Mehr als 500.000 Menschen durch Kämpfe in Syrien vertrieben

04. Februar 2020, 22:43 Uhr · Quelle: dpa

Istanbul/Damaskus/Moskau (dpa) - Durch eine Militäroffensive im Nordwesten Syriens sind nach UN-Angaben mehr als eine halbe Million Menschen in den vergangenen Wochen in die Flucht getrieben worden.

Hintergrund ist ein Vormarsch der Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in der von Rebellen gehaltenen Provinz Idlib. «Seit dem 1. Dezember sind rund 520.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden», teilte der Sprecher des UN-Nothilfebüros Ocha, David Swanson, am Dienstag mit. 80 Prozent der Geflüchteten seien Frauen und Kinder. Russland reagierte besorgt.

Idlib ist nach fast neun Jahren Bürgerkrieg in Syrien das letzte große Rebellengebiet. Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Rebellen hatten Idlib 2017 zu einer sogenannten Deeskalationszone erklärt. Kontrolliert wird das Gebiet von der Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe steht. In der Region leben nach Schätzungen rund drei Millionen Menschen.

Zuletzt hatten die syrische Armee und Russland ihre Angriffe auf die Region verstärkt und größere Geländegewinne für sich verbucht. Sie setzten auch am Dienstag ihre Offensive in Richtung der Provinzhauptstadt Idlib weiter fort. Es habe schwere Luftangriffe und Artilleriebeschuss in den Vororten von Idlib und rund um den wenige Kilometer entfernten Ort Sarakib gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte nach einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan dem Kreml zufolge, die Lage rund um Idlib sei besorgniserregend. Es gebe eine starke Zunahme terroristischer Gruppen. Dies führe auch zu vielen zivilen Opfern, sagte Putin am späten Abend. Es sei vereinbart worden, dass die Verteidigungsministerien beider Länder Sofortmaßnahmen zur besseren Koordinierung des Vorgehens in Syrien ergreifen sollten. Details wurden zunächst nicht genannt. Es sei außerdem notwendig, dass das Abkommen beider Länder zu Idlib strikt umgesetzt werde.

Am Montag waren die Spannungen zwischen türkischem und syrischem Militär in der Provinz Idlib zeitweise eskaliert. Nach offiziellen Angaben wurden sieben türkische Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter des Militärs durch syrischen Beschuss getötet. Die Türkei startete darauf einen Vergeltungsangriff, bei dem mehrere syrische Soldaten ums Leben kamen.

Erdogan sagte vor Journalisten auf einem Rückflug von der Ukraine am Dienstag, der Angriff auf die türkischen Soldaten sei ein Verstoß gegen mit Russland getroffene Vereinbarungen für die Region. Das werde «Folgen» für die syrische Regierung haben, sagte er. An die Adresse Russlands, dem Verbündeten der Regierung in Damaskus, richtete er dagegen beschwichtigende Worte und sagte: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht notwendig, in einen Kampf oder ernsthaften Zwiespalt mit Russland zu treten.»

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte Russland auf, auf Damaskus einzuwirken, sagte aber auch, dass die beiden Länder über Idlib im Gespräch blieben: «Wir wollen so bald wie möglich zusammen mit einer bleibende Waffenruhe und einer Verfassungskommission Schwung in den politischen Prozess bringen.»

Der prominente russische Außenpolitiker Wladimir Dschabarow sagte, dass es viele gemeinsame Interessen zwischen Russland und der Türkei gebe. Er warf Ankara aber auch vor, nicht entschieden genug gegen «Terroristen» in Idlib vorzugehen. Mit Terroristen bezeichnet die syrische Regierung pauschal alle Rebellen und Kräfte, die Widerstand leisten. «Syrien greift an, weil die Türkei nicht handelt. Die Türkei sollte eigentlich mit diesen Terroristen selbst aufräumen, sie hat die Verantwortung für Idlib auf sich genommen», sagte der Senator des russischen Föderationsrates der Agentur Interfax.

Konflikte / Flucht / Bürgerkrieg / Militär / Idlib / Baschar al-Assad / Syrien / Türkei / Russland
04.02.2020 · 22:43 Uhr
[3 Kommentare]
Europäischer Gerichtshof (Archiv)
Luxemburg - Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat die Rechte von transgeschlechtlichen Menschen gestärkt. EU-Mitgliedstaaten seien verpflichtet, klare, zugängliche und wirksame Verfahren für die rechtliche Anerkennung der von einer Person gelebten Geschlechtsidentität vorzusehen, stellten die Richter am Donnerstag in einem Urteil fest. Das […] (00)
vor 4 Minuten
„Ok, Boomer": Wohl kein Leser dieser Zeilen dürfte diesen herablassenden Spruch noch nicht gehört haben. Eines muss man allerdings jenseits von aller Kritik feststellen: Was das Eigenheim anbelangt, haben die grob zwischen 1946 und 1964 geborenen Babyboomer stärker vorgelegt als alle Generationen davor und danach – und das obendrein in einem […] (00)
vor 1 Stunde
Ermittlungen im Netz.
Berlin (dpa) - Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei sollen zusätzliche Ermittlungsbefugnisse im digitalen Raum erhalten. Das geht aus Entwürfen für ein Reformpaket hervor, auf das sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) verständigt haben. Länder und Verbände werden in den nächsten Wochen Gelegenheit haben, zu […] (00)
vor 1 Stunde
St. Patrick's Day fällt jedes Jahr auf den 17. März. Der Tag erinnert an einen Mann, der das Christentum in Irland verbreitet hat, vor sehr langer Zeit. Menschen ziehen grüne Kleidung an, treffen sich zu Umzügen und gemeinsamen Mahlzeiten. Manche Erwachsene verbringen die freie Zeit auch mit Spielen. Ein Teil davon schaut sich Spielautomaten an, die mit […] (00)
vor 1 Stunde
Streaming-Starts: «Temptation Island» und «Maxima» gehen weiter
Liebe wird auf die Probe gestellt - allerdings in unterschiedlicher Weise. Einmal auf trashiger, ein anderes Mal auf royaler Ebene. Start des Streaming-Trashs Temptation Island: Auch in Staffel 8 stellen sich vier Paare dem Treuetest im Reality-TV. Sie wollen herausfinden, wie stark ihre Beziehung ist. Denn ab dem 24. März bei RTL+ heißt es wieder: getrennte Wege, keine Kontaktmöglichkeiten und […] (00)
vor 2 Stunden
Annett Kaufmann
Stuttgart (dpa) - Die deutsche Tischtennis-Spielerin Annett Kaufmann hat öffentlich von Morddrohungen gegen sie in den sozialen Netzwerken berichtet. «Es wurde genau geschildert, wie ich umgebracht werden soll», sagte die 19 Jahre alte Junioren-Weltmeisterin und Mannschafts-Europameisterin in einem Talkformat der «Stuttgarter Zeitung» und der «Stuttgarter Nachrichten». Als Reaktion […] (01)
vor 19 Minuten
Kahlschlag bei Evotec: 800 Jobs weg – stürzt die Aktie jetzt komplett ab?
Das neue Strategieprogramm Horizon erzwingt harte Einschnitte in die globale Konzernstruktur Der Hamburger Biotech-Konzern Evotec reagiert auf die anhaltende operative Krise mit einem massiven Umbau seiner Unternehmensstruktur. Das Management hat die sofortige Schließung von vier weltweiten Standorten beschlossen. Durch diese drastische Konsolidierung […] (00)
vor 57 Minuten
1.000 € für Sprachförderung in der Kita
Gierstädt, 12.03.2026 (lifePR) - Förderung von Bildung und Sprachentwicklung im Kindergartenalltag: Für sein Projekt „Sprachförderung in der Kita“ erhält der Kindergarten Gierstädt 1.000€ Preisgeld von der Town & Country Stiftung. Im Rahmen ihres nun schon 12. Stiftungspreises fördert die Town & Country Stiftung bundesweit Projekte der Kinder- und […] (00)
vor 1 Stunde
 
Vorstellung Zukunftsquote 2025 am 12.03.2026
Berlin - Die vom ZEW berechnete "Zukunftsquote" für den Bundeshaushalt hat im Jahr […] (00)
Tote in Mannheim
Mannheim (dpa) - Nach dem Fund einer toten 19-Jährigen in einem Wald bei Mannheim ist […] (00)
Ölproduktion in Bahrain
Manama/Bagdad/Maskat (dpa) - Während US-Präsident Donald Trump erneut ein baldiges Ende […] (01)
Sebastian Roloff (Archiv)
Berlin - Vertreter von Union und SPD sind sich uneins über die Abschöpfung von […] (01)
Analyst Kuo informiert über MacBook Neo und OLED MacBook Air
Der zuverlässige Apple-Analyst Ming-Chi Kuo hat sich kürzlich zum Lieferstatus des […] (00)
Cathy Hummels
(BANG) - Cathy Hummels stört sich mittlerweile nicht mehr an der […] (00)
Henry Cavill glaubt, dass er inzwischen 'etwas zu alt' ist, um James Bond zu spielen.
(BANG) - Henry Cavill glaubt, dass er inzwischen "etwas zu alt" ist, um James Bond zu […] (00)
Saros: Neues Entwicklervideo zeigt die Köpfe hinter den Charakteren des PS5-Exklusivtitels
Housemarque hat mit Returnal bewiesen, dass das Studio für unnachgiebige, […] (00)
 
 
Suchbegriff