"Meduza" stoppt Werbekampagne nach ukrainischer Kritik: Plädoyer für Sensibilität
Die internationale Werbekampagne des russischen Nachrichtenportals "Meduza" wurde jüngst abrupt beendet. Hintergrund ist die Nutzung von Bildern ukrainischer Bürger ohne deren Einwilligung, was negative Reaktionen in der Ukraine hervorrief. "Meduza" gab in einem Statement an, den Fehler zu bedauern.
Besonders in der Ukraine sorgte das Vorgehen für Entrüstung. Das Außenministerium in Kiew kritisierte das Medienunternehmen öffentlich und schlug vor, der verantwortlichen Werbeagentur einen „Sonderpreis für Zynismus und Heuchelei im Marketing“ zu verleihen. Auf der Plattform X brachte das Ministerium seine Empörung über die Instrumentalisierung ukrainischer Tragödien zum Ausdruck.
Ein emotional aufrüttelndes Bild, das in der Kampagne gezeigt wurde, zeigt einen trauernden Mann aus Lwiw, der bei einem Raketenangriff seine Frau und Töchter verloren hatte. Dieses Bild war ohne seine ausdrückliche Erlaubnis verwendet worden – ein Vorgehen, das er entschieden als inakzeptabel bezeichnete.
Seit Januar hatte "Meduza" in Eigenwerbung investiert, darunter in Berlin mit einer auffälligen Lichtinstallation. Das seit 2014 bestehende Portal arbeitet aus dem Exil in Riga auf Russisch und Englisch und hatte mit der Kampagne gehofft, finanzielle Unterstützung zu generieren. In Russland wurde "Meduza" jedoch 2021 als „ausländischer Agent“ eingestuft und später sogar als „unerwünschte Organisation“ verboten, was alle Einkommensmöglichkeiten im Land zunichtemachte. Damit sind deren Journalisten ernsthaften strafrechtlichen Risiken ausgesetzt.
Die Kampagne wurde durch eine Berliner Kreativ-Agentur finanziert, die nun ebenfalls in der Kritik steht.

