Rohstoff-Deal

Mehr Öl für die USA - Trump und der Venezuela-Deal

30. August 2026, 16:01 Uhr · Quelle: dpa
US-Präsident Trump
Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Anfang des Jahres hatten US-Spezialkräfte den langjährigen Staatschef Venezuelas, Nicolás Maduro, gefangengenommen. Nun gibt Trump einen Öl-Deal mit dem Land bekannt.
Die USA nahmen Venezuelas langjährigen Staatschef Nicolás Maduro gefangen. Dann nahm Trump das Öl ins Visier. Jetzt gibt es einen Deal zu Ölfeldern - was werden die Folgen sein?

Washington (dpa) - Die USA sichern sich riesige Ölvorkommen in Venezuela. Es ist ein weiterer Schritt von US-Präsident Donald Trump nach der Gefangennahme des Ex-Staatschefs Nicolás Maduro, um direkt in die Ölindustrie des südamerikanischen Landes einzugreifen. Das Öl-Geschäft ist für Venezuelas Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle. Das Land verfügt über die größten Ölreserven der Welt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel. Fragen und Antworten zum Deal:

Was ist zwischen Caracas und Washington vereinbart worden?

Die USA erlangen nach Worten Trumps die mehrheitliche Kontrolle über mehr als 65 Milliarden Barrel an Ölreserven. Das entspräche rund einem Fünftel der geschätzten Vorkommen Venezuelas. Ein Barrel umfasst rund 159 Liter. 

Damit verdoppeln die Vereinigten Staaten ihre amerikanischen Ölreserven und erhöhen die Versorgungsmöglichkeit erheblich. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA verfügten die USA Ende 2024 über Ölreserven von 46 Milliarden Barrel. Bereits jetzt sind die USA der größte Produzent von Erdöl weltweit mit täglich durchschnittlich fast 14 Millionen Barrel Rohöl.

Gibt es schon Details zu dem Deal?

Nach Darstellungen der venezolanischen Regierung geht es um 17 Ölfelder. Nach US-Angaben sollen mehr als 100 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen in die Ölindustrie fließen. Venezuela erwartet daraus Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden US-Dollar.

Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte dem US-Sender CNN, die USA sollten 55 Prozent der effektiven Produktion eines neuen privaten Gemeinschaftsunternehmens erhalten. Dies solle über eine Beteiligung an dem Unternehmen und garantierte Abnahmen des geförderten Öls zum Selbstkostenpreis erfolgen. Für die betroffenen Ölfelder sind demnach Vereinbarungen mit einer Laufzeit von 100 Jahren vorgesehen.

Bei Venezuelas Reserven handelt es sich vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. An der US-Golfküste sind Raffinerien auf solches Rohöl spezialisiert. Laut einem CNN-Bericht könnte eine Zunahme der venezolanischen Ölimporte die Effizienz der Raffinerien steigern.

Was hat Venezuela davon?

Für Venezuela bedeutet das vor allem die Aussicht auf Investitionen und eine höhere Ölproduktion. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez hofft auf einen Neustart der seit Jahren maroden Industrie und damit auf Arbeitsplätze, höhere Einkommen und einen wirtschaftlichen Aufschwung. Rodríguez sagte, die Vereinbarung werde die Beschäftigung stärken und auch Handel, Bauwirtschaft und öffentliche Dienstleistungen beleben.

Ob diese Entwicklung tatsächlich bei der Bevölkerung ankommt, ist allerdings offen. Die venezolanische Wirtschaft hat seit Jahren unter der Krise und dem Einbruch der Ölproduktion gelitten. Die Regierung setzt deshalb darauf, dass ausländisches Kapital und Know-how die Förderung wieder deutlich steigern können. Ein venezolanischer Ölexperte sagte der Zeitung «El Nacional», ohne ausländische Investitionen könnten die betroffenen Felder möglicherweise noch 10 oder 15 Jahre ungenutzt bleiben. 

Was bringt Trump der Deal?

Platt gesagt: Er kann im eigenen Land einen Erfolg präsentieren. Er verspricht: Den amerikanischen Steuerzahler hat der Deal keinen Penny gekostet. Und er verspricht niedrigere Preise an den Zapfsäulen der Amerikaner, die mit dem Iran-Krieg nach oben schnellten. Eine Nachricht, die die Position der USA im weltweiten Energiemarkt stärken könnte, kommt gelegen. Der Präsident steht im eigenen Land wegen des zäh verlaufenden Iran-Kriegs massiv unter Druck. Im November stehen die wichtigen Zwischenwahlen im US-Parlament an, wo die Partei Trumps - die Republikaner - ihre Mehrheiten in beiden Kammern verlieren könnten.

Seit wann hat Trump das Öl im Blick?

Schon länger. Viele Demokraten hatten dem Präsidenten vorgeworfen, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen zu haben. Wenige Tage nach der Gefangennahme Maduros schwenkte Trump auf das Öl um und hatte angekündigt, den venezolanischen Öl-Verkauf «auf unbestimmte Zeit» in die Hände der USA zu nehmen. US-Konzerne sollen investieren und die marode Ölindustrie in Venezuela wieder aufbauen. 

Trump versprach im eigenen Land immer wieder Aufschwung und bekannte sich zur fossilen Energie. Er gab den Leitspruch aus: «Drill Baby Drill» («Bohre, Baby, Bohre»).

Was wird sich perspektivisch verändern?

Trump könnte versuchen, die Position Amerikas auf dem Ölmarkt weiter auszubauen. Schon vor längerem animierte er Staaten, die unter der im Krieg blockierten Straße von Hormus leiden, künftig US-Öl zu kaufen. Die USA könnten zudem auf lange Sicht das Venezuela-Öl dazu nutzen, um eigene Reserven zu stärken. Wie wichtig die Speicher sind, zeigte der Iran-Krieg: Wegen des Konflikts versuchte die Trump-Regierung mit der Freigabe von Reserven, den Markt mit nach oben geschnellten Preisen zu beruhigen. 

Was bedeutet der Deal für die Beziehung der beiden Länder?

Für das Verhältnis zwischen beiden Staaten bedeutet der Deal einen deutlichen Kurswechsel. Nach Jahren der Konfrontation und dem Vorgehen gegen Maduro setzt die Regierung Rodríguez nun auf eine Zusammenarbeit mit Washington, um die venezolanische Ölindustrie wieder aufzubauen. Rodríguez spricht von einem «Weg der Diplomatie» und stellt die Vereinbarung als Möglichkeit dar, Venezuela wieder zu einer bedeutenden Energiemacht zu machen. 

Gleichzeitig versucht die Regierung in Caracas, den Eindruck einer Preisgabe nationaler Interessen zu vermeiden. Rodriguez betont, Venezuela behalte «Eigentum und Souveränität» über seine Ölressourcen. Das zeigt das politische Dilemma: Caracas ist auf ausländisches Kapital angewiesen, um die Ölindustrie wiederzubeleben, öffnet damit aber zugleich den wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes weit für US-Interessen.

Update: Angabe tägliche Förderzahl USA berichtigt.
Öl / Regierung / Rohstoff / Energie / USA / Venezuela / Fragen und Antworten / Donald Trump / Delcy Rodríguez
30.08.2026 · 16:01 Uhr
[2 Kommentare]
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