«Maleficent: Mächte der Finsternis»: Wenn die dunkle Fee zweimal durchknallt

Die Fortsetzung des Disney-Fantasyfilms «Maleficent: Die dunkle Fee» ist die seelenlos dargebotene, keinerlei Nachhall duldende Verwirklichung eines Wusts an Ideen.

Vor rund fünfeinhalb Jahren brachte Disney den Fantasyfilm «Maleficent: Die dunkle Fee» in die Kinos. Die sehr freie Nacherzählung der Ereignisse aus dem Dornröschen-Märchen (und Disneys Dornröschen-Zeichentrickfilm), die aus der Perspektive der Schurkin aufgezogen wurde, nahm weltweit über 758 Millionen Dollar ein. Damit wurde der Film trotz seiner turbulenten Produktionsgeschichte und eines durchwachsenen bis mauen Presseechos zu einem bemerkenswerten Erfolg für den Disney-Konzern. Es kam, wie es wohl kommen muss: Ehe man es sich versah, begannen die Gespräche für einen zweiten Teil.

«Maleficent: Mächte der Finsternis» steht allerdings in einem sonderbaren Verhältnis zum Vorgänger: Einerseits verlassen sich diverse Dialogpassagen darauf, dass man das Fantasyvokabular aus dem Vorläufer sowie die exakten Bekanntschafts- und Sympathieverhältnisse der Figuren verinnerlicht hat. Doch den sperrigen Wortwechseln im Skript von Linda Woolverton, Micah Fitzerman-Blue und Noah Harpster steht der Eröffnungskommentar von «Maleficent: Mächte der Finsternis» gegenüber, der praktisch aussagt, dass Teil eins in der Filmwelt vergessen wurde. Und auch Maleficents Figurenentwicklung in dieser Fortsetzung stammt aus dem zynischen "Macht dasselbe einfach noch einmal, das Publikum wird’s schon schlucken"-Filmhandbuch.

«Maleficent: Mächte der Finsternis» beginnt damit, dass die dunkle Fee Maleficent (eine sehr affektiert spielende Angelina Jolie) grantig, aber nicht bösartig ist. Jedoch hat sie eine besitzergreifende Ader an sich, und daher reagiert sie passiv-aggressiv, als sie erfährt, dass ihr Patenkind Aurora (Elle Fanning) demnächst heiraten soll. Als Auroras Schwiegermutter in spe, Königin Ingrith (Michelle Pfeiffer), zu allem Überfluss verkündet, dass sie will, dass das künftige Ehepaar in ihr Königreich zieht, hat Maleficent einen Wutanfall. Als zugleich Auroras Schwiegervater in spe von einem Fluch getroffen wird, glauben alle, dass Maleficent wieder einmal zu harschen Mitteln greift, weil ihr jemand quer kommt. Maleficent ist von diesen Anschuldigungen so verletzt, dass ihr Geduldsfaden reißt …

Dieses Sequel wiederholt einen eklatanten Makel seines Vorgängers: Die Titel-Antiheldin ist völlig konfus geschrieben und wächst daher nie zu einer in sich glaubwürdigen, damit auch packenden Figur heran. Der erste Teil geriet, wohl auch aufgrund einiger hastiger Drehbuchüberarbeitungen, sogleich auf zweifacher Ebene fahrig: Der Ansatz auf Plotebene variierte von Szene zu Szene, so dass der Film von "Die Schurkin in Dornröschen war die wahre Heldin!" über "Ja, die Schurkin in Dornröschen war mies, aber die Guten in dem Film waren in Wahrheit genauso mies" zu "Die Geschichte einer Schurkin, die gut geworden ist" und dann zu "Die Geschichte einer Guten, die tief gefallen ist" wechselte und wieder zurück. Das sträubte sich dann aber noch mit der oft völlig gegen den narrativen Strich gebürsteten Attitüde, mit der die Figur geschrieben und gespielt wurde.

«Maleficent: Mächte der Finsternis» ist in dieser Hinsicht eine Spur besser, da stringenter: Auf dem Papier erzählt dieser Fantasyfilm die Geschichte einer distanzierten, strengen, aber wohlmeinenden Person, die durch ein Missverständnis gekränkt wird und der Versuchung widerstehen muss, sich ihren schlimmsten Tendenzen hinzugeben. In der Umsetzung gerät dies aber schon wieder fahrig, da dieser klare narrative Entwurf durch die schon wieder konfus angelegte Titelfigur zerschossen wird. So, als habe das Filmteam Hauptdarstellerin Angelina Jolie je nach Tagesform gewähren lassen und so, als hätten alle drei der Drehbuchverantwortlichen einen anderen Zugang zu der Figur gefunden, findet die Persönlichkeit Maleficents einfach nicht zusammen: Ihre ständigen Sprünge zwischen streng, nachtragend, arrogant, entrückt-naiv, verletzlich mit falschem Stolz und gutherzig-missverstanden haben erzählerisch kaum Hand und Fuß.



Was eine komplexe, nuancierte Figur sein könnte, die diesen Film stützt, ist also nur ein verworrenes Durcheinander an Ansätzen. Und ohne eine gelungene, zugkräftige Hauptfigur wird ein weiterer eklatanter Mangel von «Maleficent: Mächte der Finsternis» umso schmerzlicher. Denn als Disney-Film mit Märchenwurzeln wäre es dieser Big-Budget-Produktion ja durchaus gestattet, dass sie schwere Themen eher andeutet, statt sie mit Wucht umzusetzen. Da aber schon auf Charakerebene jegliche Konsequenz fehlt (alle Figuren abseits Maleficent sind nämlich nur Staffage und Stichwortgeber), wirkt das drastische Fehlen von Mumm in den weiteren Belangen dieses Films fast schon wie blanker Hohn.

Denn «Maleficent: Mächte der Finsternis» fehlt jegliche erzählerische Konsequenz. Figuren werden schleppend eingeführt und erzählerisch ineffizient an den Rand gedrängt. Wann immer die Schurken dieses Big-Budget-Projekts etwas drastisches tun oder ihnen etwas schlimmes widerfährt, schneiden Regisseur Joachim Rønning (Pirates of the Caribbean – Salazars Rache) und die Cutter Laura Jennings & Craig Wood frühzeitig weg – es sei denn, das Drehbuch relativiert es eh wenige Minuten später. Jüngere Kinder mag dies auf situativer Basis noch mitnehmen, weil sie nicht die mediale Erfahrung haben, solch ein Schema zu durchschauen. Aber da «Maleficent: Mächte der Finsternis» eine FSK ab zwölf Jahren hat, wird diese Relativierung nur auf wenige zutreffen, die eine Karte für den Film lösen.

Somit wird dies zu einem Film, der sich massiv verhebt, denn hinter der zahnlosen Inszenierung und mehrmaligen, plötzlichen Twists zum Guten, stecken größere Ideen. «Maleficent: Mächte der Finsternis» könnte ein Film über Intoleranz und Hassverbrechen sein, doch wie schon der erste Teil, der eine Vergewaltigungsmetapher fast bis zur Unkenntlichkeit verwässert, ist dieser Fanatsyfilm mehr damit beschäftigt, seine thematischen Elemente zu entschärfen, als mit ihnen relevante Aussagen zu treffen.

Was «Maleficent: Mächte der Finsternis» auf der Haben-Seite bleibt, sind Ellen Mirojnicks markiges Kostümdesign, eine (!) berückend ausgeleuchtete, monochromatische Szene, die in einem Feennest spielt, eine stimmig auf die Musik geschnittene Parallelmontage im Mittelteil und Jenn Murray (Brooklyn), die ihre schurkische Handlangerin mit fiesem Genuss spielt. Das ist bei all diesen Inkonsistenzen und all dem Leerlauf viel zu wenig, um den Film auch nur in die Nähe des passablen Bereichs zu hieven. Geschweige denn, um ihn sehenswert zu machen.

Fazit: «Maleficent: Mächte der Finsternis» ist kein derartiger kreativer Totalflop wie Teil eins, aber noch immer überwiegen die Mängel: Mit einer völlig inkonsistenten Charakterisierung seiner Titelfigur und einer ständigen Demontage der thematischen Elemente ist «Maleficent: Mächte der Finsternis» viel bemühter Lärm um nichts.

«Maleficent: Mächte der Finsternis» ist ab dem 17. Oktober 2019 in vielen deutschen Kinos zu sehen.
Kino / Die Kino-Kritiker
15.10.2019 · 14:01 Uhr
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