Kartellamt spricht Machtwort: Bundesliga bleibt definitiv im klassischen TV

Seit vergangenem Wochenende rollt der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder. Für Fans der klassischen TV-Übertragungen gab es jüngst gute Nachrichten vom Kartellamt bezüglich der anstehenden Rechtevergabe zu hören. Zum Rückrundenauftakt haben wir die ersten Fußball-Quoten im neuen Jahrzehnt sowie die Handball-EM im Blick.

Bei der Vergabe der TV-Rechte der UEFA Champions League kam es Ende 2019 schon zum großen Angriff der Streamingdienste. Ab 2021/22 sind die Spiele der Königsklasse zwischen DAZN und Amazon aufgeteilt. Keiner der beiden Anbieter betreibt einen klassischen TV-Sender. Branchen-Primus Sky ging zum ersten Mal seit Jahren leer aus. Im Frühjahr 2020 steht nun die Vergabe der Bundesliga-Rechte ab der Spielzeit 2021/22 bis 2024/25 an und wieder sollen sich einige neue Player in Stellung bringen. Allerdings soll es hier nicht zu einer Monopolstellung von Streaming- oder klassischem TV kommen, das geht aus einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hervor. Laut Angaben des Bundeskartellamts muss die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Ausschreibung der vier angedachten Rechte-Pakete leicht verändern.

"Die DFL muss ein Vermarktungsmodell vorlegen, das den Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern ermöglicht", zitiert die Zeitung Kartellamtschef Andreas Mundt. "Ein Monopolist hätte kaum Anreize, die Qualität der Berichterstattung zu verbessern und das Innovationspotenzial insbesondere des Internets auszuschöpfen." Geht es nach den Wünschen der DFL soll die sogenannte “No-Single-Buyer-Rule” für die neue Rechtevergabe gekippt werden, sodass die TV-Rechte – wie früher – wieder bei einem Pay-TV-Anbieter landen können. Im Bericht der FAZ macht das Kartellamt nun aber deutlich, dass an dieser Klausel kein Vorbeikommen ist. Die Ausschreibung sieht vor, dass mindestens eines der vier Pakete nicht exklusiv für einen Anbieter sein dürfe und co-exklusiv an einen weiteren Bieter gehen müsse.

Was bisher noch unklar war: Die Vergabe darf dabei nicht allein an Internetanbieter gehen. Eine Aufteilung wie in der Champions League, zwischen DAZN und Amazon, wäre stand jetzt also nicht möglich. Laut FAZ muss mindestens ein Paket an einen Pay-TV-Sender mit Satelliten- oder Kabelnetzzugang gehen. In die andere Richtung gilt allerdings dasselbe. Sollte beispielsweise Sky alle vier Rechte-Pakete erwerben, muss mindestens eines an einen Internet-Streaminganbieter sublizensiert werden. Für die Vergabe der neuen TV-Rechte können Gebote für die Samstags-Konferenz, die Einzelspiele am Samstagnachmittag, das Samstagabendspiel sowie für alle Freitags- und Sonntagspartien zusammen abgegeben werden. Spätestens im Mai ist mit einer offiziellen Entscheidung der DFL zu rechnen. Die zweite und dritte Liga wird ebenfalls verhandelt.

Bei den bisher letzten Verhandlungen machte die Summe des TV-Vertrages einen gewaltigen Sprung von 2,51 auf 4,64 Milliarden Euro insgesamt. Die Verdienste mit der Rechtevermarktung ging um satte 83 Prozent nach oben. Mit einem weiteren Anstieg in dieser Größenordnung ist 2020 allerdings nicht zu rechnen. Das gibt der überreizte Markt derzeit nicht her. Dennoch erhoffen sich die 36 Profiveriene einem Bericht des kickers zufolge mindestens 5,2 Milliarden Euro Umsatz mit dem neuen Deal. Der Blick auf die Vergabe der Champions League zeigt, dass diese Steigerung durchaus realistisch ist. Die Zahl der Interessenten für die Übertragungsrechte scheint so groß, wie noch nie zu sein. Demnach wollen neben den etablierten Playern aufstrebende Namen, wie Amazon, Telekom oder Vodafone, ein Wörtchen mitreden.

Der Blick auf die anderen europäischen Topligen gibt eine gemischte Marschroute vor. Während es für die spanische La Liga, die italienische Serie A und die französische Ligue mit den Einnahmen leicht nach oben ging, hatte die englische Premiere League sogar ein leichtes Minus von zehn Prozent zu verkraften. Größter Gewinner war die Ligue 1 mit einer Steigerung von 15 Prozent. In absoluten Zahlen erzielt die Bundesliga hinter der Premiere League noch immer die höchsten Erträge.

Wie heiß lief die Bundesliga zum Rückrundenstart im TV?

Nach dem Ausblick auf die kommende TV-Rechtevergabe geht es nun zum Hier und Jetzt. Denn während die Zukunft der Bundesliga noch in den Sternen steht, wird seit diesem Wochenende in Deutschlands höchster Fußballklasse wieder gekickt. Zum Auftakt war wie üblich das Eröffnungsspiel der Rückrunde live im Free-TV zu sehen. Die Primetime-Übertragung kam am Freitagabend im ZDF auf 5,45 Millionen Zuschauer und sehr gute 18,0 Prozent Marktanteil, bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 14,1 Prozent eingefahren. Trotz der guten Zahlen, war das Interesse für die Partie zwischen Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach nicht annähernd so groß, wie für den Saisonauftakt zwischen Bayern München und Hertha BSC Berlin vor einem halben Jahr. Damals waren noch mehr als siebeneinhalb Millionen Zuschauer dabei. Nun musste sich König Fußball sogar dem Dschungelcamp auf RTL geschlagen geben, das zu späterer Uhrzeit mit ebenfalls 5,45 Millionen Zuschauern auf glänzende 25,1 Prozent Sehbeteiligung kam.

Am Samstag übernahm wie immer Sky das Ruder. Die erste Samstagnachmittag-Konferenz im neuen Jahrzehnt bescherte dem Pay-TV-Sender sehr gute Einschaltquoten. So ließen sich 1,50 Millionen Fußballfans die Ansetzungen um 15.30 Uhr nicht entgehen. Die Reichweite gliederte sich nahtlos in den bisherigen Saisonschnitt ein. Sky ergatterte mit der Konferenz traumhafte 8,9 Prozent Gesamtmarktanteil. In der klassischen Zielgruppe sprang die Sehbeteiligung sogar auf 16,2 Prozent. Während die Nachmittagsspiele so Zuschauerstark wie eh und je loslegten, löste das Topspiel des 18. Spieltages etwas weniger Begeisterung bei den Fans aus. Die Partie zwischen Traditionsverein Union Berlin und Brause-Klub RB Leipzig lockte nur 600.000 Zuseher an und blieb damit unter den üblichen Zuschauerzahlen für die Samstagabend-Begegnungen. Im Schnitt schalten regelmäßig rund eine Millionen Interessierte ein. So musste sich Sky an diesem Samstag mit 2,4 Prozent insgesamt und 4,4 Prozent bei den klassisch Umworbenen zufrieden geben.

Deutlich besser lief es dann am Sonntag. Da waren die Münchner Bayern mit ihrem Einzelspiel gegen Jürgen Klinsmanns Hertha BSC Berlin an der Reihe. Ab 15.30 Uhr schalteten 1,42 Millionen Fußballfans für das Spiel des Rekordmeisters ein und damit fast noch einmal so viel, wie für die komplette Samstag-Konferenz. Leipzig und Union wurden dagegen weit hinter sich gelassen. Mit dieser überragenden Reichweite freute sich Sky über ausgezeichnete 7,2 Prozent Marktanteil. Mit 0,65 Millionen Umworbenen waren zudem bärenstarke 11,5 Prozent Zielgruppen-Marktanteil drin. Während namhaftere Topspiele noch kommen müssen, war der Rückrundenauftakt für Sky abseits des Samstagabendspiels ein voller Erfolg. Schon am 19. Spieltag sollten die Zuschauerzahlen mit Bayern gegen Schalke auch hier wieder in die Höhe schnellen.

Abseits des Pay-TVs war man auch im Free-TV mit der Bundesliga sehr gut unterwegs. So verzeichnete die Sportschau im Ersten mit den Highlights der Samstagnachmittag-Partien die vierthöchste Reichweite der aktuellen Saison. Ab 18.30 Uhr schalteten 5,17 Millionen Zuschauer ein, woraus 21,3 Prozent Sehbeteiligung resultierten. Bei den Jungen punktete man mit 16,7 Prozent. Im ZDF war das aktuelle sportstudio mit der Zusammenfassung des Abendspiels dagegen nur bei den 14- bis 49-Jährigen ein Erfolg. Dort sicherte sich die Sendung direkt im Anschluss an die Handball-EM gute 9,2 Prozent Marktanteil. Beim Gesamtpublikum kam das Magazin nur auf 2,47 Millionen Zuschauer und unterdurchschnittliche 10,6 Prozent.


Mehr Sendezeit für Bundesliga-Topspiel
Die Samstagabend-Begegnung eines Fußball-Bundesliga-Spieltages erhält ab sofort dauerhaft 15 Minuten mehr Sendezeit bei Sky. Von der Top-Partie des regulären Spieltags wird künftig nicht nur bis 21 Uhr, sondern bis 21.15 Uhr gesendet. Die ohnehin schon deutlich umfangreichere Berichterstattung von Sky rund um das Topspiel wird damit noch etwas mehr intensiviert. Bereits in der Hinrunde nahm sich der Sender für den deutschen Clasico zwischen Borussia Dortmund und Bayern München eine Viertelstunde mehr Zeit als üblich. Für die Rückrunde werden die Übertragungen der Samstagabend-Partien ab sofort immer mit leicht verlängerter Übertragungszeit begleitet. So durften sich Fans von RB Leipzig und Union Berlin zum Rückrundenstart über eine Sendezeit bis 21.15 Uhr freuen.

Spannendere Bundesliga-Übertragungen dank künstlicher Intelligenz?
Seit dem Rückrundenstart arbeitet die Deutsche Fußball Liga (DEL) mit Amazon Web Services (AWS). Die Cloud-Service-Plattform von Amazon soll vor allem die Live-Übertragungen bereichern und detaillierte Informationen zum Spielgeschehen liefern, das rund um die Uhr von einer künstlichen Intelligenz (KI) analysiert wird. Mittels maschinellem Lernen soll die Technologie bald in der Lage sein, Echtzeit-Vorhersagen über die Torerzielung zu machen, heißt es in einer Meldung der DEL. Auch Torchancen und das taktische Verhalten der Mannschaften werde die Plattform in Echtzeit erkennen können. Als Grundlage dienen ihr Live-Daten und historische Daten aus über 10.000 Bundesliga-Spielen.

Grundlage des Dienstes soll eine cloudbasierte Statistik-Plattform sein, die den Nutzern geräteübergreifend zusätzliche Daten und Visualisierungen zu jedem Spiel bereitstellt. Geplant sei außerdem ein Dienst, der – in Echtzeit und individualisiert – in der Lage sein soll, Empfehlungen anzuzeigen, etwa personalisiertes Videomaterial oder Suchergebnisse, die auf Lieblingsklubs, -spielern oder -begegnungen basieren.

Die Frage der Woche
Zum Start in die Handball-EM wollten wir in der vergangenen Woche wissen, wie sehr sich unsere Leser für die Ballsportart im TV interessieren. Dabei kam heraus, dass der Großteil unserer sportbegeisterten Leserschaft mit Handball etwas anfangen können, denn nur 22,0 Prozent gaben an, sich überhaupt nicht für den Sport zu interessieren. 33,9 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer sind sogar aktive Zuschauer der Handball-Bundesliga. Mit 42,2 Prozent aller Stimmen bestätigte sich aber auch das Bild, das sich durch die Analyse vergangener Handball-TV-Einschaltquoten ergab. So gab der Großteil der Leser an, dass sie nur die Spiele der deutschen Mannschaft bei großen Turnieren verfolge. Dieser Leser-Trend drückt sich auch im TV aus. Während EM, WM und Olympia mit deutscher Beteiligung mühelos für hervorragende Einschaltquoten sorgen- egal zu welcher Uhrzeit -, haben Test - und Qualifikationsspiele immer wieder mit guten Einschaltquoten zu kämpfen. Nach großen Turnier ist der Handball-Hype in Deutschland bei den TV-Zuschauern immer wieder schnell verschwunden.

Da die EM momentan aber noch voll im Gange ist, dürfen sich Das Erste und ZDF noch über Spitzenquoten freuen. So begeisterten die beiden Sender mit den ersten zwei Spielen der deutschen Mannschaft in der Hauptrunde am Donnerstag und Samstag jeweils über sechs Millionen Zuschauer. Mit dem packenden Spiel gegen Kroatien ergatterte das ZDF zuletzt überragende 20,7 Prozent Marktanteil. Beim jungen Publikum sprang die Sehbeteiligung auf 22,8 Prozent. Nach der tragischen Niederlage gegen die Kroaten ist ein Weiterkommen der DHB-Adler mit noch zwei ausstehenden Partien gegen die Gastgeberländer allerdings nahezu unmöglich. Daher wird sich zeigen müssen, ob sich die Spiele gegen Österreich und Tschechien weiter auf diesem hohen Einschaltquoten-Niveau halten können oder ob etliche Event-Zuschauer den Begegnungen mit sehr schlechten deutschen Aussichten schon in Massen fern bleiben. Weiter geht’s mit der Partie gegen Österreich am Montagabend ab 20.30 Uhr im Ersten.

Kommt die Nations League doch nicht komplett zu ARD und ZDF?

Eigentlich stand schon alles fest. Die UEFA Nations League 2020/21 sollte bei den Öffentlich Rechtlichen laufen. Dafür sicherten sich Das Erste und ZDF schon vor einiger Zeit die Übertragungsrechte. Doch mit der Aufstockung von Dreier- auf Vierergruppen durch die neueste Umstrukturierung des UEFA-Wettbewerbs und der damit verbundenen höheren Spielanzahl ist das Wettbieten scheinbar wieder neu eröffnet, das geht aus einem Bericht der Sport Bild hervor. Denn den Gerüchten zufolge will RTL zwei der insgesamt sechs Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft live übertragen. Im Gegenzug würde der Privatsender den Öffentlich-Rechtlichen zwei Freundschaftsspiele der DFB-Auswahl zum Tausch abtreten.

Bis dato haben ARD und ZDF nur die ursprünglichen vier Gruppenspiele, sowie beide Halbfinalbegegnungen und das Endspiel der Nations League 2020/21 sicher in den Taschen. Für die durch die Aufstockung hinzugekommenen zwei Gruppenspiele muss neu verhandelt werden. Da ARD und ZDF bereits den Großteil der Rechte erworben haben und sie bereits davon ausgegangen waren, den kompletten Wettbewerb exklusiv live im TV ausstrahlen zu dürfen, soll dies Berichten zufolge auch weiter Plan und Wunschszenario der Öffentlich-Rechtlichen sein. Trotz des entgegenkommenden Tauschangebots muss sich RTL also auf einen harten Kampf um die TV-Rechte der übrigen Spiele einstellen.

Dank der bisher eher dürftigen Auftritte der DFB-Elf in der Nations League, dürfen sich Fans und TV-Anstalten für den kommenden Wettbewerb auf sehr starke Gegner einstellen. Deutschland ist bei der Auslosung am 3. März 2020 nur in Lostopf Nummer 4 und kann demnach genauso wie bei der Auslosung der EM-Gruppen Hammergegnern, wie Portugal oder Frankreich, zugeteilt werden. Alternativ warten die Niederlande, England, Italien oder Spanien auf die Männer von Joachim Löw. Namhafte Spektakel sind für die Rechteinhaber also garantiert. Die zahlreichen Spiele gegen vermeintlich kleine und einfache Gegner in den Downphasen nach den großen Turnieren sind nahezu Geschichte, dafür haben die Pläne der UEFA in den jüngsten Jahren gesorgt.
Magazin / Reihen / Sportcheck
20.01.2020 · 08:55 Uhr
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