Lass die Vorlage hinter dir: Filme, die Serien frei interpretieren

Wenn aus Kinderserien und Familien-Fantasystoff Horror wird und aus Vorschulbildung ein Meta-Abenteuer ...

Dass eine Fernsehserie langfristig ihr Genre wechselt, obwohl es sich bei ihr nicht um eine Anthologieserie handelt, ist eher selten. Aber es kommt vor. Ein legendäres Beispiel dafür ist die Sitcom Alle unter einem Dach, die anfangs von einer durchschnittlichen afro-amerikanischen Familie und ihren alltäglichen Problemen erzählte. Doch dann kam Nachbarsjunge Steve Urkel, wurde immer beliebter und immer schräger und schlussendlich wurde er zu einem verrückten Wissenschaftler, der der Serie Sci-Fi-Comedy-Elemente verlieh. Charakterwandlungsmaschinen, Klone und Zeitreisen nahmen Einzug in der Serie. Ähnliches geschah mit Baywatch Nights, das schlicht als Spin-off mit Krimi-Elementen gedacht war, dann aber zu einem Akte X-Abklatsch mutierte.

Solche Genrewechsel widerfahren Serien zuweilen auch, wenn sie als Film adaptiert werden. Die Krimiserie mit Actionelementen Starsky & Hutch und das Krimidrama 21 Jump Street etwa wurden berühmterweise zu Action-Comedyfilmen – im erstgenannten Fall fanden die Kritik und das zahlende Publikum dies durchwachsen, im zweiten Fall wurde daraus ein satter Überraschungserfolg, der sogar eine Fortsetzung nach sich zog.

Vergangenes Jahr begab sich Dora und die goldene Stadt auf einen ähnlichen Pfad: Als quirlige, mit Meta-Gags bespickte Abenteuerkomödie für Tweens und Teenies ist James Bobins' Film zur Vorschulserie Dora zwar kein völliger Bruch mit der Vorlage – dennoch ist sie aus anderem Holz geschnitzt (und auch für Nicht-Kenner des Originals ein Vergnügen).

2019 ging zudem The Banana Splits Movie ganz neue Wege für einen Film-zur-Serie: Der TV-Film basiert auf der 1960er-/1970er-Kindersendung The Banana Splits Adventure Hour. Während die Vorlage eine kinderorientierte Unterhaltungsshow mit Musik, Sketchen, Trickfilmen und großen, freundlichen, kostümierten Gastgebern war, ist der Film-zur-Serie ein erwachsenenorientierter Horrorfilm. Darin besucht eine Familie die Aufzeichnung einer neuen The Banana Splits Adventure Hour-Sendung, als urplötzlich alles brutal schief geht und die flauschigen Titelhelden auf Menschenjagd gehen …

Und aktuell versucht der Blumhouse-Horrorfilm Fantasy Island, das Kinopublikum zu erschrecken. Dabei basiert er auf der gleichnamigen Fantasy-Familienserie, die von 1977 bis 1984 produziert wurde und 1998 ein kurzlebiges Remake erhielt. Die Serien drehen sich um die Ferieninsel eines gönnerhaften, mysteriösen Millionärs, auf der Menschen ihre größten Wünsche erfüllt bekommen (und meistens erkennen, dass sie eigentlich nach anderem streben als sie dachten). In Deutschland ist die Serie nicht all zu bekannt, wurde aber 1990 bis 1991 mit einer hiesigen Adaption bedacht – dem ZDF-und-ORF-Format Insel der Träume.
Magazin / Hintergrund / Schwerpunkt
26.02.2020 · 13:35 Uhr
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