Kieler Institut bleibt optimistisch trotz geopolitischer Unsicherheiten

Stabilität in unsicheren Zeiten
Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) zeigt sich trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten optimistisch hinsichtlich der deutschen Wirtschaft. Die Prognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleibt unverändert bei einem Anstieg von 0,8 Prozent für das laufende Jahr. Allerdings wurde die Wachstumsprognose für 2027 von 1,4 auf 1,0 Prozent gesenkt, was auf die dämpfenden Effekte des Iran-Kriegs zurückzuführen ist.
Moritz Schularick, Präsident des IfW, betont die persistierenden Auswirkungen des Konflikts auf die Rohstoffpreise, die die wirtschaftliche Dynamik auch im kommenden Jahr belasten werden. Diese Entwicklungen werfen einen Schatten auf die Erholung der deutschen Wirtschaft, die sich in den letzten Jahren bereits in einer schwierigen Lage befindet.
Bremsende Faktoren und öffentliche Investitionen
Die Sommerprognose des IfW hebt hervor, dass die expansive Finanzpolitik zwar positive Impulse setzen kann, jedoch die Folgen des Iran-Kriegs die wirtschaftliche Dynamik erheblich bremsen. Während die Exporte der deutschen Wirtschaft sich stabilisieren konnten, bleibt eine kräftige Erholung bei Unternehmensinvestitionen und Exporten aus. Stattdessen wird erwartet, dass vor allem der öffentliche Konsum und Investitionsausgaben anziehen, während private Investitionen schwach bleiben und die Beschäftigungsperspektiven eingetrübt sind.
Konjunkturexperte Stefan Kooths warnt, dass die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu einem weiteren Verlust von Weltmarktanteilen führen könnte. Die prognostizierten Zuwächse fallen im Vergleich zu früheren Aufschwüngen mager aus. Ohne umfassende Reformen, die den Standort stärken, könnte die deutsche Wirtschaft in ein stagnierendes Wachstum abdriften, was auch zu verschärften Verteilungskonflikten führen könnte.
Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) teilt die Einschätzung des IfW und sieht den Iran-Krieg als einen zentralen Bremser der deutschen Wirtschaft. Die Unsicherheiten im Golfraum könnten dazu führen, dass die Wirtschaftsleistung im Jahr 2026 schlimmstenfalls stagniert. Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH, hebt hervor, dass das Risiko für die Weltwirtschaft und die deutsche Konjunktur stark vom Fortgang des Konflikts abhängt.
Die Forscher des IWH sind jedoch optimistisch und gehen davon aus, dass sich die Lage entspannen wird, was zu einem Wachstum von 0,9 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 führen könnte.
Belastungen durch steigende Energiepreise
Die Auswirkungen des Konflikts sind bereits spürbar, da die Energiepreise erheblich gestiegen sind. Dies belastet nicht nur die Produktionskosten der Unternehmen, sondern auch die Kaufkraft der Verbraucher. Trotz dieser Herausforderungen droht die Konjunktur nicht einzubrechen, was vor allem den staatlichen Ausgaben- und Investitionsprogrammen zu verdanken ist. Die Forscher erwarten zudem, dass die Exporte nach drei Jahren Rückgang wieder leicht zulegen und auch die privaten Konsumausgaben ansteigen werden.

