Versklavung und Missbrauch

«Meine ganze Kindheit war Gewalt» - Terroristen verurteilt

13. Juli 2026, 11:28 Uhr · Quelle: dpa
Prozess gegen ein irakisches Ehepaar
Foto: Ehsan Monajati/dpa
Im Prozess um die Versklavung zweier jesidischer Mädchen hatte das angeklagte Ehepaar das letzte Wort.
Nach mehr als einem Jahr Prozess um schwere Verbrechen an jesidischen Mädchen hat das Oberlandesgericht München nun ein Urteil gesprochen.

München (dpa) - Immer wieder kämpft die junge Frau mit den Tränen, immer wieder verliert sie diesen Kampf. Sie wirkt aufgewühlt von dem Urteil gegen die beiden Menschen, die - so sieht es das Gericht - ihr und einem weiteren jesidischen Mädchen über Monate Unvorstellbares angetan haben.

Das Oberlandesgericht (OLG) München hat ein irakisches Ehepaar wegen der Versklavung der beiden jesidischen Mädchen und der Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung Islamischer Staat (IS) verurteilt. 

Lebenslange Freiheitsstrafe - und Jugendstrafe

Es verhängt eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen den Mann und eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren gegen die Frau - unter anderem wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern beziehungsweise der Beihilfe dazu. Das Paar ist inzwischen getrennt, die Frau hatte sich zu Beginn des Prozesses ebenfalls als sein Opfer bezeichnet. 

«Es ist kein Mord nötig, um diesen Tatbestand zu verwirklichen», sagt der Vorsitzende Richter über den Straftatbestand des Völkermordes. Er könne auch dann verwirklicht sein, wenn «ein Kind der Gruppe gewaltsam in eine andere Gruppe überführt wird». 

Alles drehe sich um «Geschehen, die sich vor allem in einem Haus aus Lehm am Rande der syrischen Wüste vor acht Jahren» ereigneten, sagt der Vorsitzende Richter. 

Was geschah in diesem «Haus aus Lehm»?

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten zwei jesidische Mädchen im Irak als Sklavinnen kauften, ausbeuteten und dass der Mann, der als Friseur in der bayerischen Hauptstadt arbeitete, bevor er sich in einer Münchner Moschee radikalisiert haben soll, die Kinder in diesem Haus aus Lehm sexuell missbrauchte. 

Die Ältere der beiden war erst zwölf Jahre alt, als ihr Martyrium im Irak begann. Nachdem ihre Familie sie vom IS freikaufen konnte, lebte sie jahrelang in einem Flüchtlingslager im Nordirak. Sie tritt als Nebenklägerin auf, hatte vor Gericht geschildert, was ihr geschehen ist: «Wir Jesidinnen waren die Sklavinnen, selbst Hunde hatten einen höheren Stellenwert als wir.» Sie sei während dieser Zeit «absichtlich mit heißem Wasser verbrüht» worden, «psychisch gequält, beschimpft und beleidigt», wie der Vorsitzende Richter sagt. 

«Kaufe sie, sie ist noch nicht vergewaltigt worden»

«Bevor er mich gekauft hat, hat er mich angeschaut», sagte sie in ihrer Aussage. Er habe ihren Schleier abgenommen und ihr Haar betrachtet. «Er und seine IS-Freunde verspotteten mich und sagten: Kaufe sie, sie ist noch nicht vergewaltigt worden.» Damals war sie noch ein Kind: «Meine ganze Kindheit war Gewalt.»

Das Gericht geht davon aus, dass sie auf Vorschlag der Angeklagten in den Haushalt geholt wurde, damit ihr Mann sich keine zweite Ehefrau sucht. «Da schien ihr eine zweite Sklavin das geringere Übel, weil man sie auch wieder verkaufen konnte.»

In dem Haushalt des Ehepaares habe sie Geschirr spülen und putzen müssen - und sei nachts von dem Angeklagten vergewaltigt worden. «Er hat einen Stock geholt und auf meine Fußsohlen eingeschlagen», sagte sie. Und: «Er hat mich dazu gezwungen, mit ihm zu schlafen.» Zuvor habe er das zweite jesidische Mädchen, das er in seiner Gewalt hatte, und das damals höchstens sieben Jahre alt war, ebenfalls vergewaltigt. Dieses Mädchen hatte die Angeklagte sich laut Gericht als sogenannte «Brautgabe», als Hochzeitsgeschenk, gewünscht. 

Einmal habe die Angeklagte sie angezogen und geschminkt, bevor der Mann sie dann fesselte und vergewaltigte - so schilderte es die junge Frau vor Gericht. 

Anklägerin sprach von «monströser Gewalt»

«Die monströse Gewalt liegt so fern jeglicher Menschlichkeit, dass sie unwirklich erscheint», erklärte die Vertreterin des Generalbundesanwalts. Alles habe dem Ziel des IS gedient, den jesidischen Glauben zu vernichten. Die heute 30-jährige Ehefrau, die sich einem Gutachter gegenüber einsichtig und Reue gezeigt («moralisch waren meine Augen zu»), hatte sich im Prozess entschuldigt und in ihrem letzten Wort gesagt: «Es tut mir leid». Ihr Ehemann äußerte sich nicht. 

Im August 2014 führte der IS einen Angriff auf das Siedlungsgebiet der Glaubensgemeinschaft der Jesiden im Umkreis des im Nordwesten des Iraks gelegenen Sindschar-Gebirges durch. Er hatte zum Ziel, die jesidische Religion zu vernichten, indem ihre Angehörigen zwangskonvertiert, religiös umerzogen, verschleppt, versklavt, Frauen und Mädchen vergewaltigt und Männer, die nicht konvertieren wollten, hingerichtet wurden.

Nach dem Auslaufen der UN-Mission Unitad teilte das Auswärtige Amt damals mit: «Insbesondere Verbrechen gegen Minderheiten wie die jesidische Gemeinschaft in Irak konnten so dokumentiert werden.» Und weiter: «Dank der Arbeit des Unitad-Teams konnten 68 Massengräber identifiziert und exhumiert werden.»

Er hoffe, «dass dieser Strafprozess zur historischen Aufarbeitung» beitrage, sagte der Vorsitzende Richter. Und dass er «dem Volk der Jesiden ein Stück seines Selbstvertrauens und seiner Hoffnung zurückgibt».

Prozess (Gericht) / Terrorismus / Kriminalität / Bayern / Irak / Deutschland / Jesiden
13.07.2026 · 11:28 Uhr
[1 Kommentar]
Spiegel-Titel mit Ulrich Siegmund in einem Kiosk am 16.08.2026
Hamburg - Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat die Entscheidung verteidigt, Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund als Titelbild der neuesten Ausgabe zu zeigen. "Relevanz ist unser oberstes Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nützt oder schadet", heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme von […] (00)
vor 16 Minuten
K-Pop-Gruppe BTS
(BANG) - Die Recording Academy denkt offenbar darüber nach, den erst kürzlich eingeführten Grammy für 'Best Asian Pop' wieder abzuschaffen. Hintergrund ist die anhaltende Kritik an der neuen Kategorie, die zuletzt durch die Entscheidung der K-Pop-Gruppe BTS zusätzlichen Auftrieb bekam. Die sieben Musiker wollen ihre Musik für die kommenden Grammy Awards […] (01)
vor 24 Stunden
Review – Merach R50 – Ein Luft-Rudergerät muss nicht groß, teuer und kompliziert sein…
Wer zu Hause trainieren will, kennt wahrscheinlich das Problem: Irgendwann steht da nicht nur eine Hantel herum, sondern plötzlich ein ziemlich großes Fitnessgerät. Gerade bei Rudergeräten ist das so eine Sache. Die Teile sind effektiv, brauchen aber ordentlich Platz und sind im Wohnzimmer nicht unbedingt unsichtbar. In den Studios stehen natürlich […] (00)
vor 16 Stunden
Rainbow Six Siege: Inhalte für Year 11 Season 3 “Operation Split Fire“ vorgestellt
Ubisoft hat heute im Rahmen des Esports World Cup in Paris, Frankreich, die Inhalte der Season 3 von Year 11 von  Rainbow Six Siege  vorgestellt. In Fortführung des Ziels von Year 11, den kompetitiven Fokus von  Rainbow Six Siege  weiter zu stärken, liefert „Operation Split Fire“ eine Saison mit hohem Einsatz, die ganz im Zeichen von Können, […] (00)
vor 17 Stunden
ZDF zeigt Free-TV-Premiere von «The Silent Hour»
Im Montagskino setzt das ZDF auf einen Crime-Thriller mit Joel Kinnaman und Sandra Mae Frank, die als gehörlose Mordzeugin ins Visier einer Verbrecherbande gerät. Das ZDF holt den US-amerikanischen Thriller The Silent Hour erstmals ins Free-TV. Der von Brad Anderson inszenierte Film läuft am Montag, 7. September 2026, um 22.15 Uhr im Rahmen des Montagskinos. Im Streamingangebot des Senders […] (00)
vor 1 Stunde
Reit-WM Aachen
Aachen (dpa) - Auch Isabell Werth musste über die alte und neue Weltmeisterin lachen. «Ich habe immer Angst vor Isabell», sagte Charlotte Fry und sorgte für schallendes Gelächter. Die britische Dressurreiterin hatte zuvor auf ihren WM-Sieg noch einige Minuten warten müssen, denn Rekordreiterin Werth war als letzte Starterin die letzte Konkurrentin beim […] (00)
vor 38 Minuten
goldene bitcoin-münze auf euro-banknoten platziert, symbolisiert digitale währung und moderne finanzen.
In der vergangenen Woche verzeichneten die börsengehandelten Fonds (ETFs), die die Performance der größten Kryptowährung nach Marktkapitalisierung abbilden, erneut Nettoabflüsse. Nur an einem der fünf Handelstage gab es mehr Zuflüsse als Abflüsse. Während die Ethereum-ETFs eine fünf Wochen andauernde Phase mit Nettozuflüssen beendeten, waren die […] (00)
vor 1 Stunde
Perfekte Fellpflege mit der emmi-pet H1 – Für gesundes Unterfell ohne Verfilzungen
Mörfelden-Walldorf, 16.08.2026 (lifePR) - Du kennst es sicher:   Das Unterfell deines Hundes ist oft schwer zu pflegen, neigt zu Verfilzungen und kann die Hautgesundheit beeinträchtigen.  Doch hier kommt die Lösung – unsere  emmi-pet Hundeunterfellbürste  H1. Entdecke in diesem Beitrag, wie diese innovative Bürste das Wohlbefinden deines […] (00)
vor 4 Stunden
 
Hisbollah-Kämpfer im Libanon
Tel Aviv/Beirut (dpa) - Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben einen […] (00)
Konflikt in Syrien
Berlin (dpa) - Die Zahl der Syrerinnen und Syrer, denen das Bundesamt für Migration […] (06)
ruhiger blick auf den see mit angelruten, schilf und sanften regen, der eine friedliche naturszene schafft.
Abwechslungsreiche Bedingungen am Sonntag Am Sonntag wechseln sich Sonne und Wolken […] (00)
Sommer (Archiv)
Berlin - Die SPD-geführten Ministerien in der schwarz-roten Koalition gehen mit einem […] (00)
Die Uhr tickt Modis 20-Jahres-Horizont ist keine vage Parole – er ist eine harte […] (00)
iPhone Ultra: Marktstart des faltbaren iPhones soll gestaffelt erfolgen
Laut aktuellen Berichten plant Apple für sein erstes faltbares […] (00)
Das Erste zeigt «Kein Wort» im Nachtprogramm
Maren Eggert spielt eine Stardirigentin, die zwischen Karriere und der Sorge um ihren […] (00)
Xbox bekommt ein neues Update mit mehreren Verbesserungen
Microsoft hat ein neues Update für seine neuesten Konsolen veröffentlicht. […] (01)
 
 
Suchbegriff