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«Men in Black: International» - Beim vierten Mal ist die Luft raus

Sieben Jahre nach dem letzten Men in Black-Film startet Regisseur F. Gary Gray die Reihe mit zwei neuen Hauptdarstellern quasi neu – aber so richtig aus dem Quark kommt er dabei nicht.

Als 2012 der dritte Teil der Men in Black-Reihe erschien und in den USA nicht einmal seine Produktionskosten wieder einspielte, brauchte es schon die Einnahmen aus sämtlichen Ländern der Welt, um den Alien-Actioner nicht wie einen Flop aussehen zu lassen. Die Pläne für einen vierten Teil wurden – auch aufgrund des Ausstiegs von Will Smith und Tommy Lee Jones – erst einmal ad acta gelegt, eh im Zuge des fast kultigen Erfolgs von 22 Jump Street plötzlich ein Cross-Over dieser beiden so unterschiedlichen Reihen in der Luft lag. Doch die allen voran von Jump Street-Hauptdarsteller und Autor Jonah Hill vorangetriebenen Pläne wurden aufgrund von Rechteproblemen im Sommer 2016 endgültig zu den Akten gelegt; und das, obwohl man mit Muppets Most Wanted-Regisseur James Bobin sogar schon diese Position so gut wie besetzt hatte.

Doch in Hollywood legt man ein potenziell immer noch erfolgversprechendes Franchise natürlich nicht einfach zu den Akten. Und so erlaubt sich Regisseur F. Gary Gray (Fast & Furious 8) mit Men in Black: International eine Art Neustart. Zumindest stehen fortan nicht mehr Kay und Jay im Mittelpunkt, wie in den drei Filmen zuvor, sondern die Agents H und M. Die Zutaten für ihre erste gemeinsame Mission im Auftrag der Men in Black sind dann aber doch ziemlich identisch zu den bisherigen – und das ist nicht unbedingt positiv zu verstehen.

Neuzugänge im MiB-Universum

Schon seit frühester Kindheit weiß Molly (Tessa Thompson) um die Existenz der Men in Black. Irgendwann bat sie schließlich selbst um Rekrutierung und fand bei der resoluten Agent O (Emma Thompson) Gehör. Mittlerweile nennt sie sich nur noch Agent M und steht sie an der Seite des arroganten Agent H (Chris Hemsworth) vor ihrem ersten großen Auftrag: In der britischen Hauptstadt London soll sie Vungus, den Angehörigen eines außerirdischen Königshauses, beschützen. Doch kurz nach seiner Ankunft auf der Erde wird er das Opfer einer tödlichen Attacke. Gemeinsam mit dem Alien Pawny (Kumail Nanjiani) setzen die Agents M und H alles daran, Vungus‘ Mörder zu finden und eine gefährliche Waffe in Sicherheit zu bringen, die dieser M kurz vor seinem Tod überlassen hatte. Doch je näher die drei des Rätsels Lösung kommen, desto gefährlicher wird es, denn offenbar gibt es einen Maulwurf unter den Men In Black, der die Geheiminformationen direkt an die Gegenseite weitergibt…

Der erste der drei bisherigen Men in Black-Filme bringt es mittlerweile auf stattliche 22 Jahre. Und an diesem Film orientiert sich F. Gary Gray vor allem bei der Kreation der Filmwelt. Das Alleinstellungsmerkmal einer von allerlei Aliens und außermenschlichen Lebensformen bevölkerten Parallelgesellschaft, von der man nur als Mitglied der MiB Notiz nimmt, behält das Autorenteam rund um Matt Holloway und Art Marcum (schrieben zusammen auch die Skripte zu Iron Man und Transformers: The Last Knight) bei, während Gray und sein Kameramann Stuart Dryburgh (Ben is Back) für die entsprechende Bebilderung sorgen. Das Creaturedesign sowie die durch CGI zum Leben erweckten Aliens und Monster sehen gut aus. Ein einzelner Kameraschwenk über die MiB-Version der London Underground oder durch das Men-in-Black-Hauptquartier offenbaren jede Menge Kreativität im Detail.

Von schleimigen über geflügelte bis hin zu mehräugigen Außerirdischen ist alles dabei; Die Designer scheinen sich hier frei Schnauze ausgetobt haben zu dürfen. Leider trifft das längst nicht auf jeden Computereffekt zu, denn gerade wenn es in der letzten halben Stunde wieder einmal auf einen altbewährten Kampf zwischen Gut und Böse hinzusteuert, verkauft sich Men in Black: International als einfallsloses CGI-Gewitter mit obligatorischem Laser-Tunnel (Ghostbusters und Poltergeist lassen grüßen!) weit unter Wert.

Zu viel Bekanntes, keine neuen Impulse

Optisch kommt Men in Black: International der Atmosphäre der bisherigen MiB-Filme – mit Abstrichen – also schon mal recht nah. Doch wie sieht es mit den beiden neuen Hauptfiguren aus? Nachdem sich Tommy Lee Jones und Will Smith früh von dem „Projekt Teil vier“ distanzierten, ist es nun ein gemischtgeschlechtliches Doppel, das im Auftrag von Szenendiebin Emma Thompson (Kindeswohl) alias Agent O auf Alienjagd geht. Auch wenn die unbedarfte aber resolute Agent M und der maßlos von sich selbst überzeugte Agent H so konsequent auf Gegensätzlichkeiten geschrieben sind, dass sich aus ihrer Interaktion zwangsläufig jede Menge Situationskomik ergeben müsste, fahren die beiden einander aus Thor: Tag der Entscheidung bestens bekannten Hauptdarsteller hier wie mit angezogener Handbremse. Nur vereinzelt blitzt das aus Ghostbusters bekannte Comedytiming Chris Hemsworths hervor; etwa wenn er voller Stolz den vermeintlich viel besseren Organisationsnamen „Men and Women in Black“ präsentiert, anschließend beide Daumen hebt und dabei gar nicht begreift, wie albern er die Situation dadurch gerade macht. Ansonsten ist sein arroganter Agent H aber vor allem genau das: arrogant – und damit nur mäßig sympathisch.

Tessa Thompson hat da leichteres Spiel, wiederholt sie doch im Grunde nur ihre Attitüde aus Thor: Tag der Entscheidung, wo sie aber genau mit dieser Art schon absolut überzeugen konnte. Unter den Nebendarstellern (zu denen der in einer einzigen Szene gezeigte Jerôme Boateng als Handy-Testemonial nicht zählt!) spielen sich vor allem Liam Neeson (Sieben Minuten nach Mitternacht) und Rafe Spall (The Big Short) nach vorne. Leider wird ihren jeweils reichlich doppelbödig angelegten Performances das schnörkellose Skript zum Verhängnis, das jedweden Überraschungsmoment ob etwaiger Maulwürfe innerhalb der MiB von Anfang an zunichtemacht.

Woran die Dynamik und der Unterhaltungswert von Men in Black: International am meisten kranken, ist zweifelsohne das Drehbuch. Gewiss waren schon die bisherigen drei Franchise-Filme nicht das Gelbe vom Innovationsei. Für eineinhalb bis zwei Stunden leichtfüßige Blockbusterunterhaltung taugte allerdings jeder einzelne von ihnen. MiB: International wird nun zum Verhängnis, dass Matt Holloway und Art Marcum offenbar gern eine Art „Best of“ dessen präsentiert hätten, was schon an den bisherigen Teilen so gut angekommen ist – oder seien wir einmal ehrlich: was bei so ziemlich jedem Multimillionen-Popcormfilm gut ankommt. Also präsentieren sie Verfolgungsjagden, Schießereien, lassen ihre Figuren zwischendrin immer mal wieder freche Oneliner von sich geben, bevor sie auf der Zielgeraden dann auch noch hinter die Existenz des Maulwurfs kommen (übrigens deutlich später als der Zuschauer, der die Auflösung des Ganzen mindestens ab der Hälfte des Films locker erraten kann, wenn er zuvor auch nur irgendeinen Film gesehen hat, in dem eine Organisation von innen heraus sabotiert wurde).

Das ist Malen nach Zahlen ohne eigene Impulse. Und obwohl sich gerade aus den temporeichen Szenen immer mal wieder zeigt, dass die Crew vor der Kamera mächtig Spaß gehabt haben muss, will genau diese Begeisterung für die Materie einfach nicht überspringen. Dafür entwickelt sich am Ende alles zu sehr so, wie man es erwartet und Men in Black: International wird zu einem Paradebeispiel dafür, dass manche Filmreihen eben doch mit ihren Hauptfiguren stehen und fallen.

Fazit

Die Zutaten sind da, doch Regisseur F. Gary Gray kocht sie für Men in Black: International nur nochmal neu auf, anstatt sie mit eigenen Ideen abzuschmecken. Das macht den vierten Teil der Alien-Action-Reihe nicht schlecht, aber verzichtbar und vergessenswert – und das ist ja eigentlich noch viel schlimmer.

Men in Black: International ist ab dem 13. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.
Kino / Die Kino-Kritiker
12.06.2019 · 14:00 Uhr
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