WM in Berlin

«Macherinnen» in Tränen: Was vom Basketball-Fest bleibt

14. September 2026, 09:21 Uhr · Quelle: dpa
Spanien - Deutschland
Foto: Andreas Gora/dpa
Die deutsche Topspielerin Leonie Fiebich vergoss nach Platz vier Tränen.
Berlin war der vorläufige Höhepunkt beim Aufstieg der deutschen Basketballerinnen. Auch ohne Medaille reisen Leonie Fiebich und Co. stolz ab. Der Bundestrainer schimpft auf die Strukturen der Liga.

Berlin (dpa) - Die Tränen der untröstlichen deutschen Basketballerinnen waren kaum getrocknet, da setzte Bundestrainer Olaf Lange auf dem Pressepodium zum verbalen Rundumschlag an. Adressat seiner harschen Kritik zum Abschluss einer eindrucksvollen Heim-WM mit Platz vier? Die heimische Bundesliga und ihre verkrusteten Strukturen. «Ich muss dafür Sorge tragen, dass unsere Topspielerinnen ins Ausland gehen», sagte Lange in Berlin deutlich.

Neun seiner zwölf Spielerinnen befinden sich bereits im Ausland - geht es nach Lange, sollten es besser zwölf von zwölf sein. «So lange sich da in der Liga nichts tut, wird es schwierig, diesen Erfolg zu halten. Es ist nicht ausreichend, um die Nationalmannschaft nach vorne zu bringen. Da muss mehr kommen von der Liga», mahnte der Chefcoach. Die medizinische Situation bei den Clubs nannte er gar «katastrophal».

Tränen auf dem Parkett

Langes wuchtige Rüge gegen die Liga kam überraschend, schließlich hat der 54-Jährige zehn berauschende Basketball-Feiertage und den größten Erfolg des Frauen-Nationalteams hinter sich. Nie zuvor hatten die Basketballerinnen bei einem großen Turnier ein Halbfinale erreicht. Einem breiteren Publikum waren Leonie Fiebich und ihre Kolleginnen schon zu Beginn des Turniers vorgestellt worden: in einer ZDF-Doku mit dem Titel «Macherinnen».

Doch zum Ende der WM-Sause von Berlin überwog bei den Basketballerinnen ganz klar der Frust. Einige weinten hemmungslos - auf dem Parkett und später in den Katakomben. Dass die Spanierinnen freudig mit ihren Bronzemedaillen durch die Interview-Zone hüpften, schmerzte zusätzlich.

Chancenlos ab dem Halbfinale

«Scheiße. Es ist einfach total enttäuschend. Wir hatten diese große Chance und haben sie nicht genutzt. Das ist irgendwie schade», beschrieb Frieda Bühner ihre Gefühlslage. Das 22 Jahre junge Talent brauchte nach dem deutlichen 58:81 gegen Spanien besonders viel Trost. Schon beim 64:86 im Halbfinale gegen Frankreich war Deutschland chancenlos geblieben. «Wir müssen als Team noch in einigen Bereichen wachsen», sagte Marie Gülich.

Die erfahrene Kapitänin wertete die Tage von Berlin als Erfolg und verwies auf die jüngere Vergangenheit, als man sich jahrelang nicht einmal für die großen Turniere qualifizieren konnte. Das Team um Fiebich, Gülich und die Berlinerin Nyara Sabally war konkurrenzfähig - und verblüffte selbst ohne Starspielerin Satou Sabally mit einem Viertelfinal-Coup über Europameister Belgien.

Über 230.000 Fans in den Hallen

«Gerade will man nicht feiern, aber wenn wir einmal kurz runtergefahren sind, gucken wir uns an und dann ist die Liebe zwischen uns zu groß», sagte die 32 Jahre alte Gülich. Und fügte an: «Ich liebe dieses Team.» Als Langes Team am Abend an einer Bar im Zentrum der Hauptstadt zusammenkam, ließen Fiebich und Co. auch die unglaublichen zwei Wochen Revue passieren. Mehr als 230.000 Fans waren während der Frauen-WM in die Berliner Hallen geströmt - vor Jahren noch ein undenkbares Szenario.

Lange, der das Amt vor einem Jahr von der Kanadierin Lisa Thomaidis übernahm, richtete den Blick nach vorne. Die EM 2027, die Olympischen Spiele 2028 und die WM in Tokio 2030 stehen als nächste Höhepunkte bevor. «Es tut weh. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, den Schmerz zu kultivieren. Wir müssen individuell besser werden. Das ist wie Kraftstoff, um besser zu werden», sagte der Trainer, der im Alltag bei Toronto Tempo in der WNBA arbeitet.

Bundestrainer: Die Lücke wird kleiner

Die beste Medaillenchance hat Deutschland definitiv bei der EM im kommenden Jahr. Dann wird in vier verschiedenen Ländern gespielt, die Endrunde ist in Vilnius in Litauen geplant. Fiebich (26 Jahre), die Sabally-Schwestern (28 und 26) sowie Luisa Geiselsöder (26) sind im besten Sportlerinnenalter und behaupten sich eindrucksvoll in der besten Liga der Welt. 

Dazu fehlen bei der EM in Olympiasieger USA und Australien, das von Langes Ehefrau Sandy Brondello trainiert wird, zwei Medaillenanwärter. «Hoffentlich können wir eines Tages die Lücke zu den größten Nationen schließen. Es gibt eine Lücke, aber die Lücke ist kleiner geworden», beschrieb Lange. Im Gegensatz zum im Viertelfinale besiegten Europameister Belgien waren Spanien und Frankreich bei dieser WM noch deutlich zu stark.

Basketball / Frauen / WM / Deutschland / Berlin / Bundesliga / Olaf Lange
14.09.2026 · 09:21 Uhr
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