu haben», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung». AfD-Fraktionschefin Alice Weidel kritisierte: «Lockdown-Verlängerungen in Serie und ohne Aussicht auf ein Ende haben die Geduld der Bürger erschöpft.» es brauche sei eine «realistische und verlässliche Exit-Strategie». Nötig seien auch freiwillige Impfmöglichkeiten für alle Impfbereiten und Schutz für besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen.

Krankheiten / Gesundheit / Corona / Lockdown / Angela Merkel / Dritte Welle / Deutschland
21.01.2021 · 18:12 Uhr
[17 Kommentare]
Luigi Pantisano (Archiv)
Berlin - Der Kandidat für den Vorsitz der Linken beim bevorstehenden Parteitag in Potsdam, Luigi Pantisano, ist bereit, nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit der CDU zu kooperieren, wenn nur so eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindert werden kann. "Natürlich muss unser wichtigstes Ziel sein, zu verhindern, dass Faschisten in Sachsen-Anhalt in […] (00)
vor 3 Minuten
Zara McDermott
(BANG) - Zara McDermott kämpft derzeit mit erheblichen Schlafproblemen. Die TV-Moderatorin verriet in einem YouTube-Video, dass ihr Schlaf in den vergangenen Wochen "mehr als schrecklich" gewesen sei. Besonders die beruflich bedingte Trennung von ihrem Freund Louis Tomlinson mache ihr zu schaffen. Innerhalb eines Monats habe die 29-Jährige drei […] (00)
vor 12 Stunden
Eine Frau hört Musik
Berlin (dpa/tmn) - Menschengemacht oder KI-generiert? Diese Frage stellt sich längst auch bei Musik. Denn mit Generatoren wie Suno oder Udio gibt es KI-Lösungen, die Songs und ganze Alben vollsynthetisch produzieren - und das so «gut», dass es für viele Menschen schwer oder gar nicht zu erkennen ist. Deshalb setzen viele Streaminganbieter schon auf eine […] (00)
vor 1 Stunde
GTA 5 bekommt plötzlich ein kostenloses Upgrade – Rockstar überrascht Fans
Die ganze Welt wartet gefühlt auf den dritten Trailer samt Preis- und Editionen-Ankündigungen von GTA 6, dann macht Rockstar Games macht einen überraschenden Schritt. Die Upgrades von Grand Theft Auto V (GTA 5) auf PlayStation 5 und Xbox Series X/S werden ab dem 18. Juni 2026 kostenlos. Wer bereits die PS4-Version oder die digitale Xbox-One-Version […] (00)
vor 10 Stunden
Netflix macht aus Erfolgs-Podcast eine True-Crime-Dokuserie
Mit «Criminopatía» adaptiert Netflix eines der erfolgreichsten spanischen True-Crime-Formate und schickt dessen Schöpferin Clara Tiscar vor die Kamera. Netflix hat den Produktionsstart der neuen Dokumentarserie Criminopatía bekanntgegeben. Die Reihe basiert auf dem gleichnamigen Podcast von Clara Tiscar, der sich in Spanien zu einem der erfolgreichsten Formate des True-Crime-Genres entwickelt […] (00)
vor 6 Stunden
WM 2026 - England - Kroatien
Dallas (dpa) - Mit einer herausragenden Leistung beim Auftaktsieg gegen Kroatien schürt Harry Kane die englische Hoffnung auf den zweiten WM-Titel. Der Stürmerstar vom FC Bayern München war beim 4: 2 (2: 2) der überragende Mann und traf zweimal. «Wir haben einfach das gemacht, was wir machen müssen, um ein Spiel zu gewinnen», sagte Kane. «Wir sind […] (00)
vor 22 Minuten
woman, crypto, bitcoin, digital, currency, coin, blockchain, happy, success, business
Michael Saylor, Executive Chairman von Strategy, betont, dass das Hauptziel seines Unternehmens darin besteht, Finanzprodukte zu schaffen, die durch Bitcoin (BTC) abgesichert sind. Dieses Geschäftsmodell vergleicht er mit einer Reservebank. Laut Saylor sollte die nächste Entwicklungsphase von Bitcoin darin bestehen, einen mehrschichtigen Kapitalmarkt […] (00)
vor 1 Stunde
Ein Fahrzeug, viele Möglichkeiten
Vogelsbergkreis, 17.06.2026 (lifePR) - „Wir gehen neue Wege im Vogelsbergkreis: Denn zusammen mit Grebenhain, Alsfeld, Lauterbach und Homberg stellen wir eine wichtige Säule im Brand- und Katastrophenschutz zukunftsfähig auf“, sagt Landrat und Gefahrenabwehrdezernent Dr. Jens Mischak. Gemeinsam mit Kreisbrandinspektor Marcell Büttner und Kreisbrandmeister Tony Michelis stellt er am Standort der […] (00)
vor 11 Stunden
 
Interessierte schauen auf der Straße die Fußball -WM
Mexico City - Kolumbien hat sich zum Auftakt in WM-Gruppe K mit 3: 1 gegen Usbekistan […] (00)
Bundeswehr-Soldat mit G36 (Archiv)
Berlin - EVP-Chef Manfred Weber fordert angesichts möglicher US-Truppenabzüge eine […] (01)
Deutsches Kriegsschiff (Archiv)
Berlin - Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rechnet damit, dass der […] (00)
Nahostkonflikt - Libanon
Teheran/Washington/Riad/Tel Aviv (dpa) - Der Wortlaut des Rahmenabkommens zwischen […] (01)
Kein iPhone 18 im September: Apple plant offenbar geteilten Produktlaunch
Apple-Fans müssen sich in diesem Herbst wohl umstellen. Laut aktuellen Informationen aus der […] (00)
Beispielloses Interesse der Anleger Der jüngste Anstieg der Handelsaktivitäten rund […] (00)
WM 2026 - Portugal - DR Kongo
Houston (dpa) - Superstar Cristiano Ronaldo stemmte erst fassungslos die Hände in die […] (03)
Michael J. Fox
(BANG) - Michael J. Fox wurde für eine Hauptrolle im Animationsfilm 'Dragoons' […] (00)
 
 
Suchbegriff