Linde-Aktie mit Rekordhoch: Linde steigert Gewinn deutlich und sieht weiteres Wachstum 2020

Neben der Umsetzung der fusionsbedingten Sparmaßnahmen, dem Volumenwachstum und Preiserhöhungen profitierte Linde von der robusten Entwicklung im Segment Americas. Hier sorgte die Nachfrage aus dem Bereich Healthcare sowie der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie für Wachstum. Für das laufende Jahr rechnet Linde trotz der sich weiter abschwächenden weltweiten Konjunktur mit einer weiteren Gewinnsteigerung.

Linde-Chef Steve Angel sagte, der Konzern habe im vierten Quartal in Folge ein zweistelliges Wachstum beim Ergebnis je Aktie erzielt und "krönt damit das erste erfolgreiche Jahr als neue Organisation". Im Schlussquartal erreichte der Gewinn aus fortgeführten Geschäften bereinigt 1,347 Milliarden US-Dollar und legte zum Vorquartal um 17 Prozent zu. Der bereinigte Pro-Forma-Gewinn je Aktie (verwässert) wuchs um 25 Prozent auf 1,89 Dollar und übertraf damit die Analystenschätzung von 1,83 Dollar. Unter dem Strich verdiente Linde bereinigt 1,024 Milliarden Dollar. Das war ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr.

Linde setzte in dem Dreimonatszeitraum 7,077 Milliarden Dollar um, ein Anstieg von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, unter Ausklammerung von negativen Währungseffekten. Das Volumen stieg um 1 Prozent, während die Preise um 2 Prozent erhöht wurden und alle Bereiche umfasste. Für das Gesamtjahr berichtete Linde ein Gewinn je Aktie (verwässert) von 4 Dollar, auf bereinigter Pro-Forma-Basis erreichte es 7,34 Dollar.

Für 2020 erwartet Linde ein bereinigtes verwässertes Ergebnis je Aktie in einer Spanne von 8,00 bis 8,25 Dollar, was einen Anstieg von 9 bis 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche. In dieser Spanne sind geschätzte negative Effekte durch ungünstige Währungswechselkurse von 1 Prozent enthalten. Für das erste Quartal werde ein bereinigter Gewinn je Aktie in einer Spanne von 1,86 bis 1,94 Dollar erwartet. Das wäre ein Plus von 11 bis 16 Prozent zum Vorjahresquartal.

Linde-Chef kündigt Stellenabbau im deutschen Gasegeschäft an

Der aus den USA angereiste Vorstandschef Steve Angel sagte am Donnerstag in Pullach bei München: "Es wird auf jeden Fall Anpassungen geben."

Der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn befürchtet, dass bis Ende nächsten Jahres 850 der bislang 7000 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Angel sagte: "Ich will nicht auf diese Zahlen eingehen." Aber die deutsche Industrie und damit auch das deutsche Gasegeschäft seien schwächer: "Es wird Stellenkürzungen geben." Pullach dagegen sei zwar mit 3300 Arbeitsplätzen dreimal größer als jeder andere Standort des Konzerns, aber hier sitze der Anlagenbau, und der habe gerade "ein historisch gutes Jahr gehabt". Hier würden eher Stellen aufgebaut.

Die Linde AG und der kleinere, aber profitablere US-Konkurrent Praxair hatten sich 2018 zum Weltmarktführer für Industriegase zusammengeschlossen. In Deutschland beschäftigt die neue Linde plc. heute noch rund 7000 Mitarbeiter, weltweit 80 000.

Der bayerische IG-Metall-Chef Horn sieht die Befürchtungen der Gewerkschaften bestätigt. In den Vorjahren seien bereits fast 1000 Stellen gestrichen worden, Deutschland sei vom Stellenabbau besonders betroffen. "Angesichts des neuen Shareholder-Stils müssen wir befürchten, dass das noch nicht das Ende der Abbaupläne ist. Linde droht mittelfristig ein Kahlschlag", sagte Horn der dpa.

Hauptaktionäre sind angelsächsische Investoren. Horn kritisierte: "Das kurzfristige Shareholder-Denken ist an die Stelle einer nachhaltigen, strategischen Unternehmensplanung getreten". Im Vordergrund stehe die Senkung von Fixkosten, Aufträge würden weltweit im Konzern verschoben. "Die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland stehen unter großem Druck, dass Produkte und Aufträge an den Standorten bleiben." Die alte Linde-Zentrale in München wurde im Dezember geschlossen, die verbliebenen 200 Mitarbeiter zogen nach Pullach um.

Steve Angel und Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hatten durch Abbau regionaler Überlappungen und mehr Effizienz bis 2021 Synergien in Höhe von 1,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Um die Erlaubnis der Kartellbehörden für die Fusion zu erhalten, hatten die beiden Unternehmen große Geschäftsteile in Europa und Amerika an Konkurrenten und Finanzinvestoren verkauft. Angel sagte: "Bei der Integration sind wir fast fertig." Die laufenden Fusionskosten gingen zurück.

Ein wachsende Geschäft sei der Klimaschutz. Linde werde ein Drittel seines Forschungsbudgets in De-Karbonisierung investieren, sagte Angel. CO2-Steuern und höhere Strompreise würden an die Kunden weitergegeben.

Linde ist an den Börsen in New York und Frankfurt notiert. Mit rund 100 Milliarden Euro Börsenwert ist der Konzern die Nummer zwei im Deutschen Aktienindex DAX, nach SAP SE.

Linde mit Rekordhoch - Zahlen und Ausblick kommen gut an

Nach dem Gewinnsprung 2019 und positiven Signalen für das laufende Jahr sind die Linde-Papiere am Donnerstag auf einen Höchststand geklettert. Die Papiere des Gase- und Industriekonzerns schafften es bis auf 208,50 Euro. Zuletzt stand im XETRA-Handel ein Plus von 3,19 Prozent bei 205,40 Euro.

Nach 7,34 Dollar je Aktie im vergangenen Jahr will der Konzern den um Sondereffekte bereinigten Gewinn 2020 auf 8,00 bis 8,25 US-Dollar steigern. Der Mittelpunkt dieser Zielspanne liegt über dem bisherigen Marktkonsens.

Auch der Analyst Jonas Oxgaard vom Analysehaus Bernstein als einer der Skeptiker unter den ansonsten mehrheitlich optimistischen Experten musste eingestehen, dass Linde die Erwartungen übertroffen hat. Dabei hätten allerdings Einsparungen ein eher schwaches Quartal mit mauem Wachstum gerettet, schränkte Oxgaard ein. 2020 rechnet er mit einem ähnlichen Bild.

Mit einem Kursziel von 149,85 Euro ist Oxgaard der pessimistischste Beobachter der Linde-Papiere. Viele andere Experten sehen indes noch deutliches Potenzial für die Aktien, die im laufenden Jahr bisher rund 8 Prozent zugelegt haben.

FRANKFURT (Dow Jones / dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 13.02.2020 · 18:07 Uhr
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