Medizin: Höhenluft als Therapie nach Herzinfarkten

Mäuse, die einen Herzinfarkt hatten, bilden neues Herzgewebe, das einen Teil der Aufgaben übernimmt, die die abgestorbenen Zellen hatten. Forscher in Texas entdeckten dieses Phänomen, als sie die Versuchstiere 14 Tage lang Luft mit einem Sauerstoffanteil von lediglich sieben Prozent atmen ließen. Normal sind es 21 Prozent.

Bild: DLR

Bergsteiger als Probanden

Jetzt wollen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das sich auch mit Medizin befasst, herausfinden, ob bei Menschen das gleiche Phänomen auftritt. Dazu sperren sie die Profibergsteiger Ralf Dujmovits und Nancy Hansen in die DLR-Atmosphärenräume ein, in denen die Luft genauso sauerstoffarm ist wie auf einem 7000 Meter hohen Berg. Dujmovits hat bereits auf allen 14 Achttausendern der Welt gestanden und arbeitet als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Die Kanadierin Nancy Hansen bezeichnet sich selbst als „sehr enthusiastische Bergsteigerin“ und stand bereits auf etlichen Gipfeln im Himalaya-Gebirge. Mediziner des DLR, des Krankenhauses Köln-Merheim und weiterer Partner wollen herausfinden, ob ein längerer Aufenthalt unter starkem Sauerstoffmangel die Herzmuskelzellen zur Teilung anregt. Das Projekt, das auf fünf Wochen angelegt ist, heißt MyoCardioGen. Es hat gerade begonnen.

Gewebeschäden werden möglicherweise repariert

Professor Jens Tank vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin und seine Kollegen hoffen, dass auch die menschlichen Herzen sich teilen, sodass ein Teil des Schadens, den der Infarkt angerichtet hat, behoben wird. „Die Zellteilung ist entscheidend für die Reparatur eines Gewebeschadens“, so Tank. 

Es gibt durchaus Indizien, die darauf hin deuten, dass es klappen könnte. „Interessanterweise teilen sich Herzmuskelzellen noch bei Ungeborenen. Der Sauerstoffgehalt in deren Blut ist sehr viel niedriger als nach der Geburt. Durch die Reduktion auf acht Prozent Sauerstoff erzeugt man im Menschen einen ähnlichen Sauerstoffdruck wie vor seiner Geburt und versucht damit, diese sehr frühen Regulationsmechanismen der Zellen wieder zu aktivieren“, sagt Ulrich Limper von der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus Köln-Merheim. 

Umfassendes Untersuchungsprogramm

Die Probanden werden regelmäßig untersucht. Auf dem Plan stehen Magnetresonanztomographien von Herz, Kopf und Muskulatur, Ultraschalluntersuchungen von Herz und Skelettmuskel, Messungen unter anderem von Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung und der Sauerstoffsättigung, die Erfassung der Schlafqualität und der psychischen Leistungsfähigkeit.

via DLR

Wissenschaft / Medizin
[trendsderzukunft.de] · 16.05.2018 · 17:04 Uhr
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