Lamplight City: Ein Steampunk-Detektivabenteuer

Nachdem wir vor einigen Wochen Unforeseen Incidents getestet haben, kommt nun mit Lamplight City der nächste Titel vom Publisher Application Systems Heidelberg. Das Spiel, welches von Grundislav Games entwickelt wurde, ist erneut ein Adventure. Dieses Mal geht es allerdings nicht um eine zeitgenössische Verschwörung, sondern in ein fiktives England des 19. Jahrhunderts. Was genau das mit sich bringt, findet ihr in den nächsten Zeilen heraus.

Wo sind die Geisterjäger, wenn man sie mal braucht?

Herzlich willkommen in New Bretagne im Jahre 1844. Die Straßen sind düster, am Himmel schwebt ein dampfbetriebenes Flugschiff und unsere zwei Privatdetektive Miles Fordham und Bill Leger sitzen in einer Kutsche auf dem Weg zu einem neuen Fall. In letzter Zeit wurde häufiger in immer denselben Blumenladen eingebrochen. Nach einer kurzen Untersuchung der Szenerie wird klar, wie der Dieb unbemerkt in den Laden kommt, so dass die beiden Spürnasen ihm auflauern. Tragischerweise kommt Bill dabei ums Leben und Miles fällt in ein tiefes Loch. Große Fälle übernimmt er nicht mehr und Schlaflosigkeit plagt ihn, da Bills Stimme ihn noch immer verfolgt und all sein Handeln gewohnt schnippisch kommentiert. Miles kommt erst zur Ruhe, wenn er wieder zu alter Form zurückfindet und den Dieb, dessen Überfall Bill mit seinem Leben bezahlte, gefasst wird.

Lamplight City erzählt die darauf folgenden Fälle dabei interessant und spannend wie einen guten Krimi. Miles muss Informationen sammeln, indem er mit seiner Vorgesetzten, die ihm die Fälle zuschiebt, und mit möglichen Verdächtigen und Opfern redet. Nach und nach kommen damit immer mehr Einzelheiten in euer Notizbuch zusammen, was euch hilft, die Geschehnisse zu entschlüsseln. New Bretagne wirkt dabei wie eine lebendige, in sich schlüssige Stadt, selbst wenn ihr immer nur vereinzelte Bereiche besuchen dürft. Das Steampunk-Setting stellt sich euch sehr subtil dar. Meist im Hintergrund seht ihr vereinzelte Dampfmaschinen oder bekommt die Ablehnung mancher Menschen gegenüber dieser Technik mit. Ihr bekommt hier nichts mit dem Holzhammer serviert, sondern erschließt die Welt in eurem Tempo und nach eurem Interesse.

Ein Klick sie zu knechten

Das Besondere an Lamplight City ist dabei, dass es komplett ohne Inventar funktioniert. Jedes Rätsel lässt sich durch einfaches klicken lösen. Sammelt Miles doch mal einen Gegenstand auf, könnt ihr diesen in Gesprächen thematisieren oder er wird an der passenden Stelle von selbst eingesetzt. Zu simpel werden die Knobeleien damit trotzdem nicht, Ihr Fokus wird einfach größtenteils auf die stark geschriebenen Dialoge gelegt. Wie man es von einem Privatdetektiv erwarten würde, müsst ihr einfach mehrmals mit den anwesenden Personen sprechen, um an Informationen zu kommen. Erzählen sie euch anfangs nicht genug, müsst ihr eben weitere Hinweise sammeln, mit denen ihr sie dann konfrontieren könnt.

Verhaltet ihr euch allerdings zu plump und unbedarft, könnt ihr es euch mit wichtigen Zeugen auch verscherzen und die Option auf ewig verbauen. Es kommt damit aber nicht zu einem Game Over, sondern zu einem anderen Ausgang des Falls. Es besteht immer die Möglichkeit, mehrere Personen für ein Verbrechen verantwortlich zu machen. Leider ist immer sehr schnell offensichtlich, ob eine Lösung falsch oder richtig ist. Wenn ihr also die falsche Person ausliefert, dann nicht, weil ihr euch wegen fehlender Informationen nicht sicher seid, sondern weil ihr etwas merklich verbockt habt oder den alternativen Ausgang sehen wollt.

Verbockt ihr jeden Fall, kommt es sogar zu einem schlechten Ausgang des gesamten Spiels. Es wäre allerdings wesentlich reizvoller, wenn dies im Vorhinein weniger offensichtlich wäre. Wollt ihr einen schlechten Ausgang vermeiden, empfiehlt es sich allerdings, regelmäßig zu speichern. Sonst explodiert euch beispielsweise schneller ein wichtiger Gegenstand, als euch lieb wäre und ihr könnt der tatsächlichen Lösung des Falls nicht mehr näher kommen.

Lamplight City: L.A. Noire im Retro-Look?

Das ist allerdings nur ein kleiner Makel, der durch die Qualität der Fälle und der Geschichte im Gesamtkontext gerne beiseitegeschoben werden kann. Die gesamte Präsentation von Lamplight City weiß zu überzeugen. Die interessanten Charaktere und gut geschriebenen Dialoge werden allesamt mit guten Synchronsprechern und –sprecherinnen vertont. Die deutsche Übersetzung der Texte war zum Testzeitpunkt noch nicht vollständig abgeschlossen, aber auch hier wussten die Ansätze zu gefallen. Hinzu kommt eine Pixeloptik, die an die alten Klassiker von Lucas Arts wie The Dig oder Indiana Jones erinnert.

In wichtigen Dialogen wechselt das Spiel dann in eine Portrait-Ansicht. Links seht ihr Miles Gesicht, rechts das der zu befragenden Person. Diese Gespräche wirken wie eine Amiga-Version von L.A. Noire, wenn die Augen ertappt zur Seite blicken und der Mund sich blockig verzieht. Ich habe mich direkt an Dialoge aus alten Amiga-Klassikern wie Burntime zurückversetzt gefühlt, auch wenn der Detailgrad hier sicher einiges höher ist. Der entspannte Soundtrack, der fast schon unbemerkt im Hintergrund spielt, lässt euch völlig im viktorianischen Steam-Punk England versinken. So merkt ihr nach ein, zwei gelösten Fällen erst, dass ihr schon einige Stunden vor dem Rechner hockt.

Fazit

Lamplight City ist ein großartiges Adventure, das mit seiner unkonventionellen Gameplayentscheidung, auf ein Inventar zu verzichten wunderbar zugänglich ist. Auch wenn die unterschiedlichen Ausgänge der Fälle zu einfach in richtig und falsch einzuteilen sind, könnt ihr hier einen spannenden und gut geschriebenen Krimi spielen. Das Spiel weiß nämlich ansonsten auf allen Ebenen zu überzeugen. Die dialoglastigen Rätsel haben einen angenehmen Schwierigkeitsgrad, wobei Bills Kommentare aus dem jenseits den nötigen Humor einfließen lassen. Durch die unterschiedlichen Ausgänge gibt es außerdem kaum eine Möglichkeit, dass ihr irgendwo hängen bleibt und nicht mehr weiterkommt. Unterfordert fühlt ihr euch trotzdem nicht, wenn ihr die Fälle mit gutem Ausgang abschließen wollt. Das Spiel ist nur zu empfehlen und wenn ihr generell Freunde von Point&Click Adventures seid, ist Lamplight City definitiv Pflichtprogramm!

Gaming
[next-gamer.de] · 13.09.2018 · 13:00 Uhr
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