Konjunkturprogramm für den Onlinehandel

Konjunkturprogramm für den Onlinehandel / Bildquell: pixabay.com
Braunschweig, 19.01.2021 (PresseBox) - .
Eigentlich war 2020 für Logistikunternehmen trotz aller Schwierigkeiten ein gutes Jahr. Denn in Corona-Zeiten blühte der Onlinehandel auf. Und das aktuelle Jahr wird wieder speziell.
Von Dirk Mewis

Das gefürchtete Brexit-Chaos haben die Logistikunternehmen schon kurz vor dem Brexit kennen gelernt. Am Ärmelkanal, der Scheide zwischen Großbritannien und dem Kontinent, regierte in der vorletzten Dezemberwoche das Chaos. Lastwagen stauten sich kilometerlang vor dem Hafen von Dover und auf dem Gelände eines stillgelegten Flughafens. Viele Fahrer schafften es Weihnachten nicht mehr nach Hause. Kontinentaleuropa hatte Grenzen geschlossen, als bekannt wurde, dass sich eine hoch ansteckende Coronavirusmutation in Britannien grassierte.

Wiederholen sich diese Superstaus jetzt, da Großbritannien aus dem Binnenmarkt und der EU-Zollunion ausscheidet? Der eigentliche Brexit ist ja schon fast ein Jahr her. Aber erst jetzt wird sichtbar, was er bedeutet. Es wird Zoll- und Warenkontrollen geben, zumindest auf dem Weg hinein ins vereinte Europa. Und 2021 wird wieder strapaziös für die Logistiker.

Bereits seit Wochen verstopfen Container die britischen Häfen, da Unternehmen ihre Bestände noch vor möglichen Zollkontrollen aufgefüllt haben. Höhere Preise und langsame Lieferungen sind die Folge. „Auch im Pharmabereich laufen Warenströme von Europa nach Großbritannien und zurück. Hier gibt es besonders hohe Anforderungen an die Logistik, damit die Versorgung mit medizinischen Gütern, darunter Impfstoffen, nicht abreißt“, stellt Helen Dickinson, Chefin des Handelsverbandes BRC, fest.

Gleichzeitig schießen jetzt die Transportkosten in die Höhe: Teilweise würden für Container 25 Prozent mehr verlangt als eine Woche zuvor, Häfen verlangten zudem Staugebühren. Unternehmen hätten bereits Hunderttausende Pfund verloren, rechnet BRC-Chefin Dickinson aus. Etliche Auto- und andere Firmen haben daher angekündigt, den Betrieb in den kommenden Wochen ruhen zu lassen. Das große Chaos an den Grenzen wird deshalb voraussichtlich erst im Februar voll sichtbar werden.

Der Bote wird zum Pandemie-Bekämpfer

Im vergangenen Jahr haben Trucker, Schiffer, Eisenbahner, Flugzeugkapitäne und Paketboten während diverser Lockdowns im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter fast immer verlässlich geliefert. Und multinationale Lieferketten instandgehalten, obwohl es am Anfang nicht so aussah.

Im Januar standen plötzlich zentrale Häfen in China still und im März machten europäische Staaten reihenweise ihre Grenzen dicht, selbst zu den befreundeten Nachbarländern. Etablierte Lieferketten brachen plötzlich zusammen. Aber die chinesische Wirtschaft startete schon bald wieder durch und die Europäer einigten sich unter Führung der EU schnell auf freie Fahrt für den Güterverkehr.

Fluggesellschaften rüsteten Passagiermaschinen um, die sie ohnehin nicht mehr brauchten, um stattdessen Masken zu transportieren oder anderes dringend benötigtes medizinisches Material. Und dann zog im Herbst der Welthandel mit Industrie- und Konsumgütern abrupt wieder so stark an, dass viele Containerschiffe randvoll waren und die Frachtraten langjährige Rekorde brachen. „Ein merkwürdiges Jahr“, bilanziert Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. Und für einige Unternehmen war es sogar ein hochprofitables Jahr.

So bescherte das Corona-Jahr 2020 der Deutschen Post DHL ein Rekordergebnis. Nach vorläufigen Zahlen sei das Ebit-Ergebnis des Konzerns auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen – und hat damit die Ergebnisprognose deutlich übertroffen. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Ergebnisprognosen für die nächsten Jahre. Die Post profitierte stark vom Anstieg des weltweiten E-Commerce und steigerte den Konzernumsatz im Pandemie-Jahr um fünf Prozent auf 66,8 Milliarden Euro. Der Anstieg der Sendungsmenge im Express- sowie im nationalen und internationalen Paketgeschäft hatte sich im Weihnachtsgeschäft noch einmal beschleunigt.

2021 wird ebenfalls wieder speziell. Nun müssen Impfstoffe durch die Welt transportiert werden: Milliarden von Dosen, teils in Kühlcontainern, die 70 Grad unter null konservieren können, bisweilen in die entlegensten Winkel des Planeten. Zu Wasser, zu Lande, in der Luft. Wie schnell und wie sicher wie viele Menschen geimpft werden können, das hängt auch maßgeblich an Transporteuren. Daran, ob sie wieder so zuverlässig wie 2020 liefern werden. Der Bote wird zum Pandemie-Bekämpfer.

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Logistik
[pressebox.de] · 19.01.2021 · 17:20 Uhr
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