Lufthansa-Aktie: Droht der Airline jetzt die Verstaatlichung oder sogar die Insolvenz?

• Aktie über 70% Prozent unter Allzeithoch
• Moody´s senkt Kreditrating auf Ramsch-Niveau
• Extrem günstige Bewertung

Die Corona-Pandemie lässt den globalen Flugverkehr völlig aus dem Ruder laufen. So muss auch der deutsche Lufthansa-Konzern sein geplantes Flugprogramm für März und April komplett zusammenstreichen. So sollen bis zum 19. April nur noch rund fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge absolviert werden. Dementsprechend bleiben von der Flugzeugflotte des Konzerns, welche rund 763 Maschinen umfasst, vorläufig rund 700 am Boden.

Lufthansa - eine spekulative Anlage

Angesichts der anhaltenden Krise in der Luftfahrtbranche hat die US-Ratingagentur Moody´s das Kreditniveau der Lufthansa auf das sogenannte Ramsch-Level herabgesenkt. Wurde das Fremdkapital des Luftfahrtunternehmens vor der Krise noch mit Baa3 bewertet, also im Investment Grade-Bereich, liegt die Einschätzung von Moody´s für die Kreditwürdigkeit der Airline nun bei Ba1 und somit im Non-Investment Bereich. Mit Ba1 erhält die Lufthansa zwar noch das höchst mögliche Rating in der spekulativen Rubrik, für viele institutionelle Investoren und Fonds kommen die Unternehmensanleihen des Konzerns somit jedoch nicht mehr in Frage. Zudem muss die ohnehin schon angeschlagene Airline nun eine höhere Risikoprämie auf ihre Kredite bezahlen.

Lufthansa-Aktie im Sinkflug

Höhere Belastungen auf der Fremdkapitalseite gehen natürlich auch zu Lasten des Eigenkapitals und somit der Aktie. So büßte das Papier der größten deutschen Airline allein in den vergangenen vier Wochen rund 40 Prozent an Wert ein. In Bezug auf die Höchstkurse vom Jahresbeginn 2018, bei über 30 Euro je Aktie, notierten die Anteilsscheine gegenwärtig sogar über 70 Prozent tiefer.

Eine Überreaktion des Marktes?

Da sich rund 85 Prozent der 763 starken Lufthansa-Flotte im Eigentum der Airline befinden, wovon laut dem Management rund 90 Prozent unbelastet von Krediten sind, ergibt sich aktuell eine enorme Diskrepanz zwischen dem Buchwert des Unternehmens und der Marktkapitalisierung. So stehen der aktuellen Marktkapitalisierung von rund vier Milliarden Euro schon allein abbezahlte Flugzeuge im Wert von mindestens zehn Milliarden Euro gegenüber. Dieses extreme Missverhältnis zeigt eindrucksvoll, welche große Panik aktuell an den Märkten vorherrscht.

Die Lufthansa kämpft schon lange mit Problemen…

Im vergangenen Geschäftsjahr musste die Lufthansa, auch ohne Corona-Pandemie, einen extremem Gewinnrückgang hinnehmen. Zwar konnte die Airline ihren Umsatz um 2,5 Prozent auf insgesamt 36,4 Milliarden Euro steigern, gleichzeitig fiel jedoch das bereinigte EBIT um fast 30 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern und Zinsen brach sogar um 44 Prozent ein. Dementsprechend erzielte die Airline im zurücklegenden Geschäftsjahr einen mageren Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro. Grund für diesen herben Rückgang waren vor allem die gestiegenen Kerosinpreise und der harte Wettbewerb im Europageschäft.

… und muss den Gürtel nun enger schnallen

Angesichts der prekären Situation müssen die Lufthansa-Aktionäre nun auf ihre Dividende verzichten. Des Weiteren verzichten die Manager des Unternehmens auf 20 Prozent ihres Grundgehalts für das Jahr 2020, während für ein Großteil der Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt wurde. Darüber hinaus möchte der Vorstand nun weitere umfangreiche Sparmaßnahmen einleiten.

Staatliche Hilfe ist nicht ausgeschlossen

Auch wenn der Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr, bei der jüngsten Vorstellung des Geschäftsberichts, keine genaue Prognose für das laufende Geschäftsjahr machen wollte, fand er jedoch klare Worte für die gegenwärtige Situation seines Konzerns. "Die Verbreitung des Coronavirus hat die gesamte Weltwirtschaft und auch unser Unternehmen in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt. […] Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann", so der Lufthansa-CEO.

Die Insolvenz ist ausgeschlossen

Sollte sich die aktuelle Situation über weitere Wochen und Monate hinziehen, wird die Lufthansa höchstwahrscheinlich nicht ohne staatliche Hilfsgelder überleben können. Dabei dürfte eine Verstaatlichung des Konzerns zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht das Ziel der Bundesregierung sein. Vielmehr wird es darauf hinauslaufen, dass dem Konzern Steuerstundungen und diverse Liquiditätshilfen zugesagt werden.

Aufgrund der enormen Relevanz des Unternehmens für den deutschen Luftverkehr ist die Insolvenz des Unternehmens dabei fast ausgeschlossen. Denn die allgemeine Versorgungssicherheit des Landes muss, vor allem durch Frachtflügen, jederzeit zu 100 Prozent sichergestellt werden. Darüber ist sich auch die deutsche Bundesregierung im Klaren.

Anleger, die sich nun zu vermeintlichen Schnäppchenpreisen mit Lufthansa-Aktien eindecken möchten, sollten jedoch beachten, dass die Kranich-Papiere, in den vergangenen 20 Jahren, schon häufiger über längere Zeit auf einem einstelligen Niveau vor sich hin vegetierten.

Pierre Bonnet / finanzen.net

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 20.03.2020 · 21:47 Uhr
[2 Kommentare]
 

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