Lufthansa: Das Ringen um die Rettung

von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

Um das staatliche Rettungspaket von neun Milliarden Euro zur Rettung der angeschlagenen Airline Lufthansa wird weiter heftig gerungen. Der Aufsichtsrat wollte das Paket am Mittwoch wegen der EU-Auflagen nicht ­absegnen. Die EU-Kommission hatte zuvor verlangt, dass die Lufthansa Start- und Landerechte an ihren wichtigen Drehkreuzen Frankfurt und München abgibt, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

Dies bedeute eine Schwächung der Drehkreuze, kritisierte der Aufsichtsrat, der nun erst einmal die Auswirkungen prüfen will. Die Bundesregierung und die Lufthansa hatten sich erst am Montag nach wochenlangen Verhandlungen auf Staatshilfe in Form von Krediten, stillen Einlagen und einem Einstieg des Staats bei der Airline in Höhe von 20 Prozent geeinigt. Das Paket setzt sich aus drei Milliarden Euro Kredit und rund sechs Milliarden Kapitalbeteiligung des Staats zusammen.

Die Ausgestaltung des Pakets treibt unterdessen auch Investoren die Schweißperlen auf die Stirn. Nach Einschätzung der Fondsgesellschaft Union Investment könnte sich das ganze Rettungspaket noch als "Damoklesschwert für Aktionäre" erweisen, wie Portfoliomanager Patrick Schuchter der "Börsenzeitung" sagte. Andere Länder wie Frankreich oder Finnland hätten Lösungen für ihre Airlines ohne Slot-Eingriffe gefunden. Doch auch so schränke das Paket die Fluggesellschaft stark ein und könnte ihr "die Luft zum Atmen nehmen", wie auch die Aktionärsvereinigung DSW befürchtet. An Dividende ist sowieso nicht zu denken.

Anteile verwässern

Dem Rettungspaket müssen neben dem Aufsichtsrat auch die Lufthansa-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung noch zustimmen. Über eine Kapitalerhöhung soll- te der Staat danach mit 20 Prozent an der Airline beteiligt sein. Die bestehenden Aktionäre sind vom Bezugsrecht ausgeschlossen. Ihr Anteil verwässert somit. Der Einstieg des Staats erfolgt zudem zum Nennwert der Aktien von 2,56 Euro - angesichts des Börsenkurses von rund neun Euro ein Schnäppchenpreis. Der Staat kann zudem seine Beteiligung über eine Wandelanleihe auf 25 Prozent erhöhen, falls eine feindliche Übernahme droht.

Experten zufolge ist das Lufthansa-Rettungspaket zumindest für den Steuerzahler deutlich vorteilhafter als bei den teuren Rettungsaktionen für Hypo Real Estate und Commerzbank nach der Finanzkrise vor zehn Jahren. Damals zahlte der Bund 50 Milliarden Euro drauf. Diesmal könnte ein Milliardengewinn winken.

So oder so wird die Lufthansa voraussichtlich am Donnerstag bei der nächsten Indexüberprüfung der Deutschen Börse aus dem Leitindex DAX fliegen. Nachrücken wird voraussichtlich Deutsche Wohnen.


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[finanzen.net] · 30.05.2020 · 08:00 Uhr
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