Die Lage im Überblick

Konflikt im Nahen Osten weitet sich aus

25. Juli 2026, 17:21 Uhr · Quelle: dpa
Iran-Krieg - Jemen
Foto: Abdulnasser Alseddik/AP/dpa
Erneut wurde ein Schiff im Roten Meer attackiert. (Archivbild)
Nach Luftangriffen im Jemen schwört die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz Rache gegen Saudi-Arabien. Wie wird US-Präsident Trump im eskalierenden Konflikt im Nahen Osten weiter vorgehen?

Sanaa/Riad/Washington/Teheran (dpa) - Der Konflikt im Nahen Osten weitet sich aus. Nach Luftangriffen einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen schwor die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz dem benachbarten Königreich Vergeltung. Die Angriffe auf zivile Ziele würden «nicht ungestraft bleiben», zitierte die von der Schiitenmiliz kontrollierte Nachrichtenagentur Saba deren Mitteilung auf der Plattform Telegram. Die Abschreckungsformel sei klar: Eskalation werde mit Eskalation beantwortet. 

Nach Angaben des iranischen Senders Press TV gab es in der Nacht Gegenangriffe der Huthi in mehreren Gebieten Saudi-Arabiens. Demnach gab es unter anderem Explosionen in der Hafenstadt Yanbu. Auch die Küstenstadt Dschisan soll mit Raketen attackiert worden sein. Der saudi-arabische Zivilschutz erklärte kurze Zeit später auf der Plattform X, die Gefahr in Yanbu sei vorbei. Der Militärsprecher der vom Iran unterstützten Miliz sagte später zudem, Anlagen des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco in den Städten Dschisan und Yanbu seien mit Dutzenden Raketen und Drohnen angegriffen worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Neue Front im Nahost-Konflikt

Die Eskalation markiert eine neue Front in dem Konflikt im Nahen Osten, der die Region seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran im Februar erfasst hat. Zusätzlich zur Blockade der Straße von Hormus durch Teheran spitzt sich nun auch die Lage im Roten Meer zu. Als Reaktion auf den erneuten Beschuss eines unter saudi-arabischer Flagge fahrenden Schiffes im Roten Meer attackierte die Saudi-Koalition «legitime militärische Ziele» in der jemenitischen Provinz Hudaida, wie Koalitionssprecher Turki al-Maliki auf X schrieb. Huthi-nahe Medien meldeten Angriffe in der gleichnamigen Hafenstadt Hudaida. 

Einrichtungen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft in Hudaida seien ebenso getroffen worden wie die Insel Kamaran. Andere Berichte sprachen auch von Angriffen auf den Hafen, was Al-Maliki verneinte. Anwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur jedoch von mehreren Luftangriffen und Explosionen in der Umgebung des Hafens. Flammen und dichte Rauchwolken seien aufgestiegen, hieß es. Ein den Huthi nahestehender Fernsehsender bezeichnete die Angriffe als «saudi-arabische Aggression».

Wieder Angriff auf Schiff im Roten Meer

Zuvor war bei dem Angriff im Roten Meer der Rumpf des unter saudi-arabischer Flagge fahrenden Schiffes «NCC Masa» leicht beschädigt worden, wie die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf eine Quelle in der Verkehrsbehörde berichtete. In der Nacht zum Donnerstag war bereits der saudi-arabische Öltanker «Encelia» angegriffen worden. Die schiitischen Huthi reklamierten zwei Angriffe auf Öltanker des sunnitischen Königreichs für sich.

Die Saudi-Koalition wirft der Miliz «maritimen Terrorismus» vor. Der Konflikt zwischen den Huthi und der Regionalmacht hatte sich zuletzt erneut zugespitzt. Die Huthi hatten am Montag eine «Blockade» für saudi-arabische Schiffe angekündigt - rund eine Woche nach einer neuen Konfrontation mit dem benachbarten Königreich, mit dem die Miliz seit mehr als zehn Jahren Krieg führt. Zum erneuten Angriff auf ein Schiff äußerte sich die Miliz zunächst nicht. 

Mit der Verhängung einer Blockade gegen saudi-arabische Öllieferungen durch das Rote Meer und dem Beschuss von Schiffen wollen die Huthi einen zweiten Seeweg praktisch abschneiden: die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet und mit der Straße von Hormus zu den weltweit wichtigsten Schifffahrtswegen zählt. 

Während die Straße von Hormus im Osten der Arabischen Halbinsel liegt, wo es im Iran-Krieg wiederholt zu Angriffen auf Öltanker und andere Handelsschiffe kommt, liegt Bab al-Mandab («Tor der Tränen» oder «Tor der Klagen») im Westen der Halbinsel. Durch diese Meerenge führt der Seeweg von Asien über den Suezkanal nach Europa. Sie hat als Umgehungsroute für die Straße von Hormus etwa bei saudi-arabischen Ölexporten zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Sorge vor Ausweitung des Iran-Kriegs

Die Huthi-Miliz kontrolliert im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von dort aus kann sie mit ihren Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen. Es besteht daher die Sorge, dass die Huthi im Falle einer weiteren Eskalation im Iran-Krieg zwischen Washington und Teheran mit ihren Angriffen den Schiffsverkehr durch den Suezkanal zum Erliegen bringen könnten. 

Die Miliz hatte Saudi-Arabien Anfang des Monats vorgeworfen, den Flughafen der Hauptstadt Sanaa angegriffen zu haben, um die Ankunft eines iranischen Flugzeugs zu verhindern. Saudi-Arabien erklärte, die Miliz habe später das Königreich attackiert. Die Angriffe waren die ersten größeren Kampfhandlungen zwischen den Saudis und den Huthi seit Inkrafttreten einer Waffenruhe 2022. 

Bislang keine politische Lösung in Sicht

Die Schiitenmiliz hatte 2014 schrittweise den Norden und weitere Landesteile des Jemens förmlich überrannt und das arme Land auf der Arabischen Halbinsel in einen Bürgerkrieg gestürzt. Saudi-Arabien bekämpft die Miliz zusammen mit Jemens international anerkannter Regierung. Bemühungen um eine politische Lösung scheiterten bisher. 

Sollte es zu neuen schweren Kämpfen zwischen Saudi-Arabien und den Huthi kommen, könnte sich der Iran-Krieg auf das saudi-arabische Königreich ausweiten. Das wiederum würde womöglich auch dazu führen, dass Pakistan - das bisher als Vermittler im Iran-Krieg auftritt - ebenfalls in den Konflikt hineingezogen wird. Pakistan unterhält seit dem vergangenen Jahr ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien.

US-Präsident Donald Trump hatte den Huthi und ihrem Verbündeten Iran am Donnerstag mit Vergeltung gedroht, falls die Miliz erneut Schiffe angreift. «Sollten sie dies erneut tun, werden die USA den Iran zur Rechenschaft ziehen, da die Huthi als Stellvertreter des Irans agieren», teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Er kündigte «schwere militärische Strafen gegen den Iran und natürlich auch gegen die Huthi selbst» an. 

Trump: Sind mit Iran weiter im Gespräch

Einen Tag darauf sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus, die USA führten derzeit weiter Gespräche mit dem Iran. Dabei ließ er offen, ob es sich um direkte Gesprächskanäle handelt oder über Vermittler kommuniziert wird. Man spreche mit unterschiedlichen Personen, sagte Trump bloß.

Nach Informationen des «Wall Street Journals» ist der US-Präsident in den vergangenen Tagen zunehmend skeptisch geworden, ob Verhandlungen mit dem Iran wirklich zu einem dauerhaften Frieden führen können. Die US-Zeitung zitierte einen ranghohen Regierungsbeamten, wonach Trump der Ansicht sei, dass der Iran nur militärische Gewalt verstehe. Der Präsident sehe außer der Fortsetzung der Luftangriffe kaum gute Optionen.

Die USA hatten gemeinsam mit Israel Ende Februar den Krieg begonnen, in dessen Verlauf erhebliche Spannungen zwischen den Verbündeten zutage traten. Am Dienstag wird Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus empfangen.

Krieg / Konflikte / Schifffahrt / Jemen / Saudi-Arabien / USA / Iran / Pakistan
25.07.2026 · 17:21 Uhr
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