Konjunkturerwartungen steigen: Hoffnung auf Ende des Iran-Kriegs

Positive Impulse aus dem Nahen Osten
Die jüngsten Entwicklungen im Iran-Konflikt haben zu einer unerwarteten Erholung der Konjunkturerwartungen unter Finanzmarktteilnehmern geführt. Laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg das Stimmungsbarometer im Juni um beeindruckende 20,7 Punkte auf einen Wert von plus 10,5 Punkten. Diese positive Wendung übertraf die Erwartungen von Volkswirten, die im Durchschnitt lediglich mit einem Anstieg auf minus 5,5 Punkte gerechnet hatten.
Ein Rückblick auf die vergangenen Monate
In den Vormonaten war der Iran-Krieg ein erheblicher Belastungsfaktor für die Marktstimmung. Im Februar lag der Stimmungsindikator noch bei fast 60 Punkten, bevor Sorgen über hohe Energiepreise und mögliche Versorgungsengpässe zu einem dramatischen Rückgang führten. ZEW-Präsident Achim Wambach äußerte sich optimistisch und verwies darauf, dass die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts den Druck auf die Energiepreise und die Inflation verringern könnte. Dies würde sowohl der energieintensiven Industrie als auch den privaten Haushalten zugutekommen.
Aktuelle Lage bleibt angespannt
Trotz der positiven Entwicklung in den Konjunkturerwartungen hat sich die Bewertung der aktuellen Lage weiter verschlechtert. Der entsprechende Indikator fiel um 3,2 Punkte auf minus 81,0 Punkte, was die Sorgen der Ökonomen widerspiegelt, die einen noch stärkeren Rückgang auf 78,0 Punkte prognostiziert hatten. Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen weist darauf hin, dass die positiven Entwicklungen im Nahen Osten noch nicht vollständig in der Umfrage reflektiert sind.
Langfristige Auswirkungen des Konflikts
Die ZEW-Umfrage, die vom 8. bis 15. Juni unter 190 Experten durchgeführt wurde, fand in einem kritischen Moment statt. In der Nacht zum Montag einigten sich die USA und der Iran nach intensiven Verhandlungen auf ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Krieges, was die Ölpreise erheblich unter Druck setzte. Dennoch warnt Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank, dass der Krieg im Nahen Osten weiterhin eine Belastung für die konjunkturelle Entwicklung darstellen wird. Auch wenn ein Frieden zwischen den USA und dem Iran in Aussicht steht, ist der konjunkturelle Schaden bereits angerichtet und wird voraussichtlich noch lange spürbar bleiben.

