Judgment im Test – In Sherlock Holmes Fußstapfen?

Das kommende Action-Adventure „Judgment“ aus dem Hause SEGA hat eine turbulente Post-Launch-Phase durchmachen müssen, wodurch Fans weltweit kurzzeitig um eine Veröffentlichung bangen mussten. Nur wenige Monate nach Release (Dezember 2018) in Japan, wurde das Spiel „Judge Eyes“ – so der japanische Name des Titels – im März 2019 komplett aus dem Verkauf genommen. Grund dafür lieferte der Schauspieler Pierre Taki. Im Spiel übernahm er die Rolle des Yakuza Chefs Kyohei Hamura, doch da dieser wegen eines Drogenverdachts von der Polizei im März 2019 verhaftet wurde, befürchtete SEGA einen Image-Schaden und patchte den Schauspieler komplett aus dem Titel heraus. Glücklicherweise musste der Titel nicht verschoben werden und so können sich Fans bald selbst vom neuen Titel der Yakuza-Macher des Ryu Ga Gotoku Studios überzeugen. „Judgment“ verfrachtet euch erneut in die intrigante Welt des Yakuza-Universums und steht bereits ab morgen in der digitalen Form exklusiv für die Playstation 4 zur Verfügung. Im Handel wird der Titel erst ab dem 25. Juni 2019 vertrieben. Wir durften schon vorab ins neue Abenteuer abtauchen und verraten euch in unserem Test, ob es Privatdetektiv Takayuki Yagami mit dem Drachen von Dojima aufnehmen kann.

Vom Ex-Yakuza zum Privatdetektiv

Fans der Yakuza-Serie müssen stark sein und offen für neues sein. „Judgment“ spielt zwar im Yakuza-Universum, doch bekannte Charaktere wie Kazuma Kiryu, Goro Majima oder Shun Akiyama wird man nicht antreffen. Stattdessen hat sich das Entwicklerteam einen komplett neuen Charakter-Pool ausgedacht, um den Spielern eine alternative Perspektive auf die Straßen Kamurochos zu bieten. Der gealterte Drache von Dojima, Kazuma Kiryu, hat ausgedient. Immerhin blickt der Charakter auf mittlerweile acht Ableger der Serie zurück. Kein Wunder also, dass die Entwickler neue Wege für ihre weltweit beliebte Franchise suchen. Statt also Kazuma, einem Ex-Yakuza, übernehmen wir in „Judgment“ die Rolle von Takayuki Yagami, einem in Ungnade gefallenen Anwalt, der seine Brötchen fortan als Privatdetektiv verdient.

Schon zu Beginn seiner Karriere als Anwalt konnte Takayuki Yagami einen unmöglichen Fall für sich gewinnen. Als Verteidiger gewann er einen Prozess, welcher von der Staatsanwaltschaft bereits als sicherer Sieg verbucht wurde. Von dem Tag an wollte jeder Bürger Kamurochos nur noch von Yagami vertreten werden, doch kurz nachdem er seinem Klienten die Freiheit verschafft hatte, passierte das unfassbare. Sein Klient entpuppte sich als Serienmörder, der seine eigene Freundin brutal abstach und in Brand setzte. Die Polizei konnte den Täter auf frischer Tat verhaften. Von diesem Tag an zweifelt Yagami an seinen Menschenkenntnissen und schmiss seinen Job als Anwalt hin. Drei Jahre später hält sich Yagami mit kleinen Aufträgen als Privatdetektiv über Wasser, bis ihn seine Vergangenheit wieder einholt. Darüber hinaus treibt ein brutaler Serienmörder sein Unwesen in Kamurochos, in dessen Fadenkreuz auch Yagami und sein Umfeld geraten. Yagami setzt sein ganzes detektivisches Können ein, um den Mörder zu überführen. Dabei führt ihn sein Weg immer tiefer in der gefährlichen Unterwelt der Yakuza.

Alles beim Alten und doch Neu

Fans der Yakuza-Serie werden sich sofort heimisch fühlen. Kamurocho hat sich seit dem letzten Ausflug, noch in der Haut von Kazuma Kiryu, kein bisschen verändert. Einerseits schade, anderseits doch erfreulich vertraut. Etwas enttäuschend ist die Tatsache, dass wir Spieler in „Judgment“ keine anderen Areale als das belebte Vergnügungsviertel Kamurocho zu Gesicht bekommen. Da konnte der letzte Ableger „Yakuza 6: The Song of Life“ mit deutlich mehr Abwechslung in Sachen Locations auftrumpfen. Aber da es sich bei „Judgment“ um ein Spin-Off der beliebten Hauptreihe handelt, wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Schön ist hingegen die Sound-Kulisse Kamurochos, nachts dröhnt aus den Läden laute Musik, die Leute unterhalten sich Lautstark und Spielautomaten klingeln an jeder Ecke. Tagsüber ist es deutlich ruhiger und man hört überwiegend laute Motorengeräusche oder rufende Ladeninhaber, die euch zu einem Besuch überreden wollen.

Darüber hinaus bietet auch „Judgments“ Version von Kamurocho eine Menge an Nebenaktivitäten. Bereits im Hauptmenü könnt ihr euch mit einem Freund im lokalen Multiplayer-Modus in „Puyo“ (Tetris-Klon), „Virtua Fighters“ und „Fighting Vipers“ (beides Old-School Beat´Em Ups) messen. Im Kamurocho selbst könnt ihr an Drohnenrennen teilnehmen, verschiedene Arcade-Automaten in den SEGA Game Centern ansteuern, Darts, Poker oder Blackjack spielen, am Flipper Automaten einen neuen Highscore aufstellen und noch vieles mehr. Zudem wird jede Aktivität mit Erfahrungspunkten belohnt, die wiederum in die Verbesserung eures Charakters investiert werden können. Erfahrungspunkte sammelt ihr aber auch indem ihr die zahlreichen Restaurants aufsucht und euch eine Speise genehmigt, um euch zu heilen. Trotz zahlreicher Erfahrungspunkte, die ihr aus Kämpfen, Neben- und Haupttätigkeiten erlangt, ist „Judgment“ kein Rollenspiel. Im Kern ist, wie auch die Hauptreihe „Yakuza“, der Titel ein Brawler. Das bedeutet, dass Yagami mehr mit Kämpfen beschäftigt ist, als detektivischer Arbeit.

Gute Freundschaften muss man pflegen

Ein wesentliches Feature von „Judgment“ ist das Freunde-System. In Kamurocho trifft Yagami auf zahlreiche Charaktere und kann mit vielen sogar enge Freundschaften eingehen. Diese sind nicht nur ein nettes Gimmick, sondern nehmen einen zentralen Stellenwert innerhalb des Spiels ein. Mit jedem neu gewonnen Freund steigt Yagamis Bekanntheit in Kamurocho und je bekannter Yagami wird, desto mehr Aufträge flattern in seinem Detektivbüro ein. Viele Nebenmissionen sind an einen bestimmten Bekanntheitsgrad gebunden, sodass man stets auf der Jagd nach neuen Bekanntschaften ist.

Jeder neu entdeckte Charakter ist aber nicht nur ein Statist, der dazu dient Yagamis Bekanntheit zu steigern, sondern unterhält mit einer ganz persönlichen Hintergrundgeschichte. Ob es nun der Restauranteigentümer einer berühmten Kette ist, der Yagami selbst Essen auftischt und aus nächster Nähe erfahren möchte wie seine Gerichte ankommen oder ein Computer Spezialist, der Yagami hilft bestimmte Personen ausfindig zu machen. Wirklich jeder Charakter bringt eine individuelle Questreihe mit sich, der man folgen kann. Mit jeder abgeschlossenen Aufgabe der jeweiligen Person verbessert man die Beziehung zu dieser und es zahlt sich aus. einige Charaktere patrouillieren in den Straßen Kamurochos, sobald ihr eng befreundet seid und helfen euch im Kampf auf der Straße. Andere Wiederum schicken euch Essen ins Büro, womit ihr euch direkt heilen könnt oder sie versorgen euch mit Geschenken, wenn ihr diese zufällig aufsucht.

Darüber hinaus kann Yagami Freundschaften auch zu romantischen Beziehungen vertiefen. Hierfür muss Yagami die bevorzugte Dame Daten und dies spielt sich wie ein kleiner Dating-Simulator. Man verabredet sich per SMS, trifft sich zum Essen, stellt vordefinierte Fragen, die mehr über den Charakter preisgeben, schießt Selfies und beschenkt diese mit Schmuck.

Detektiv? Fehlanzeige

Schade, dass sich das talentierte Entwicklerteam nicht getraut hat mehr aus dem Charakter Takayuki Yagami zu machen. Während man dem Ex-Yakuza Kazuma Kiryu seine grobschlächtige Art abgenommen hat und folgerichtig akzeptierte, dass dieser seine Angelegenheiten mit den Fäusten regelt, fällt es einem schwer diese Art auch einem angesehenen Anwalt abzunehmen. Takayuki Yagami, Ex-Anwalt und talentierter Privatdetektiv, verlässt sich im Großen und Ganzen mehr auf seinen Kranich- bzw. Tiger-Kampfstil, als auf seinen messerscharfen Verstand. Mit spannender Detektivarbeit hat der Titel nur wenig gemein.

Zwar muss man ab und zu auch mal ein Tatort nach Hinweisen absuchen, Personen beschatten oder eine wilde Verfolgungsjagd abschließen, aber wirklich fordernd sind diese Mechaniken nicht. Besonders das Beschatten einzelner Personen wird spätestens nach dem dritten Mal einfach nur öde. Statt abwechslungsreiche Situationen einzuführen, laufen alle Beschattungen vollkommen identisch ab. Minutenlang laufen wir einer Person hinterher, die sich alle paar Sekunden umdreht und uns zu entdecken droht, unabhängig davon, ob wir uns auffällig verhalten oder ob die verfolgte Person uns gar nicht kennen dürfte. Als Deckung dienen uns Autos, Hausecken oder Schilder. Anspruchsloser geht es wohl kaum.

Leider mutet man dem Spieler kein eigenständiges Denkvermögen zu, anders kann man die inkonsequenten Spielmechaniken nicht deuten. Neben Yakuza-Mitglieder und Straßen-Gangs vermöbeln, setzt Yagami vor allem auf seinen Verstand, so will es uns zumindest die Story vermitteln. Jagen wir als Spieler jedoch Hinweisen nach, indem wir mit einem Lupensymbol ein Schauplatz absuchen, vibriert der Controller sofort, wenn wir auf etwas Interessantes stoßen. Dann genügt es nur noch mit der R2-Taste an das interessante Objekt heran zu zoomen, um es genauer zu inspizieren. Haben wir alle Beweise entdeckt, dann weißt uns das Spiel ebenfalls darauf hin.

Allerdings ist es inkonsequent dem Spieler mehrere Diaologoptionen zur Hand zu geben, woraus er dann die richtige Antwort aussuchen muss, doch es absolut keine Auswirkungen hat, wenn man nicht die richtige Wahl trifft. Zwar wird man mit extra Erfahrungspunkten belohnt, wenn man in den Dialogen die richtigen Fragen stellt, aber die Menge fällt so gering aus, dass sich der Aufwand kaum lohnt. Wird die falsche Antwort ausgewählt, so wiederlegen die anderen Charaktere denn Sinn dieser Antwortmöglichkeit und die Option wird mit einem Häkchen versehen, um zu verdeutlichen, dass ihr diese Antwort nicht erneut wählen solltet. Ohne euch dafür zu bestrafen, könnt ihr euch munter für eine andere Antwort entscheiden.

Rotz, Blut und Trümmer

Dementsprechend bleibt grob gesagt nur noch das Kämpfen übrig. Wie bereits erwähnt kann Yagami auf seinen Kranich- bzw. Tiger-Kampfstil zurückgreifen. Der Kranich-Stil ist agil und zielt darauf ab Gegner-Gruppen schnell zu dezimieren, während der Tiger-Stil sich besser für einzelne Gegner eignet, um diesem mit kräftigen Schlägen zu überwältigen. Zwischen beiden Kampfstilen kann jederzeit per Knopfdruck gewechselt werden, um sich besser der jeweiligen Situation im Kampf anpassen zu können. Serien-typisch kann Yagami auch herumliegende Objekte aufheben und diese als Waffen einsetzen.

Auch die beliebten „EX-Actions“ kommen erneut zum Einsatz. Das sind besondere Angriffe, die Yagami ausführen kann, sobald sich seine EX-Leiste gefüllt hat. Per Dreieck-Taste lass sich dann besonders starke und stylische Attacken ausführen, die in Nahaufnahme zeigen, wie der Gegner Rotz und Blut spuckt. Besonders schön ist eine Hommage an den Film „Drunken Master“, wo Yagami im betrunkenen Zustand exakt dieselbe Choreographie vollführt wie einst Jackie Chan.

Kämpfen wir auf offener Straße, dann schnappen wir uns ein Fahrrad und demolieren es auf den Schädeln unserer Feinde, selbe Funktion erfüllt aber auch ein Werbeschild, ein Leitkegel oder auch der fallen gelassene Baseball-Schläger des Gegners. Im Kampf-Modus kennt Yagami kein Halten mehr und zertrümmert seine Umgebung, als gebe es kein Morgen. In Büros oder Spielhallen fällt einem die zerstörerische Wucht eines Kampfes besonders ins Auge. Schade nur, dass sich Trümmer augenblicklich in Luft auflösen und nach dem Kampf plötzlich wieder alles beim alten ist. Dabei fliegen euch während des Kampfes unzählige Trümmer um die Ohren.

Apropos herumfliegen, wenn Gegner den Halt verlieren, werden die Kräfte der Physik ausgehebelt und sie fliegen, oftmals rotierend, durch den Raum. Gliedmaßen verdrehen und verbiegen sich, als seien sie aus Gummi und lösen sich kurzerhand, wie auch Trümmer sehr schnell in Luft auf.

So schwankt der Titel ständig zwischen einem AAA- und einem Indie-Titel. Denn nicht nur die technische Umsetzung im Kampf lässt zu wünschen übrig, auch die Mimik der Charaktere sind stellenweise viel zu starr. Zudem weisen die Texturen der Gesichter unterschiedliche Qualitäten auf. Während man in den Gesichtern bestimmter Hauptcharaktere wie Yagami, Kaito oder Hamura beinahe jede Pore detailliert erkennen kann, wirken die Gesichter nebensächlicher Personen wie Masken.

Ganz schön repetitiv

Enttäuschend fallen vor allem die neu integrierten Spielmechaniken wie das bereits erwähnte Beschatten und die Verfolgungsjagden aus. Beides ist sehr repetitiv und überrascht bereits beim zweiten Wiederholen keinen mehr. In den Verfolgungsjagden läuft Yagami auf einem vorgefertigten Weg wie eine Eisenbahn auf Schienen. Der Spieler hat hier lediglich die Freiheit Yagami ein klein wenig nach links oder rechts zu „verschieben“ und muss sich darüber hinaus mit Quick Time Events begnügen. Komischerweise wurden einige Verfolgungsmissionen auch erfolgreich beendet, obwohl Yagami gar nicht nahe genug an der Zielperson angekommen war. Auch hier zeigt sich erneut die Inkonsequenz einiger Mechaniken, sodass man deutlich gelangweilter vor den gestellten Aufgaben sitzt und sich nur halbwegs Mühe gibt. So lange man nicht zu viele Fehler hintereinander macht, kann ja nichts schiefgehen.

So bestehen fast alle Nebenmissionen, die ab dem zweiten Kapitel zugänglich gemacht werden, aus den erwähnten Beschattungen oder Verfolgungsjagden. Vereinzelt sogar aus einer Kombination aus beidem. Wären die Geschichten rund um die kuriosen Bewohner Kamurochos nicht so gutgeschrieben, dann könnte man diese getrost links liegen lassen. Trotz der eintönigen Spielmechaniken konnte ich jedoch an keiner entdeckten Nebenaufgabe vorbeilaufen und musste sie erleben. Dazu muss ich jedoch erwähnen, dass man ein Fan des typisch schrägen japanischen Humors sein muss. Ansonsten wird man kaum Spaß an der Geschichte des Unterhöschen Professors empfinde, der für sein Leben gern Spitzenunterwäsche klaut oder dem Arsch grapschenden Ass Catchum (kleine Anspielung an den Pokémon Charakter Ash Ketchum), der jungen Frauen gerne an den Hintern fasst. Aber nicht alle haben einen perversen Hintergrund zu bieten, unter anderem muss man sich auch ernsten Themen wie Diebstahl, Entführung und anderen kriminellen Handlungen annehmen.

Unterhaltsam bis zum Schluss

Wer bereits andere Ableger der Yakuza-Reihe gespielt hat, weiß worauf er sich nicht nur spielerisch, sondern auch Story-technisch einlässt. Wirklich überragend ist die Geschichte rund um die neuen Protagonisten jetzt nicht, weiß aber durchaus zu unterhalten. Es ist einfach spannend die Intrigen innerhalb der verfeindeten Yakuza-Familien hautnah miterleben zu können und zudem sorgen zahlreiche Wendungen im Verlauf des Abenteuers für die ein oder andere Überraschung. Vereinzelte Logik-Fehler in der Geschichte sorgen zwar schon mal für Stirnrunzeln, fallen jedoch bei der gesamten Schrägheit nicht sonderlich ins Gewicht.

Einzig einige Hauptaufgaben, die absichtlich eingestreut wurden, um künstlich die Spielzeit zu strecken trüben den Verlauf der sonst spannend erzählten Geschichte. So müssen wir uns neben der wichtigen Suche nach einem gefährlichen Serienkiller plötzlich mit einem Sorgerechtsstreit auseinandersetzen oder sollen den Job eines Charakters erraten, dessen Antwort Yagami so sehr auf der Seele brennt, dass man diese Person sogar beschatten muss. Hinzu kommt, dass ihr für einzelne Hauptmissionen genug Geld in der Tasche haben solltet. So muss man immer mal wieder an die 100.000 Yen bereitstellen, da man im Spiel jedoch nur durch Nebenmissionen an Geld kommt, wird man dazu gezwungen zumindest einige Nebenaufgaben zu bewältigen.

Erfreulich ist die Tatsache, dass SEGA sich für eine europäische Lokalisierung entschieden hat. So könnt ihr „Judgment“ in den Audiosprachen Englisch sowie Japanisch und in den Textsprachen Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch erleben. Sowohl die englische, als auch die japanische Sprachausgabe ist sehr gut Vertont und vermittelt die richtige Atmosphäre, wobei ich persönlich die japanische Sprachausgabe favorisiere.

Für die insgesamt 13 Kapitel der Hauptkampagne benötigte ich knapp 27 Spielstunden, wobei ich viel von Kamurocho ausgelassen habe. Wer wirklich jede Herausforderung angeht wird sicherlich locker über 100 Spielstunden beschäftigt sein. Nach Abschluss der Hauptkampagne schaltet man einen fünften Schwierigkeitsgrad, einen Neues Spiel+ Modus und das sogenannte Premium Adventure frei. Im Premium Adventure kann man, völlig losgelöst von der Hauptkampagne, die zahlreichen Nebenaktivitäten Kamurochos erleben.

Fazit

Trotz zahlreicher Neuerungen wie den Verfolgungsjagden, Beschattungen, dem Einsatz einer Drohne und der Suche nach Beweisen an verschiedenen Tatorten bleibt „Judgment“ im Kern doch nur ein weiteres „Yakuza“-Spiel. Die Entwickler bleiben beim bewährten und verpassen die Chance mehr aus den neu eingeführten Charakteren zu machen, als die üblichen Schläger-Stereotypen. Selbst Privatdetektiv Yagami klärt seine Fälle lieber mit bloßer Gewalt als mit Köpfchen. Dem Spieler wird kein eigenständiges Denken zugetraut und so ist jegliche detektivische Arbeit für die Katz. Zwar werden richtige Antworten mit extra Erfahrungspunkten belohnt, doch diese sind so gering, dass es keiner Mühe wert ist. Darüber hinaus gibt es keinerlei Konsequenzen für falsche Antworten, stattdessen dürft ihr euch einfach durch die restlichen Antwortmöglichkeiten wühlen.

Die Anfangs erwähnten Verfolgungsjagden sowie Beschattungen fallen deutlich zu repetitiv aus und langweilen sehr schnell, da sie zu wenig Abwechslung beinhalten. Sowohl die technische als auch die grafische Umsetzung schwankt zuweilen zwischen einer AAA- und einer Indie-Produktion und in der Hauptkampagne wurden Aufgaben eingestreut, die nur dazu dienen sollen die Spielzeit zu strecken. Dabei hätte es „Judgment“ nicht nötig gehabt, denn Serien-typisch hat man erneut so viele Nebentätigkeiten zur Auswahl bereitgestellt, dass man schier erschlagen wird. Zudem trumpfen die Nebenmissionen mit japanischen Humor und kuriosen Geschichten auf, die Lust auf mehr machen.

Wer von „Judgment“ mehr als einen typischen Yakuza-Ableger erwartet hat, wird definitiv enttäuscht werden. Auch wenn die Ansätze besonders zu Beginn des Abenteuers anmuten lassen eine Mischung aus Sherlock Holmes und Phoenix Wright (Ace Attorney) vor sich zu haben, wird diese Illusion nach wenigen Spielstunden zerstört. Übrig bleibt nur ein weiterer Schläger in der langjährigen „Yakuza“-Serie, der auswechselbarer nicht sein könnte. Ich bin dennoch überzeugt, dass Fans der Reihe ihren Spaß am neusten Spin-Off haben werden. Zumal dieser endlich deutsche Untertitel zu bieten hat und so einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurde.

Gaming
[next-gamer.de] · 20.06.2019 · 15:58 Uhr
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