Krisenmodus: Ist die Tesla-Aktie jetzt nicht mehr überteuert?

• Tesla ist Teil der konjunkturempfindlichen Automobilbranche
• Aktie des Elektroautobauers verliert deutlich an Wert
• Rutscht Tesla in die Rezession?

Noch Anfang Februar herrschten die Tesla-Bullen am Aktienmarkt: Innerhalb weniger Wochen verdoppelte sich der Aktienkurs und schnellte auf ein neues Rekordhoch bei 968,88 US-Dollar. Doch von diesen Kurshöhen ist seit etlichen Tagen nichts mehr zu sehen. Zuletzt hatte sich die Aktie des US-Elektroautobauers um über 55 Prozent von ihrem jüngsten Höchststand entfernt (Stand ist der Schlusskurs vom 17. März 2020).

Bernstein: Realistische Bewertung der Tesla-Aktie?

Während des Abverkaufs der vergangenen Tage zeigte sich die Privatbank Bernstein weiterhin skeptisch. Am Montagmorgen veröffentlichte Analyst Toni Sacconaghi eine Notiz, die MarketWatch vorliegt. In dem Schreiben kritisierte der Bernstein-Analyst die hohe Bewertung der Tesla-Aktie, die seinem Empfinden nach noch bis letzten Freitag bestanden habe. Dieses Niveau habe "die Bereitschaft der Bullen wider[gespiegelt], den im Entstehen begriffenen Märkten wie Batterietechnologie, Lastkraftwagen, Selbstfahrer und Solaranlagen zusätzliche Optionen zuzuschreiben."

Doch inzwischen hat sich die Tesla-Aktie im Strudel des Corona-induzierten Ausverkaufs noch weiter verbilligt. Seine am Montag noch als realistisch eingestufte Bewertung wäre aktuell erreicht - am Dienstag schloss das Papier mit 430 US-Dollar, am Mittwoch bewegt sich der Kurs bei um die 390 US-Dollar: "Eine Basisbewertung von 300-500 Dollar für Teslas Autogeschäft könnte realistischer sein," zitiert MarketWatch aus dem Schreiben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Tesla-Aktie im gegenwärtigen Marktumfeld einen fairen Preis erreicht haben könnte. Das Kursziel beließ Sacconaghi zwar auf 730 US-Dollar, stellte aber auch fest, dass Tesla in der aktuellen Marktposition nicht sonderlich gut positioniert sei.

Krisenmodus bei Tesla

Denn die Panik, welche rund um die Corona-Pandemie herrscht, zieht immer weitere Kreise und sorgt anhaltend für fallende Kurse an den Aktienmärkten - so auch bei der Tesla-Aktie. Schuld tragen auch Maßnahmen, die einerseits die Ausbreitung des Virus verlangsamen sollen, aber andererseits zu Lasten der Unternehmen gehen, was auch Tesla betrifft. So beschlossen die Behörden in Kalifornien, dass der Autobauer seine Produktion vorübergehend stoppen muss. Seit Dienstag gilt dort außerdem eine dreiwöchige Ausgangssperre. "Tesla ist nach der Gesundheitsanweisung des Alameda Counties kein wesentliches Geschäft", erklärte ein Sprecher des Sheriffs. Dabei fuhr Tesla gerade erst die Produktion des neuen Hoffnungsträgers Model Y hoch - dieser sollte, wie Elon Musk einst äußerte, die Verkaufszahlen des Model 3 toppen. Doch davon muss sich der Tesla-Chef wohl erst einmal verabschieden.

Bärenszenario - Tesla-Aktie auf 90 Dollar?

Generell scheint es so, als hätten sich die Zeiten für den Techgiganten rapide geändert. Der sinkende Ölpreis ist ebenso ein Thema wie die polarisierende Persönlichkeit Musks. Wie die New York Post berichtet, fürchtet Gordon Johnson von GLJ Research, dass die "niedrigen Ölpreise sehr schlecht für alternative Energien sind." Deshalb schätzt er, dass weniger Leute Elektroautos kaufen könnten. Der Börsenliebling und Shortseller-Magnet Tesla hatte ansonsten eigentlich insbesondere eines in petto: Konzernchef Elon Musk. Der ambitionierte Milliardär euphorisierte Tesla-Fans immer wieder aufs Neue. Doch auch dieser Zauber scheint in Zeiten der Coronakrise seine Kraft zu verlieren und die Aktie nicht vor dem Fall bewahren zu können. "Dieser ganze Heiligenschein um Elon Musk wird verschwinden", ergänzte Johnson. Er zeigt sich besonders pessimistisch für das Papier des US-Autokonzerns: Auf bis zu 200 US-Dollar soll der Kurs sinken - für nächsten Jahr könne es sogar auf um die 90 US-Dollar runtergehen, gibt die NYP den Tesla-Bären wieder.

Vom letzten Schlusskurs wäre das in 2020 ein weiteres Abwärtspotenzial von über 50 Prozent. Nun bleibt abzuwarten, ob und wenn ja wie schnell dieser Tiefstand auf dem Niveau von Anfang Juni 2019 erreicht wird.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 19.03.2020 · 13:20 Uhr
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