Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

21. Januar 2024, 22:44 Uhr · Quelle: dpa
Die Ukraine hat angeblich einen Markt in Donezk auf von russischen Truppen besetztem Gebiet angegriffen. Zudem sollen ukrainische Drohnen im Oblast Leningrad ein Gasterminal in Brand gesetzt haben. Der Überblick.

Donezk (dpa) - Beim Beschuss eines Marktes in der von russischen Truppen besetzten ostukrainischen Stadt Donezk sind nach örtlichen Behördenangaben mindestens 27 Menschen getötet worden. Es gebe auch 25 Verletzte, teilte der Chef der von Russland annektierten Region Donezk, Denis Puschilin, am Sonntag mit. Die Behörden hatten die Angaben zu Toten und Verletzten immer weiter nach oben korrigiert. Auch in anderen Teilen der Region Donezk habe es weitere Opfer ukrainischer Angriffe gegeben, teilte Puschilin mit. Er bezifferte die Gesamtzahl der Toten damit auf 28, die der Verwundeten auf 30.

Von ukrainischer Seite gibt es bisher keine Reaktion. Die Angaben sind von unabhängiger Stelle nicht überprüfbar. Laut Puschilin wurde der Markt am Morgen beschossen, als dort viele Menschen Sonntagseinkäufe erledigten.

Auch einige ukrainische Medien verbreiteten Fotos und Videos von einem verwüsteten Markt. Das russische Staatsfernsehen zeigte Bilder einer schweren Explosion. In den Aufnahmen, deren Echtheit nicht überprüft werden kann, sind auch auf der Straße liegende Menschen zu sehen. Unter den Schwerverletzten seien auch zwei Kinder, sagte Puschilin. Er sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus.

Der Donezker Bürgermeister Alexej Kulemsin nannte den Beschuss durch die ukrainischen Streitkräfte ein «barbarische Attacke» auf einen zivilen Bereich der Stadt. Laut Behörden gab es dort kombinierte Artillerieschläge mit großkalibriger Munition.

Vorwürfe gegen Ukraine und Westen aus Moskau

Das russische Außenministerium warf dem «Kiewer Regime» ein Kriegsverbrechen vor; mit Hilfe der USA und ihrer Verbündeten sei erneut ein Terroranschlag gegen die Zivilbevölkerung verübt worden. Russland kritisiert immer wieder die westlichen Waffen- und Munitionslieferungen an die Ukraine, die die Hilfe vor allem für die Verteidigung gegen Moskaus Angriffskrieg nutzt.

Der Markt in Donezk sei mit den vom Westen gelieferten Waffen aus der ostukrainischen Stadt Awdijiwka beschossen worden, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums in Moskau. Das zeige nicht nur erneut, dass der Westen verwickelt sei in den Krieg, sondern auch den «Hass» des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gegen die Menschen in Donezk. Russland forderte die internationale Gemeinschaft auf, das Verbrechen an den Zivilisten zu verurteilen. Schweigen hingegen könne Selenskyj zu neuen Gräueltaten ermutigen, hieß es.

Gasterminal in Russland in Brand geraten

Auf dem Gelände des russischen Erdgasproduzenten Novatek im Gebiet Leningrad ist in der Nacht zu Sonntag ein Terminal in Brand geraten. Verletzte habe es durch das Feuer im Ostseehafen Ust-Luga nicht gegeben, das Personal sei evakuiert worden, sagte der Gouverneur der Region, Alexander Drosdenko, laut Nachrichtenagentur Tass. Im Bezirk Kingisepp sei höchste Alarmbereitschaft ausgerufen worden. Ust-Luga liegt nahe der Grenze zum Nato-Mitglied Estland.

Das ukrainische Onlinemedium «Ukrajinska Prawda» berichtete am Sonntagnachmittag unter Berufung auf Quellen in der Führung in Kiew, dass der Zwischenfall Ergebnis einer «Spezialoperation» des ukrainischen Geheimdienstes sei. Das Terminal sei mit Drohnen angegriffen und in Brand gesetzt worden. Eine Bestätigung oder Erklärung von russischer Seite dazu gibt es bisher nicht. Allerdings riefen die Behörden des Gebiets Leningrad am Sonntagabend zu erhöhter Wachsamkeit rund um Objekte der kritischen Infrastruktur auf, wie die Staatsagentur Tass berichtete.

Die «Ukrajinska Prawda» veröffentlichte auf der Plattform X (vormals Twitter) Videos, auf denen die in Brand geratene Gasanlage zu sehen sein soll. Auf den Aufnahmen ist zu erkennen, wie Flammen hoch in den nächtlichen Himmel schlagen.

Berichte über russische und ukrainische Luftangriffe

Die Fronten im Osten und Süden der Ukraine wurden von einer Reihe von Angriffen sowohl der ukrainischen als auch der russischen Luftwaffe erschüttert. Wie der ukrainische Generalstab in Kiew am Sonntagabend berichtete, seien neun Ziele des russischen Militärs angegriffen worden. Dabei seien mehrere Artilleriestellungen sowie ein Flugabwehrsystem und eine Befehlsstelle zerstört worden. Die Angaben können bisher nicht unabhängig geprüft werden.

Zugleich berichtete der Generalstab in Kiew auch von einer Serie russischer Attacken. Bei den 69 Luftangriffen und durch Beschuss mit Raketen und Mehrfachraketenwerfern habe es erneut Opfer gegeben, ebenso wie neue Zerstörungen an Wohnhäusern und ziviler Infrastruktur. Genaue Orte und Zahlen wurden nicht genannt.

Selenskyj: Russland wird sich verantworten müssen

Nach einer Serie russischer Angriffe auf ukrainische Städte und Dörfer mit zahlreichen Opfern hat Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigt, dass sich Russland dafür verantworten müsse. «Russland wird für all diesen Terror zur Rechenschaft gezogen werden», sagte der ukrainische Staatschef in seiner allabendlichen Videoansprache. «Ohne die Entscheidungen Moskaus, diese Aggression und diesen Terror auszulösen, wären Abertausende von Menschen heute noch am Leben.» Daher müssten sowohl die individuellen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sowie der gesamte russische Staat. «Russland muss lernen und sich immer daran erinnern, dass der Aggressor am meisten durch Aggression verliert.»

Selenskyj berichtete von einer neuen Serie russischer Angriffe am Sonntag, ähnlich wie zuvor bereits der Generalstab in Kiew mitgeteilt hatte. «Die heftigsten Kämpfe gab es im Sektor Awdijiwka sowie in Bachmut, Marjinka, Kupjansk und im Süden der Ukraine», sagte Selenskyj. «Allein an diesem Tag beschossen russische Unmenschen mehr als 100 Städte, Ortschaften und ukrainische Dörfer in neun Regionen: von Tschernihiw und Sumy bis Mykolajiw und Kirowohrad.»

Litauen und Polen wollen militärisch enger zusammenarbeiten

Indessen wollen Litauen und Polen ihre Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich ausbauen. «Wir werden die militärische Kooperation stärken. Wir werden gemeinsame Übungen abhalten, wir werden nach zusätzlichen Formen für die gemeinsame Ausbildung unserer Streitkräfte suchen, wir werden die militärische Mobilität stärken», sagte der litauische Präsident Gitanas Nauseda nach einem Treffen mit seinem polnischen Kollegen Andrzej Duda in Vilnius.

Litauen und Polen grenzen an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad und an Russlands engen Verbündeten Belarus. Die Nachbarländer sorgen sich vor einer Ausweitung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Zwischen den beiden EU- und Nato-Staaten verläuft ein schmaler Landkorridor - die sogenannte Suwalki-Lücke. Russland könnte das Baltikum durch dessen Einnahme vom restlichen Nato-Gebiet abschneiden. Duda betonte, dass der Suwalki-Korridor besondere Aufmerksamkeit, Überwachung und Konzentration erfordere.

Nordkorea: Putin bereit für baldigen Besuch

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nordkoreanischen Angaben zufolge seine Bereitschaft erklärt, das isolierte kommunistische Land bald zu besuchen. Putin habe sich für die Einladung für einen Besuch Pjöngjangs bedankt und seine Bereitschaft bekundet, Nordkorea zu einem baldigen Zeitpunkt zu besuchen, berichtete Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Man sei bereit, «den engsten Freund des koreanischen Volkes mit größter Aufrichtigkeit zu begrüßen».

Im Ausland wird die Annäherung zwischen Moskau und Pjöngjang mit großem Misstrauen gesehen. Im Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Russland nicht nur Artilleriemunition, sondern zuletzt angeblich auch ballistische Raketen aus Nordkorea eingesetzt. Befürchtet wird, dass Russland dem diktatorisch regierten Land in Fernost technisch bei dessen Waffenprogrammen helfen könnte.

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21.01.2024 · 22:44 Uhr
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