Libanon: Boeing 737 stürzt mit 90 Menschen ins Meer

25. Januar 2010, 20:00 Uhr · Quelle: dpa
Beirut (dpa) - Beim Absturz eines Verkehrsflugzeugs der Ethiopian Airlines vor der libanesischen Küste sind vermutlich alle 90 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Die Boeing 737-800 war am Montagmorgen um 2.35 Uhr Ortszeit vom internationalen Flughafen Beirut bei schlechtem Wetter mit Ziel Addis Abeba gestartet. Kurz darauf stürzte sie aus bisher ungeklärter Ursache ab. Bis zum späten Nachmittag bargen die Einsatzkräfte die Leichen von 30 Passagieren aus dem Meer, darunter die von zwei Kindern. Gegen Abend trafen französische und britische Hubschrauber sowie ein Schiff der sechsten Flotte der USA zur Unterstützung der Hilfskräfte an der Unglücksstelle ein.

Der libanesische Präsident Michel Suleiman schloss Terror als Absturzursache aus. Ein Flughafensprecher sprach von einem Blitz, der ins Flugzeug eingeschlagen sein könnte. Es kommt allerdings selten vor, dass Blitze ein Flugzeug zum Absturz bringen.

An Bord der Unglücksmaschine waren nach Angaben der Fluggesellschaft 54 Libanesen, 31 Äthiopier - unter ihnen acht Besatzungsmitglieder - zwei Briten sowie je ein Fluggast aus der Türkei, Frankreich, Russland, Kanada, Syrien und dem Irak. Deutsche waren keine darunter. Unter den Toten ist auch Marla Sanchez Pietton, die Gattin des französischen Botschafters in Beirut. Ihre sterblichen Überreste wurden nach der Bergung ins Militärkrankenhaus von Beirut gebracht.

In der VIP-Lounge des Beiruter Flughafens spielten sich herzzerreißende Szenen ab: Weinende Väter und schluchzende Mütter und Ehefrauen trauerten um ihre Angehörigen. «Mein Sohn und meine Neffen waren an Bord», klagte die Hausfrau Um Ali Dschaber, die aus der Kleinstadt Nabatijeh im südlichen Libanon angereist war. «Mein Mitgefühl ist mit Ihnen», versuchte sie der junge Ministerpräsident Saad al-Hariri zu trösten. «Wir werden alles tun, um die Überlebenden zu finden.» Die Hoffnungen der verzweifelten Angehörigen richtete sich noch eine Zeitlang auf erste Medienberichte, denenzufolge die libanesische Armee sieben Menschen aus dem stürmischen Meer gerettet hätte. Doch diese Hoffnungen zerstoben, als klar wurde, dass die Einsatzkräfte nur Leichen aus dem kalten Nass gezogen hatten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Sie habe «mit großer Bestürzung» von dem Unglück erfahren, schrieb sie dem äthiopischen Präsidenten Meles Zenawi und Libanons Ministerpräsidenten Saad Hariri laut einer Mitteilung der Bundesregierung.

Die Rettungskräfte - unter ihnen das deutsche Marineschiff «Mosel» mit Heimathafen Kiel - suchten am Montag auch nach dem Flugschreiber der Maschine. Erschwert wurde dies durch das weiter schlechte Wetter. Das Wrack soll nach Aussagen von Rettern auf dem Meeresgrund in 500 Meter Tiefe liegen. Nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise hat das am Abend eingetroffene US-Schiff auch ein Rettungsflugzeug an Bord. Es soll auch unter Wasser nach Metall, Überlebenden und Leichen suchen können. «Das Verteidigungsministerium hat die angebotene Hilfe bei der Rettungsoperation akzeptiert», hieß es aus Sicherheitskreisen. «Bedingung ist aber, dass die Hilfe mit der libanesischen Armee koordiniert wird.»

Der Funkkontakt zur Unglücksmaschine war schon kurz nach dem Start abgerissen. Augenzeugen sahen daraufhin so etwas wie eine Explosion. Ein Tankwart, der an einer Tankstelle beim Flughafen Dienst tat, sagte: «Es herrschten heftiger Regen und Wind, und plötzlich sah ich den Himmel von einem orangenen Feuerball erleuchtet.»

Der Libanon ist ein Land, das nach Jahrzehnten auf- und abflammender Kriege und Bürgerkriege in eine schwierige Normalität zurückzufinden versucht. Die zivile Katastrophe vor der Küste des Landes löste einen Schock und Trauer aus. Die Regierung erklärte den Montag zum nationalen Trauertag.

Luftverkehr / Unfälle / Libanon
25.01.2010 · 20:00 Uhr
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