KI-Szenarien bis 2030: Der sichere Bürojob wird zum Risiko – die Arbeit am Menschen zum Gewinner
Das Wirtschaftsteam des KI-Unternehmens Anthropic hat drei Wege der US-Wirtschaft bis 2030 durchgerechnet und über 10.000 Menschen befragt. Unter Druck geraten ausgerechnet jene, die sich bislang sicher fühlten: Management, Fachkräfte, Vertrieb und Büro.

11. September 2026, 11:35 Uhr · Quelle: LifePR
KI-Szenarien bis 2030: Der sichere Bürojob wird zum Risiko – die Arbeit am Menschen zum Gewinner
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Wie stark der Effekt ausfällt, hängt davon ab, wie leistungsfähig KI bis 2030 wird. Anthropic rechnet drei Wege durch – die Richtung ist in allen dieselbe
Ein Modell von Anthropic prognostiziert bis 2030 eine Verschiebung der Einkommen von Wissensarbeit hin zu körpernahen Berufen.

Düsseldorf, 11.09.2026 (lifePR) - Jahrzehntelang galt: Wer studiert und im Büro arbeitet, ist auf der sicheren Seite. Ein gestern veröffentlichtes Wirtschaftsmodell des KI-Unternehmens Anthropic – Entwickler der KI Claude – stellt genau diese Gewissheit infrage. Die Ökonomen um Anton Korinek und Chad Jones teilen die Arbeitswelt in zwei Gruppen: Berufe, deren Aufgaben KI übernehmen kann, und alle anderen. In der ersten Gruppe stehen Management, akademische Fachberufe, Vertrieb und Verwaltung – 62 Prozent aller Beschäftigten. In der zweiten stehen Pflege, Handwerk, Bau, Service und Logistik. In jedem der drei Szenarien wächst die Wirtschaft. Und in jedem verschiebt sich das Einkommen von der ersten Gruppe zur zweiten.

Welches Szenario kommt, darauf legt sich Anthropic nicht fest. Die Antworten des typischen Befragten landen beim mittleren Weg, rund zehn Prozent erwarten das extreme Szenario. Ein Detail sollte aufhorchen lassen: Bis 2027 laufen alle drei Kurven nahezu gleich. Erst danach trennen sich die Wege – und zwar schnell.

Wer am meisten verdient, wechselt am schwersten

Die Studie benennt eine unbequeme Asymmetrie. Wer aus einem Büro- oder Verwaltungsjob den Beruf wechselt, findet in 28 Prozent der Fälle eine Stelle außerhalb der Wissensarbeit. Bei Managern und akademischen Fachkräften sind es nur zehn Prozent. Je höher die Position, desto schwerer fällt der Wechsel – und desto länger dauert er, wenn er nicht mehr freiwillig ist.

Hinzu kommt ein Mechanismus, den viele Angestellte aus Konzernen kennen: Löhne sinken selten. Weil Gehälter starr sind, schlägt sinkende Nachfrage nach „Wissensarbeit“ im Modell nicht in niedrigere Löhne um, sondern unmittelbar in Entlassungen. Wer bleiben darf, verdient weiter. Wer geht, sucht lange – im Extremszenario liegt die Arbeitslosigkeit unter ehemaligen Wissensarbeitern bei 17,9 Prozent, weit über jedem Nachkriegswert der USA.

Der Kuchen wächst – das Stück für Arbeit schrumpft

Ein Wert kippt in allen drei Szenarien in dieselbe Richtung: der Anteil des Erwirtschafteten, der bei den Beschäftigten ankommt. Heute entfallen von jedem Dollar Wertschöpfung rund 60 Cent auf Löhne und Gehälter. Bis 2030 sinkt der Arbeitsanteil je nach Szenario auf 59, 56 oder 45 Prozent – obwohl die Wirtschaft in allen drei Fällen wächst. Wohin geht die Differenz? An diejenigen, denen die Unternehmen, Maschinen und Rechenzentren gehören. Für Angestellte heißt das: Wer nur sein Gehalt hat, ist am Wachstum der nächsten Jahre kaum beteiligt – selbst wenn der Job sicher ist.

Einkommen entsteht künftig vor allem an zwei Stellen – dort, wo jemandem etwas gehört, und bei der Arbeit, an die eine Maschine nicht herankommt.

Was bleibt: Arbeit, die KI nicht erreicht

Anthropic erklärt den Unterschied am Beispiel einer Pflegekraft. KI kann ihr beim Dokumentieren, Planen und Bestellen helfen, vielleicht diese Aufgaben ganz übernehmen. Was bleibt, formuliert die Studie in einem Satz: „KI kann keinen Patienten baden.“ Roboter, die körperliche Arbeit übernehmen, klammert das Modell für den Zeitraum bis 2030 ausdrücklich aus. Entsprechend gehören Berufsfelder wie „Healthcare Support“ und „Personal Care and Service“ – Pflegehilfe, Betreuung, Alltagsunterstützung – zu der Gruppe, deren Löhne in allen drei Szenarien steigen.

Für Deutschland kommt ein zweiter Faktor hinzu, der von KI unabhängig ist: Ende 2023 waren knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, rund 4,9 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt. Nach der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes könnte die Zahl bis 2055 auf 7,6 Millionen steigen. Während die Nachfrage nach „Wissensarbeit“ unter Druck gerät, wächst der Bedarf an persönlicher Unterstützung – ganz ohne technologische Annahmen.

„Die Frage ist nicht mehr, ob – sondern wo man in fünf Jahren steht“

„Viele Menschen glauben noch, die KI-Debatte gehe sie nichts an. Diese Studie sagt das Gegenteil: Der klassische Bürojob ist das Modell, das stark unter Druck gerät – nicht die Arbeit am Menschen“, sagt Dominik Gapski, Geschäftsführer von HOMECARE – die Alltagshelfer. „Wer die Zahlen ernst nimmt, stellt sich nicht die Frage, ob sich etwas ändert, sondern wo er in fünf Jahren stehen will. Die Studie gibt zwei deutliche Antworten: bei etwas, das einem gehört, und bei Arbeit, die eine Maschine nicht leisten kann. Unsere Franchisepartner verbinden beides – sie führen ein eigenes Unternehmen in einem Bereich, in dem der Bedarf demografisch wächst und den KI unterstützen, aber nicht ersetzen wird.“

HOMECARE – die Alltagshelfer sieht künstliche Intelligenz daher nicht als Gegner der Pflege. Bei Dokumentation, Planung und Verwaltung kann die neue Technologie tagtäglich entlasten – und Zeit freimachen für das, was bleibt: Betreuung, Begleitung und Unterstützung im Alltag. Arbeit von Mensch zu Mensch – die in allen drei Szenarien gewinnt.

Gesundheit & Medizin / Künstliche Intelligenz / Arbeitsmarkt / Anthropic / Pflege / Büroberufe / Wirtschaftsmodell
[lifepr.de] · 11.09.2026 · 11:35 Uhr
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